
Arcandor überlegt, Antrag auf Staatshilfe zurückzuziehen
War es das? Zwar hat Arcandor noch eine letzte Frist, einen Notfallkredit beim Bund zu beantragen. Dass der Konzern diese Chance auch nutzt, ist mittlerweile fraglich.
David WöllensteinRedakteurChancen bei fifty-fifty
Die Chancen stünden 50 zu 50, dass Arcandor noch einmal staatliche Hilfe beantrage, hieß es aus der Sitzung. Am Montag hatte der Bund die von Arcandor beantragte Rettungsbeihilfe über 437 Millionen Euro zunächst abgelehnt und von Banken, Vermietern und Eigentümern des Unternehmens weitere Zugeständnisse verlangt.
Daraufhin hatte die Arcandor-Spitze die Nacht durch mit allen Beteiligten verhandelt. Arcandor muss sich noch am Dienstag entscheiden, ob die Firma erneut Hilfe beantragt. Ohne Staatshilfe ist laut Arcandor-Sprecher Koslowski der Insolvenzantrag spätestens Mittwoch unausweichlich.
Zu Guttenberg: Kriterien nicht aufweichen
Die von den Arcandor-Eigentümern angebotene Kapitalerhöhung um 150 Millionen reicht nach den Worten von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht aus.
Um an einen staatlichen Rettungskredit zu kommen, müsse ein Zehn-Punkte-Plan erfüllt werden, der "den Chefs bekannt" sei, sagte zu Guttenberg im Morgenmagazin von ARD und ZDF. "Es muss geliefert werden, wir können die Kriterien nicht aufweichen", verlangte er.
"Das Unternehmen ist in der Pflicht
Zu diesen Bedingungen zählte der Minister "signifikante Beiträge" der Eigentümer von Arcandor, ein langfristiges Stillhalteabkommen mit den Banken und Vereinbarungen mit Versicherern. Er betonte, dass ein Rettungskredit mit erheblichen Auflagen nach EU-Recht verbunden wäre. In der Regel werde eine Verringerung der Kapazitäten um 30 bis 50 Prozent verlangt mit den entsprechenden Folgen für die Arbeitsplätze.
Die Eigentümer müssten tatsächlich Kapital zuschießen, nicht nur eine Kapitalerhöhung anbieten, erklärte zu Guttenberg. "Das Unternehmen ist in der Pflicht", sagte zu Guttenberg.
CDU macht Druck
Unterdessen macht der CDU-Wirtschaftsflügel Druck, den Arcandor staatliche Hilfen zu verweigern. Gerade in diesem Fall gelte der Grundsatz "privat vor Staat", sagte der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats Kurt Lauk am Dienstag in Berlin. Im Fall Arcandor seien zunächst die Aktionäre gefragt.
Lauk zeigte sich hingegen mit den Milliarden-Hilfen für Opel einverstanden. Bei dem Autobauer habe es sich um einen Sonderfall gehandelt. Lauks Stellvertreter ist Eckhard Cordes, Chef der Metro Group (Kaufhof), die von einer Insolvenz von Arcandor am meisten profitieren würde. Denn dann würde die Fusion von Karstadt und Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG immer wahrscheinlicher.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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