Mitarbeiterin verpackt Ware in stiller Luxus-Versandstation als Symbol für abgeschalteten Webshop
© Black Forest Labs / Flux

Frasers schaltet bei Harvey Nichols den Webshop ab

Die britische Luxus-Kaufhauskette Harvey Nichols hat ihren Online-Shop wenige Tage nach der Übernahme durch die Frasers Group abgeschaltet, berichtet Retail-News.de. Auf der Website verweise man auf eine unbestimmte Übergangsphase. Frasers habe Harvey Nichols am 13. August aus der Insolvenz übernommen, dem Vernehmen nach für rund 40 Mio. britische Pfund. Zuvor habe das Haus fünf Verlustjahre in Folge verbuchen müssen.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
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Harvey Nichols stellt Online-Shop nach Frasers-Übernahme vorübergehend ein

Der Umbruch bei Harvey Nichols wird unmittelbar nach der Übernahme durch die Frasers Group sichtbar: Die britische Luxus-Kaufhauskette hat ihren Online-Shop wenige Tage nach dem Eigentümerwechsel abgeschaltet. Auf der Website verweist das Unternehmen auf eine unbestimmte Übergangsphase. Die stationären Häuser bleiben hingegen geöffnet. Über die Entwicklung berichtet Retail-News.de.

Die Abschaltung betrifft vor allem den Onlinehandel und dürfte mit der operativen sowie rechtlichen Trennung zwischen alter und neuer Gesellschaft zusammenhängen. Frasers hatte Harvey Nichols am 13. August 2026 über ein Pre-Pack-Verfahren aus der Insolvenz übernommen. Dabei werden wesentliche Vermögenswerte auf einen neuen Eigentümer übertragen, während Verbindlichkeiten der bisherigen Gesellschaft grundsätzlich im Insolvenzverfahren verbleiben.

Entsprechend klar grenzt der neue Betreiber frühere Kundenansprüche ab: Erstattungen und Geschenkgutscheine aus der Zeit vor dem 13. August 2026 werden laut Kundeninformation nicht von der neuen Eigentümerstruktur bearbeitet. Betroffene Kundinnen und Kunden müssen sich an den Insolvenzverwalter wenden. Für Käufe nach dem Eigentümerwechsel gelten dagegen die regulären Bedingungen.

Zum übernommenen Geschäft gehören sechs britische Kaufhäuser in London-Knightsbridge, Manchester, Birmingham, Bristol, Leeds und Edinburgh sowie das Onlinegeschäft, Warenbestände und internationale Franchisevereinbarungen. Mehr als 1.000 Beschäftigte wechselten ebenfalls zu Frasers. Das Londoner OXO-Tower-Restaurant war nicht Teil der Transaktion. Medienberichten zufolge lag der Kaufpreis bei rund 40 Millionen britischen Pfund; offiziell bestätigt wurde diese Summe nicht.

Harvey Nichols kommt aus einer langen wirtschaftlichen Schwächephase. Das Unternehmen verzeichnete zuletzt fünf Verlustjahre in Folge. Im Geschäftsjahr bis März 2024 sank der Umsatz von rund 216,6 Millionen auf 204,8 Millionen Pfund, während sich der Vorsteuerverlust von etwa 21 Millionen auf mehr als 35 Millionen Pfund erhöhte. Für das folgende Geschäftsjahr wurde ein weiterer Umsatzrückgang auf rund 184,8 Millionen Pfund bei einem Vorsteuerverlust von etwa 49 Millionen Pfund berichtet. Damit übernimmt Frasers eine Marke mit starker Tradition, aber erheblichem Sanierungsbedarf.

Belastet wird Harvey Nichols zusätzlich durch ein schwieriges Umfeld im britischen Luxushandel. Hohe Kosten, schwaches Verbrauchervertrauen und Veränderungen im internationalen Tourismus treffen besonders teure Innenstadtstandorte. Die Abschaffung des steuerfreien Einkaufens für internationale Besucher hat zudem Londons Position gegenüber anderen europäischen Luxusstandorten geschwächt.

Mit dem Verkauf endet die Ära des bisherigen Eigentümers Sir Dickson Poon, der Harvey Nichols 1991 übernommen hatte. Im Juni 2026 wurden strategische Optionen einschließlich eines Verkaufs geprüft; neben Frasers galt auch Next als Interessent. Unter Frasers soll die bereits begonnene Neupositionierung weitergeführt werden. Dazu zählen Investitionen in das Flaggschiff in Knightsbridge sowie Anpassungen bei Sortiment, Beauty und Hospitality. Konzernchef Michael Murray hat jedoch schwierige Entscheidungen angekündigt, sodass weitere Einschnitte oder eine Neuordnung des Geschäfts nicht ausgeschlossen sind.

Strategisch passt Harvey Nichols zur Strategie von Frasers, das sein Portfolio seit Jahren in Richtung Premium und Luxus ausbaut. Die vorübergehende Schließung des Webshops markiert damit weniger einen Rückzug aus dem digitalen Geschäft als den Beginn einer umfassenden Integration von IT-Systemen, Warenbeständen und Prozessen.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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