Die Insolvenzen in Deutschland waren auf einem Rekordtief, jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab. Die Zahlungsmoral ist gut, dennoch steigen die Zahlungsausfälle. Besonders betroffen ist eine Handelsbranche.
"Firmen zahlen also schneller - oder gar nicht"
Die Zahlungsmoral sei gut, so die Experten von Euler Hermes. "Deutsche Unternehmen gehören traditionell zu den Schnellzahlern", erklärt Ron van het Hof, Geschäftsführer von Euler Hermes in Deutschland. Durchschnittlich 56 Tage dauere es, bis börsennotierte deutsche Firmen ihre Rechnungen begleichen würden, "das ist elf Tage schneller als der weltweite Durchschnitt." Das Niedrigzinsumfeld trage dazu bei, dass die Firmen sogar noch schneller als im Vorjahr bezahlten.
Die Zahlungsmoral steige infolge der hohen Eigenkapitalreserven, beobachtet Euler Hermes. Zahlungsverzögerungen seien ebenfalls rückläufig. "Ausschlaggebend ist aber, dass die Zahlungsausfälle bereits im vergangenen Jahr trotzdem um 3 Prozent angestiegen sind", sagt van het Hof. "Firmen zahlen also schneller - oder eben gar nicht."
Textilbranche besonders betroffen
Insbesondere eine Branche trifft es dabei besonders: "Besonders stark ist zuletzt das Risiko in der deutschen Textilbranche gestiegen", sagt van het Hof. Erst im Mai hatte der Herrenausstatter Pohland Insolvenz angemeldet, im März der Steilmann Konzern.
Der Handels- und der Dienstleistungssektor sowie die Baubranche verzeichneten laut Euler Hermes absolut gesehen die höchste Anzahl an Pleiten unter allen Branchen.
