
Black Friday im B2B-Handel: Cashcow oder Verlustgeschäft?
Der Black Friday, einst ein Phänomen des B2C-Segments, gewinnt auch im B2B-Bereich zunehmend an Bedeutung. Doch erzielt die Rabattschlacht dort überhaupt einen Mehrwert? Ein Pro und Kontra von Damien Perillat, Chief Commercial Officer beim Finanzdienstleister Billie.
66 Prozent mehr Bestellungen am Black Friday
Billie verzeichnete am Black Friday 2022 rund 66% mehr Bestellungen über die "Buy Now, Pay Later"-Zahlungsmethode für Geschäftskunden als noch vier Wochen davor – ein deutlicher Peak und Hinweis darauf, dass die wichtigsten B2C-Aktionstage im Jahr auch im B2B-Geschäft eine zunehmende Rolle spielen.
Dies bestätigt die Erkenntnisse aus einem Bericht des Berliner Marktforschungsinstituts Hopp, welches schon im Jahr 2018 eine Befragung unter 100 deutschen Onlinehändlern im B2B-Segment vorgenommen hatte. Laut der Studie gelang es 70% der Befragten, durch Rabattaktionen zum Black Friday neue Kunden zu akquirieren.
Weiterhin konnten 75% der beteiligten Unternehmen eine signifikante Umsatzsteigerung verzeichnen, und etwa ein Drittel der Händler betrachtete den Black Friday als eine Gelegenheit, solche Kunden anzusprechen, die durch andere Marketingkanäle nicht erreicht werden konnten.
B2B hinkt bei der Digitalisierung hinterher
Der Black Friday ist nicht der erste Trend, der vom B2C- in den B2B-Bereich übergeht. Die Erwartungen und das Einkaufsverhalten der Geschäftskunden ändern sich, was eine Anpassung an solche Trends erfordert, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wer aus Prinzip einen Trend auslässt, muss damit rechnen, dass die Wettbewerber profitieren. Jeder Händler sollte sich daher die Frage stellen, ob die Zielgruppe mit saisonalen Rabatten beim Wettbewerb rechnen kann. Bei einem Baustoffhändler ist dies vielleicht weniger der Fall als im Elektronikfachhandel.
Jede Rabattaktion muss jedoch auch abbildbar sein. Der B2B-Bereich hinkt in der Digitalisierung massiv hinterher. Das stellt Händler vor die Herausforderung, erfolgreiche Black-Friday-Aktionen umzusetzen. Für schnelle Marketingmaßnahmen am Black Friday sollten Prozesse möglichst digital und nahtlos sein.
Sollen Kunden beispielsweise schnell zugreifen, da der Rabatt nur kurze Zeit verfügbar ist, darf man nicht von ihnen erwarten, sich durch einen umständlichen Bezahlprozess zu mühen. Gerade der Rechnungskauf, die beliebteste Bezahlmethode im B2B-Geschäft, ist oft noch sehr umständlich gestrickt. Hier müssen sich B2B-Händler in jedem Fall an den Kollegen aus dem B2C-Geschäft orientieren und die Kundenerfahrung in den absoluten Mittelpunkt stellen.
Black Friday im B2B: Pro und Contra
Schlussendlich müssen B2B-Händler verschiedene Argumente abwägen, ob Black-Friday-Rabattaktionen sich lohnen:
- Wiegt der Verzicht auf Marge durch Rabattaktionen die Vorteile durch Neukunden oder größere Bestellmengen auf?
- Ist der Kaufprozess digital genug, dass er eine erhöhte Nachfrage abbilden kann?
- Geht Geschäft an den Wettbewerb verloren, wenn erwartbare, saisonale Trends ausgelassen werden?
Fazit
Bestimmte Trends wie die Digitalisierung sind im Onlinehandel nicht aufzuhalten und prägen stark die Erwartungshaltung der Kunden. Andere Trends wie saisonale Rabattaktionen hängen stark von Händler, Produktpalette, Zielgruppe und vielen weiteren Faktoren ab. Wer die oben genannten Argumente für sich sorgfältig abwägt, kann die richtige Entscheidung treffen, ob die Rabattschlacht sich am Ende auszahlt.
Gastautor
Damien Perillat ist Chief Commercial Officer bei Billie. Zuvor leitete er den Bereich Digital Commerce beim französischen Zahlungsdienstleister Worldline und war über ein Jahrzehnt in verschiedenen Führungspositionen bei Paypal tätig, unter anderem als Managing Director für Westeuropa.
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