Berggruen: "Karstadt hat genügend Mittel"

Berggruen: "Karstadt hat genügend Mittel"

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa über die Modernisierung der Warenhäuser, Kapitalspritzen, E-Commerce, Schlecker und die Arbeit des Geschäftsführers Jennings.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
6 Min.· Aktualisiert am
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Welche Hoffnungen knüpfen Sie an den Ausbau des Internetgeschäfts?  Haben Sie keine Angst, dass, wenn die Kunden online bestellen, sie sich dann nicht mehr vor Ort zu Spontankäufen verführen lassen?
Berggruen: "Das Online-Geschäft wächst und spielt eine immer wichtigere Rolle. Solche Veränderungen sind immer Gefahr und Chance zugleich. Karstadt will die Chancen nutzen - und ja, hier kann sich das Unternehmen noch verbessern."

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass mit dem Stellenabbau auch Mitarbeiterinnen auf der Verkaufsfläche verschwinden. Wäre aber nicht gerade die Beratung eine Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzuheben?
Berggruen: "Karstadt hat den geplanten Stellenabbau nahezu abgeschlossen. Wie angekündigt haben wir dies nahezu vollständig sozialverträglich geschafft. Das Ziel war, das Unternehmen auf die richtige Größe zu bringen. Karstadt ist effizienter, die Bürokratie wurde reduziert und das Unternehmen besser organisiert - das gibt Karstadt deutlich mehr Zeit für den Kunden und nicht weniger. Denn wenn man ein insolventes Unternehmen zurück ins Leben führen will, geht das nur, wenn alle - auch die Mitarbeiter - zu Veränderungen bereit sind. Jeder muss sich fragen, was er in seinem Bereich verändern muss. Einfach festzuhalten an dem, was immer schon war, hat unter anderem dazu geführt, dass Karstadt pleite war."

Wieviele Häuser müssen noch umgebaut werden und woher kommen die
Mittel dafür?

Berggruen: "Die Modernisierung eines Einzelhandelsunternehmens ist ein Prozess, der nie enden kann und wird. Karstadt hat bisher 32 Filialen erfolgreich neu eröffnet und bekommt dafür großartiges Feedback von Kunden. Die Investitionen finanziert Karstadt aus seinem Cash Flow und mit der Unterstützung von Geschäftspartnern."

Was steckt hinter der Trennung in Premium-, Waren- und Sporthäuser? Wollen Sie vorbereitet sein, das Unternehmen zu zerschlagen, sollte sich die Lage verschlechtern? Sie haben das schon mehrfach dementiert, aber Kritiker wollen Ihnen das einfach nicht abkaufen.

Berggruen: "Wie ich bereits mehrfach gesagt habe, ist es nicht meine Absicht, Premium oder Sport zu verkaufen. Ich bin ein langfristiger Investor und wir wollen alle drei Säulen von Karstadt entwickeln und stärken. Es sind drei unterschiedliche Geschäfte - und jedes Segment muss für sich allein stark sein."

Als der Metro-Konzern 2011 einen neuen Anlauf zum Verkauf der Warenhaustochter Kaufhof nahm, haben Sie Ihren Hut in den Ring geworfen. Besteht Ihr Interesse noch, auch wenn Metro den Kaufhof derzeit nicht aktiv anbietet?
Berggruen: "Ich glaube weiterhin an diese Idee. Eine Zusammenarbeit der beiden Unternehmen würde nach wie vor Sinn machen. Das Marktumfeld ändert sich, also müssen sich auch Unternehmen verändern."

In der Karstadt-Chefetage dreht sich das Personalkarussell. Könnte nach dem Ausstieg des Finanzvorstandes im November in diesem Jahr für den Vorstandschef die Fahrt zu Ende zu gehen?  In der Gerüchteküche wird gemunkelt, Sie denken über personelle Alternativen nach.

Berggruen: "Karstadt-CEO Andrew Jennings macht einen großartigen Job - er arbeitet unheimlich hart. Wir stehen zu 100 Prozent hinter ihm. Er hat eine schwierige Aufgabe, die er bravourös löst. Er macht Karstadt gemeinsam mit den Mitarbeitern zu dem modernen und kundenorientierten Unternehmen, das es sein soll. Am Ende dieses Jahres werden er und ich gemeinsam entscheiden, wie wir weiter fortfahren."

Der Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen war im vergangenen Jahr ein Schock für die Mitarbeiter, bei denen die Angst umging und böse Erinnerungen an Krisenzeiten hochkamen. Müssen Sie nicht befürchten, dass das Denkmal des ritterlichen Berggruen bröckelt?

Berggruen: "Es geht nicht um mich. Es geht um das Unternehmen. Karstadt muss auf eigenen Füßen stehen können. Die Firma lebt seit 130 Jahren und wird noch viel länger weiterleben. Karstadt ist ein deutscher Schatz  - und ich bin glücklich, ihn mitgestalten zu dürfen. Manchmal habe ich den Eindruck, einige - auch Journalisten - wollen diesen Schatz beschädigen. Dabei sollte man ihn pflegen und stolz auf ihn sein."

Verdi mahnt mehr Investitionen an. Sie sollten Ihre gut gefüllte Privatschatulle öffnen, um Karstadt nach vorn zu bringen. Es wird zwar immer wieder die Summe von einer Milliarde Euro genannt, die Karstadt mit seinen Geschäftspartner bis 2015 investieren wolle. Kritiker meinen aber, der Eigentümer selbst habe letztlich doch nur den symbolischen Kaufpreis von einem Euro in die Warenhauskette gesteckt.
Berggruen: "Karstadt hat genügend Mittel. Die Firma hat keine Schulden. Unser Erfolg ist keine Frage von Kapital und Investments. Es geht um Inhalte, um Ideen. Am wichtigsten sind die handelnden Menschen. Sie machen den Unterschied und sind das eigentliche Kapital."

Ihr Hobby scheint das Sammeln großer Firmennamen zu sein. Erst der Möbelriese Schieder, dann Karstadt. Danach streckten Sie auch nach Kaufhof und Schlecker ihre Hände aus. Halten Sie weiter Ausschau nach spektakulären Übernahmemöglichkeiten?
Berggruen: "Natürlich beobachten wir den Markt weltweit. Wir halten immer Ausschau und sehen uns ständig interessante Dinge an."

Im Mai 2012 war für die damals noch 13.500 Beschäftigten der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker Ihr Übernahmeinteresse einer  der letzten großen Hoffnungsschimmer. Warum kam es letztlich eigentlich nicht dazu?
Berggruen: "Im Gegensatz zu Karstadt war Schlecker nicht zu retten. Das ist der Unterschied."

Interview: Volker Danisch, dpa

Die Nachrichtenagentur dpa befragte Nicolas Berggruen auch zu den Gerüchten, er würde über Markenrechte Geld aus dem Unternehmen ziehen. Berggruen ließ diese Frage in dem schriftlich geführten Interview unbeantwortet. Sein Sprecher verwies darauf, dass Fragen zu internen finanziellen Themen bei Karstadt als privatem, nicht börsennotiertem Unternehmen generell nicht beantwortet würden.

Berggruens Interview-Offensive ist wohl vor allem den kritischen Artikeln des aktuellen Manager-Magazins und der aktuellen Ausgabe von "Der Spiegel" geschuldet, in denen die bisherigen Sanierungserfolge beim Warenhauskonzern in Frage gestellt werden. Ansonsten beschränkt sich die Pressearbeit von Karstadt eher darauf, Berichterstattungen jeglicher Couleur durch die Androhung juristischer Schritte zu unterbinden.
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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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