
Deutsche Bank stellt Mittelstandsfonds vor
Die Deutsche Bank hat ihren Mittelstandsfonds vorgestellt. Mit Genussrechten soll die Eigenkapitalbasis von Unternehmen verbessert werden. Das Konzept erinnert allerdings an Altbekanntes.
Mittelständler ab 100 Millionen Euro Umsatz
"Der Fonds richtet sich branchenunabhängig an Mittelständler mit einem Umsatz von bis zu 100 Millionen Euro", erläuterte der Deutschland-Chef des Branchenprimus. "Die Tranchen für die Eigenkapitalbeteiligungen werden zwischen 2 und 10 Millionen Euro liegen, im Durchschnitt rechnen wir mit 5 Millionen Euro".
Risikoprüfung und Vergabeentscheidung obliege allein der Fondsgesellschaft. Im zuständigen Investitionsausschuss sitze lediglich ein Vertreter der Deutschen Bank, betonte Fitschen. Im Gegensatz zu einem Kredit werden die Genussscheine im Konkursfall nachrangig bedient und gilt daher in der Bilanz als Eigenkapital.
Die Laufzeit der Genussrechte ist auf sieben Jahre angelegt, allerdings bestehe ein vorzeitiges Kündigungsrecht für das Unternehmen. "Preislich liegt das Niveau über dem, was man von den Mezzanine-Programmen kennt und unter dem, was für Private Equity zu bezahlen ist. Die Gesamtkosten bewegen sich im unteren zweistelligen Bereich", erläuterte Fitschen, der unter anderem das deutsche Firmenkundengeschäft im Vorstand der Bank verantwortet. Noch in diesem Quartal soll der Vertrieb beginnen.
Keine Beteiligung der öffentlichen Hand
Potenziellen weiteren Investoren verspricht Fitschen eine Rendite "im oberen einstelligen Bereich". 200 Millionen Euro will die Bank für den Mittelstandsfonds noch einsammeln, dazu führe man Gespräche mit Banken und anderen Investoren.
Eine Beteiligung der KfW Mittelstandsbank schloss Fitschen jedoch explizit aus. "Wir wollen bewusst auf eine Unterstützung der öffentlichen Hand verzichten". Die Sparkassen-Finanzgruppe hatte bereits am 2. Dezember als Reaktion auf den Vorstoß von Ackermann erklärt, ein eigenes Eigenkapitalprogramm für den Mittelstand aufzulegen.
Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) seinerseits ging heute mit einer Presseerklärung auf Distanz zur Initiative der Deutschen Bank: "Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Finanzierungsformen wie Beteiligungskapital und Mezzanine-Finanzierungen bietet der genossenschaftliche Finanzverbund über Tochtergesellschaften schon seit mehreren Jahrzehnten an", heißt in einem spöttischen Seitenhieb vom BVR.
Bislang ist die Deutsche Bank damit der einzige Kapitalgeber des "Mittelstandsfonds für Deutschland".
Mehr Flexibilität wird versprochen
Auf die Frage, wie sich das Konzept von den standardisierten Mezzaninekapital-Programmen der vergangenen Jahre unterscheide, betonte Fitschen insbesondere die Flexibilität bei der Gestaltung der Konditionen: "Die jeweilige Liquiditäts- und Ertragssituation des Unternehmens kann bei der Zins- und Tilgungsbelastung individuell berücksichtigt werden."
Der Bankmanager räumte ein, dass sämtliche Mezzaninekapital-Produkte der deutschen Großbanken "aufgrund des Wettbewerbsdrucks zu großzügig bei der Risikoprüfungen und der Konditionsgestaltung vorgegangen seien". Zu konkreten Ausfallquoten bei equiNotes, den gemeinsamen Mezzanine-Verbriefungen von IKB und Deutscher Bank, machte Fitschen keine Angaben.
Eigenkapitalbedarf: 2,5 Milliarden Euro in zwei Jahren
Nach Schätzungen der Deutschen Bank laufen in den nächsten zwei Jahren bei den großen Mezzanine-Programmen (equiNotes, Preps, CB MezzCap, etc.) Finanzierungen in einem Gesamtvolumen von rund 5 Milliarden Euro aus. Etwa die Hälfte davon, müsse durch Anschlussfinanzierungen ersetzt werden, prognostiziert Fitschen.
Er bekräftigte, dass es nach Auffassung der Deutschen Bank keine Kreditklemme für den deutschen Mittelstand gebe. Trotz spürbarer Verbesserungen in den letzten Jahren sei aber die Eigenkapitalausstattung vieler Mittelständler nach wie vor problematisch. "Hier gibt es eine Finanzierungslücke für Unternehmen, deren Kapitalbedarf den Rahmen der öffentlichen Förderprogramme übersteigt, für den Kapitalmarkt oder Private Equity-Investoren jedoch nicht ausreicht." Diese Lücke soll der "Mittelstandsfonds Deutschland" ausfüllen, so Fitschen.