
Der Supermarkt wird zum Restaurant
Discounter und Onlinehandel setzen die klassischen Supermärkte unter Druck. Bei der Suche nach neuen Erfolgsrezepten bauen Rewe und Co. immer öfter auf Sushi-Bars und Bistros zwischen den Verkaufsregalen.
Björn BöerChefredakteurDer Innovationsschub bei Rewe und Co kommt nicht ganz freiwillig. Die klassischen Supermärkte stehen gleich doppelt unter Druck. Auf der einen Seite sind die Discounter wie Aldi oder Lidl aggressiv wie lange nicht mehr. Sie haben ihre Filialen aufgemöbelt und bieten inzwischen längst auch frische Brötchen, Delikatessen und Bio-Produkte an. Auf der anderen Seite schneiden sich die Onlinehändler immer größere Stücke von den Umsätzen der Lebensmittelhändler ab.
In den ersten Jahren Lehrgeld gezahlt
"Für uns ist es wichtig, den Kunden beim Lebensmitteleinkauf etwas Besonderes zu bieten", begründet denn auch Geschäftsführer Rüdiger Zurheide das üppige Gastronomie-Angebot. Dies helfe auch im Kampf gegen die Online-Konkurrenz. Einfach sei der Schritt in die Gastronomie allerdings nicht. "Wir machen das Ganze seit über zehn Jahren. Die ersten Jahre haben uns ganz viel Lehrgeld gekostet", räumt der Händler ein. Doch inzwischen rechne es sich.
Auch Rewe-Chef Alain Caparros will die Supermärkte des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers künftig mit Gastronomieangeboten attraktiver machen. "In Zukunft wird der Supermarkt ein Ort der Begegnung sein", glaubt er. Der Handelsriese testet deshalb derzeit an drei Standorten in Deutschland ein neues Restaurant-Konzept, das in Zukunft Einzug in viele Läden der Kette halten könnte: "Made by Rewe".
Nudeln, Pizza, Curry
An rustikalen Holztischen kann man dort Nudeln, Pizzen oder indische Currys essen. Auch ein Frühstücksbuffet ist im Angebot. Doch noch ist vieles in der Testphase. "Wir probieren bis zum Frühherbst das Verschiedenste aus. Da wird noch das eine oder andere dazukommen oder wegfallen", sagt der zuständige Rewe-Manager Christoph Wenisch beim Ortstermin im Kölner Lokal. Fest steht schon: Die optisch reizvolle, chromglitzernde Selbstbedienungs-Espressomaschine wird wohl wieder aus dem Kundenbereich verschwinden - die Bedienung ist zu kompliziert.
Grundsätzlich sieht Wenisch gute Chancen für das Konzept. "Das Konsumverhalten ändert sich. Viele gehen am Abend, bevor sie nach Hause gehen, noch kurz etwas essen und trinken." Dafür sei ein solches Angebot prädestiniert.
Ort der sozialen Ansprache
Auch der Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH), Kai Hudetz, sagt: "Es spricht einiges für einen Erfolg der Gastronomiepläne von Edeka, Rewe und Co." Supermärkte könnten den Kunden in ihren Restaurants ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Außerdem sei es bequem, wenn man den Restaurantbesuch zusammen mit dem Einkauf erledigen könne. Das gelte für Berufstätige, aber auch für Senioren. "Heute gehen viele ältere Leute zum Arzt, weil sie soziale Ansprache suchen. Warum sollen Sie nicht in Zukunft in den Supermarkt gehen?"
Für den Handelsexperten Jochen Pinsker vom Marktforschungsunternehmen npdGroup steht fest: "Die Gastronomie ist im Umbruch. Es ist ein Verdrängungswettbewerb. Die Supermärkte könnten mit ihren Gastronomieplänen zu den Gewinnern gehören." Doch das bedeutet auch: Etliche normale Restaurants und Gaststätten werden wohl die Verlierer sein.
Erich Reimann, dpa

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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