
"Das sind belanglose Beträge"
Würde eine geringere Mehrwertsteuer den Konsum beleben? Nein, sagt der Volkswirtschaftler Horst Gischer. Vielmehr erinnert er an ein altes Gesetz für wirtschaftliche Notlagen.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentDeren Lebenshaltungskosten sind deutlich höher als bei uns. Großbritannien kennt zudem keinen gespaltenen Mehrwertsteuertarif. Wenn dort der Steuersatz um drei Prozent gesenkt wird, geht diese Entlastung auf das gesamte verfügbare Einkommen. Ob deswegen trotzdem nennenswerte Konsumstöße erzielt werden, vermag ich aber nicht vorherzusagen.
Was sollte in Deutschland unternommen werden, damit die Menschen mehr Geld zum Einkaufen haben?
Entweder muss der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer deutlich erhöht werden. Oder man nimmt eine deutliche Reduzierung der Lohnsteuer bei Beziehern von den niedrigen Einkommen vor. Denn diese Menschen geben ihr komplettes Einkommen für Konsum aus - zur Sparquote im Land tragen sie nicht bei.
Wie kann so eine Steuernovelle umgesetzt werden?
Indem man das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 anwendet, das für konjunkturelle Notlagen beschlossen worden ist. Dort ist unter anderem vorgesehen, dass Steuereinnahmen aus konjunkturellen Hochzeiten in Rezessionsphasen an den Steuerzahler zurückgegeben werden.
Zur Person: Der gebürtige Westfale Horst Gischer hat Bankkaufmann gelernt und ist seit 1997 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg.
Interview: Steffen Gerth

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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