
Das Pleitenjahr 2009
Es kann nur besser werden: 2009 mussten in Deutschland zahlreiche Unternehmen Insolvenz anmelden. Die meisten von ihnen sind aber weiterhin im Geschäft. Eine Chronologie.
Björn BöerChefredakteur2.2.: Edscha. Der Autozulieferer beantragte Insolvenz für sein Europa-Geschäft. Der Weltmarktführer bei Scharniersystemen wurde aufgespalten, Webasto übernahm die Cabriodach-Produktion, die Karosserie-Sparte ging an spanische Investoren.
4.2.: Märklin. Die Banken des Modellbahn-Herstellers hatten einen Kredit über 50 Millionen Euro nicht verlängert. Ende des Jahres läuft der Betrieb weiter, der Insolvenzverwalter sucht nach einem Käufer. Rund 400 Mitarbeiter mussten gehen, jetzt sind es noch etwa 1.000.
9.2.: Schiesser. Der 1875 gegründete Wäsche-Spezialist ("Feinripp") saß trotz einer Restrukturierung auf einem Schuldenberg und bekam kein neues Geld. Schiesser soll 2010 verkauft werden. Unter den drei verbliebenen Kaufinteressenten ist der Modemacher Wolfgang Joop.
8.4.: Karmann. Das Ausbleiben neuer Aufträge in der Autokrise brach dem Cabrio-Spezialisten mit gut 3.400 Mitarbeitern das Rückgrat. Im November beschloss VW die Übernahme von Maschinen und Grundstücken in Osnabrück, andere Teile werden verkauft oder geschlossen.
11.4.: Woolworth Deutschland. Die Billigkaufhaus-Kette ging mit rund
11.000 Mitarbeitern in die Insolvenz. Etwa die Hälfte der rund 300 Filialen soll fortgeführt werden. In die restlichen Standorte ziehen andere Firmen ein, unter anderem die Drogeriekette Schlecker.
5.6.: Wadan-Werften. Nur ein Jahr nach den Einstieg des russischen Investors Andrej Burlakow waren die Schiffbauer in Wismar und Rostock zahlungsunfähig. Burlakow kam im Dezember in Moskauer U-Haft wegen Betrugsvorwürfen. Die Werften gingen an neue russische Investoren.
9.6.: Arcandor. Der Konzern riss auch Karstadt und Quelle mit in die Insolvenz. Während für die Karstadt-Warenhäuser weiterhin ein Käufer gesucht wird, gehen im Versandhandel um Quelle die Lichter aus. Nur ein Zehntel der 10.500 Beschäftigten kann wohl den Job behalten.
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4.8.: Schimmel. Deutschlands größter Klavierbauer, 1885 gegründet, verlor in der Wirtschaftskrise vor allem massiv Geschäft in seinem wichtigsten Markt USA. Das Familienunternehmen mit gut 140 Beschäftigten ringt noch um seine Rettung.
13.8.: Escada. Eine der bekanntestens Modemarken der Welt konnte nach schlecht aufgenommenen Kollektionen und hohen Verlusten nicht mehr weitermachen. Doch ein Käufer fand sich schnell: Megha Mittal, die 33-jährige Schwiegertochter des Stahl-Milliardärs Lakshmi Mittal.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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