Amerikaner lernen zu sparen

Amerikaner lernen zu sparen

Jahrelang war auf die Konsumlaune der Amerikaner Verlass. Doch jetzt bricht der private Konsum ein, die Konjunkturprogramme der Bush-Ära sind verpufft.

David WöllensteinDavid WöllensteinRedakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Ohne Zuwächse beim privaten Verbrauch kann die amerikanische Konjunktur aber nicht auf den Wachstumspfad zurückkehren, denn rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen auf den Konsum. Schon im Herbst 2007 war beim privaten Konsum eine deutlich abnehmende Wachstumsdynamik zu verzeichnen.

Mit einem Anstieg gegenüber dem 3. Quartal 2007 von nur noch 1 Prozent war der Zuwachs so niedrig wie seit dem 2. Quartal 2001 nicht mehr, als die US-Wirtschaft eine Rezessionsphase durchlief. Im 1. Quartal 2008 wurde nur noch ein Plus von 0,9 Prozent erreicht.

Konjunkturfördergesetz zeigte nur kurz Wirkung

Eine leichte Belebung konnte in den folgenden drei Monaten registriert werden: Im Wesentlichen als Effekt des vom US-Kongress im Januar verabschiedeten Konjunkturförderungsgesetzes (Economic Stimulus Act of 2008) erhöhte sich der private Verbrauch um 1,2 Prozent. Das 152 Milliarden-Dollar-Konjunkturprogramm umfasste eine Einkommensteuererstattung von etwa 107 Milliarden Dollar. Der Großteil der Erstattungen ist den privaten Haushalten im Zeitraum April bis Juni 2008 zugeflossen.

Die Hoffnungen, dass sich die Steuererstattungen auch im 3. Quartal 2008 noch einmal bemerkbar machen, sind hingegen enttäuscht worden. Im Gegenteil: Selbst Haushalte, die noch über Spielraum für Konsumsteigerungen verfügen, scheinen nun ihr Geld aus Angst vor noch schlechteren Zeiten zusammenzuhalten. Kurz: Die Amerikaner sparen wieder.

Sparlaune steigt, Einkommen sinkt

Hinzu kommt, dass die Haushalte im 3. Quartal 2008 eine Schrumpfung des verfügbaren Einkommens um etwa ein Prozent hinnehmen mussten. Ferner wird der Konsum durch die zunehmend schwierigeren Bedingungen bei der Beschaffung von Verbraucherkrediten gebremst.

Dies hat im 3. Quartal zu einer Verminderung des privaten Verbrauchs um 3,1 Prozent geführt. Nur wenige Experten hatten einen so starken Rückgang erwartet. Ein schlechteres Ergebnis wurde zuletzt im 2. Quartal 1980 registriert.

Im 3. Quartal 2008 gingen die Ausgaben für langlebige Konsumgüter um 14,1 Prozent zurück. Besonders stark war die Schrumpfung bei Kraftfahrzeugen (-25,6 Prozent). In den meisten anderen Kategorien fielen die Rückgänge einstellig aus. Sehr überraschend ist das deutliche Minus bei Verbrauchsgütern (-6,4 Prozent). Die Ausgaben für Nahrungsmittel verminderten sich um 8,6, bei Bekleidung und Schuhen wurden –11 Prozent ermittelt.

Erstmals seit Jahren Stagnation im Weihnachtsgeschäft erwartet

Dementsprechend dürfte das Weihnachtsgeschäft 2008 anders verlaufen als in den Vorjahren. Bislang war immer nur die Frage, wie hoch die Zuwachsrate ausfällt – der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag stets bei mehr als vier Prozent. Die Marktforscher der NPD Group erwarten jetzt erstmalig eine Stagnation oder einen Rückgang des Weihnachtsgeschäfts.

Die meisten der großen Einzelhandelsketten verbuchten für September im Vergleich zum Vorjahresmonat deutliche Absatzrückgänge. Zu den großen Verlierern gehören Einzelhandelsketten im mittleren bis gehobenen Preissegment wie Gap, Abercrombie&Fitch und die Neiman Marcus Group. Dagegen konnten die großen Discounter wie Wal-Mart und Costco zulegen.

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David Wöllenstein
Geschrieben vonDavid Wöllenstein

Redakteur

David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.

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