So erfährt Adidas alles über Läufer

So erfährt Adidas alles über Läufer

Gerade wurde der Run for the oceans beendet. Der Lauf für die gute Sache lieferte Adidas 1 Million Teilnehmerdaten – und Kundenbindung. Adidas runners ist beispielhaft für die Strategie, wie der Sportartikelhersteller seinen Digitalumsatz bis 2020 auf 4 Milliarden Euro pushen will.

Iki KühnIki KühnRedakteurin Der Handel / etailment
4 Min.· Aktualisiert am
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Der Weg für Adidas: Personalisierung. Der Hebel für die digitale Verkaufsoffensive ist die mobile App "Adidas Sports & Style", die im Herbst 2017 in USA und Großbritannien startete, seit Frühjahr 2018 unter anderem auch in Deutschland live ist. Adidas hat sich vorgenommen, den E-Commerce Umsatz bis 2020 auf 4 Milliarden Euro zu steigern – bis 2016 lag er nur über die eigene Webseite bei mehr als 1 Milliarde Euro. Die App lebt von Inspiration, personalisierte Produktempfehlungen und ein auf die Verhaltensweisen des Verbrauchers zugeschnittenes Kundenerlebnis – dazu gehören News zu Sportarten, Athleten, Events und Produkte. Eine Teilzielgruppe von adidas sind Läufer. Für sie gibt es die weltweite Laufgemeinschaft adidas runners. Runtastic, österreichisches Start-up aus Linz, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die App-Spezialisten tracken ihre App-Nutzer über vier Schwerpunktbereiche: Cardio, Kraft, Ernährung und tägliche Gewohnheiten und liefern ihnen für diese Bereiche personalisiert News und Tipps. Da werden nicht nur Schritte gezählt, Kilometer addiert, Essvorlieben studiert und das Laufverhalten ausgewertet. Sie wissen von der Ernährung, dem Schlafverhalten, dem (Sport-)Kleidungsstil bis zur Teilnahme an Events alles. "Über unsere Apps generieren wir jeden Tag Reichweite, wir verstehen, was unsere Nutzer in unserem System tun", erklärt CEO und Gründungsmitglied Florian Gschwandtner. Der bisherige Erfolg: 240 Millionen Downloads in neun Jahren. Das interessierte Adidas, die vor drei Jahren das damals sechs Jahre alte Unternehmen übernommen hat. Runtastic liefert nun die notwendige App für die Adidas runners.

Die App für die Gemeinschaft

Adidas runners ist nicht einfach eine App, um sich selbst besser zu organisieren und disziplinieren, sondern liefert einen Gemeinschaftsspirit für Läufer unterschiedlicher Level, "die alle das Ziel haben, sich durch die Kraft des Sports, Freundschaft und Engagement, sportlich zu verbessern – als Teil der eigenen persönlichen Entwicklung", wie es Gschwandtner formuliert. Diese Daten fließen in die Produkt- und Evententwicklung – wie in die individuelle Art der Ansprache. Das aktuelle Beispiel: Der Run for the Oceans, den Adidas als Partner von Parley for the Oceans inszeniert, ist ein moralisch aufgeladenes, emotionales Ereignis. Der Lauf will auf die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll aufmerksam machen – gleichzeitig bietet Adidas alles, was ein Läufer braucht – inklusive einer Kollektion mit Parley Ocean Plastic, "aufgearbeiteter Müll, der an Stränden und in Küstengemeinden gesammelt wurde, bevor er das Meer erreichte", verspricht Adidas. 108 Produkte sind im Angebot – wie viel Müll genau in jedem Produkt steckt, bleibt ein Geheimnis.

Limitierte Edition

Zum Auftakt gibt es die limitierte Edition des Ultraboos Parley, „einen leistungsstarken Laufschuh, der konstant Energie zurückgibt. Hergestellt mit Parley Ocean Plastik." Kostenpunkt 200 Dollar. Zudem steckt im Schuh ein NFC-Chip: "Einfach Mobilgerät an den Schuh halten und mehr über die Rettung der Ozeane erfahren", verspricht die Produktbeschreibung.
Vom 8. Juni bis 8. Juli meldeten sich weltweit 924 237 Läufer an – über Runtastic – die in diesen vier Wochen insgesamt 12.402.854 Kilometer gelaufen sind. 13 Städte hatten dazu eigene Laufevents ausgerichtet, darunter London, New York, Los Angeles, Paris, Barcelona, Mailand, Berlin and Shanghai. VIPs wie der Brasilianische Fußballer Ricardo Kaká, der deutsche Torhüter Marc-André ter Stegen, Schwimmlegende Ian Thorpe wie der Surfer Gabriel Villarán unterstützten die Aktion. Die Aufmerksamkeit sollte Geld für die gute Sache mobilisieren und tat es auch. Am 11. Juli meldete Adidas: 1 Million Dollar, denn für die erste Million gelaufene Kilometer spendierte adidas je einen Dollar. Das Geld unterstützt nun die Ocean School auf den Malediven – und Runtastic wertet für Adidas rund 1 Million Läuferdaten aus.

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Iki Kühn
Geschrieben vonIki Kühn

Redakteurin Der Handel / etailment

Iki Kühn ist Redakteurin von Der Handel und etailment.de. Sie studierte Ernährungs- und Wirtschaftswissenschaften, absolvierte ihr Volontariat bei der Lebensmittel Zeitung im Deutschen Fachverlag, für den sie über zehn Jahre arbeitete, und war unter anderem als Autorin für den Burda-Verlag sowie als stellvertretende Chefredakteurin für Titel der Medienunion tätig. Seit rund zehn Jahren widmet sie sich digitalen Medien wie Online-Publikationen und der Produktion von Kurzvideos.

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