
Der neue Sixt im Netz
Der Münchner Autovermieter Sixt AG plant mit dem ersten virtuellen Autohaus "e-sixt" die Revolution im E-Commerce.Bis zum Jahr 2003 will Europas größter Autovermieter mit einer Kapitalausstattung von 40 Mio. Euro einen Umsatz von 800 Millionen Euro im Internet-Business mit der neuen Tochter e-sixt AG realisieren.
Björn BöerChefredakteurBis zum Jahr 2003 will Europas größter Autovermieter mit einer Kapitalausstattung von 40 Mio. Euro einen Umsatz von 800 Millionen Euro im Internet-Business mit der neuen Tochter e-sixt AG realisieren. Der Mann mit den lockeren Sprüchen, wie der Firmengründer Erich Sixt gerne genannt wird, gilt nicht umsonst als einer der Dynamiker in der europäischen Automobilbranche. Seine Vision ist eine komplette E-Commerce-Plattform, die alle Internet-Aktivitäten abdeckt: angefangen von der Online-Vermietung der gewaltigen Neuwagenflotte über eine Gebrauchtwagenbörse, wöchentlichen Auktionen, einem spektakulären Neuwagenleasing, einer Komplettlösung für den Firmenfuhrpark mit B2B-Online-FleetControl bis hin zur Flugbuchung nach dem "Best Price"-Prinzip.
Eine gewaltige Chance sieht Sixt vornehmlich im Privatkundengeschäft, das bisher lediglich etwa 5% zu dem AG-Umsatz von 4,5 Milliarden Euro 1998 beitrug. Zehn- bis fünfzehntausend privat verkaufte PKWs lautet die Erfolgsformel. Entsprechend dem Unternehmerspruch "Sixt war immer schneller als die Konkurenz" bedeutet dies, dass ein Kunde im Neuwagen-Leasing aus einem Datenbank-Repertoire von über 100 Millionen Datensätzen sich zunächst die Marke aus 15 Automobilherstellern, dann das Modell, zuletzt die Ausstattung bis ins gewünschte Detail von seinem Traumwagen via Internet zusammenstellen kann. Garantiert werden gleichzeitig die günstigsten Leasingbedingungen, die der Markt zu bieten hat, und Lieferung vor die Haustür. Vorheriges Antesten in einer der 400 deutschen Sixt-Stationen ist gegeben.
350 Millionen Euro des geplanten Umsatzes in 2003 möchte die neue Tochter unter der Leitung des Sixt-Vorstandes Andreas Heinze, 39, im elektronischen Reisegeschäft realisieren. Vier Millionen Kunden habe das Unternehmen Sixt AG aus dem angestammten Leasing- und Autovermietgeschäft in seiner Datenbank. Ein gewaltiges Potential, glaubt der grenzenlos optimistische Unternehmer Erich Sixt für seine Chancen im Internet. So erwartet er dramatische Wachstumsraten beim Reisegeschäft. Man kenne die Kunden, ihre Reisegewohnheiten, ihre E-mail Adressen. Der Kunde könne unter 1,5 Millionen täglich aktualisierter Flugdaten in sekundenschnelle den preiswertesten verfügbaren Flug für die von ihm gewünsche Strecke buchen - Bezahlung gleichfalls online.
Ohne jede Bescheidenheit verkündet Sixt sein Ziel, im Bereich Mobilität, Auto und Reisen der führender E-Commerce-Anbieter zu werden. Und um den Kunden eng an sich zu binden, betätigt sich Sixt mit Nikoma als Internet-Provider. Obwohl gerichtlich zwischenzeitlich untersagt, hält es Erich Sixt trotzdem mit dem verbotenen Slogan: "Lieber zu Sixt als zu teuer".
Aus München berichteten Wolfgang H. Otto und Armin M. Reindl
KONTAKT:
Internet: www.e-sixt.com
Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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