Die Blechbüchse ist wieder da

Die Blechbüchse ist wieder da

Durch das Pfand wurde sie vor sieben Jahren weitgehend aus den Supermarktregalen verbannt. Nun kehrt die Bier- und Coladose zurück - und mit ihr die Debatte über den Umweltschutz.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Supermärkte und Kioske stellen sie wieder verstärkt in die Regale. Brauereien und Softdrink-Produzenten füllen ihre Getränke auch für den deutschen Markt erneut in der einst so beliebten Blechbüchse ab. "Die Dose ist einfach Kult, und der Umweltaspekt hat sich verbessert", heißt es beim Handelsverband HDE.

Den Vorstoß machte Anfang Juni kurz vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft der Edeka-Discounter Netto, als er bundesweit in allen 4.000 Filialen Bierdosen zum Preis von 29 Cent zuzüglich Pfand anbot. Andere Billigheimer folgten. Mittlerweile soll es auch bei Rewe Überlegungen dazu geben.

Fast jede Dose wird recycelt

Laut Netto lag die Kundenresonanz nach der Wiedereinführung über den
Erwartungen: "Die praktische Getränkedose zum kleinen Preis hat eine große Fangemeinde", betont Sprecherin Christina Stylianou.

Und die Dose hat sich auch hinsichtlich ihrer Ökobilanz gemausert. So sehen es zumindest Hersteller und Abfüller. Sie nahm schon immer weniger Platz ein und lässt sich ökonomischer stapeln.

Für den Transport ist die unzerbrechliche Büchse leichter als entsprechende Glasflaschen. Jetzt besserte sich Studien zufolge auch ihre Recyclingquote, die Anfang der 90er Jahre noch bei kümmerlichen 36 Prozent lag und mittlerweile 96 Prozent betragen soll.

Außerdem lässt sie sich schneller runterkühlen, was auch zur Energieeinsparung beiträgt. Und ein wichtiger Aspekt für die Verbraucher: Es gibt mehr Abnahmeautomaten.

Verbraucherschützer sind enttäuscht

Für das Marktforschungsinstitut GfK Nürnberg ist es aber noch keineswegs ausgemacht, ob Getränke in Dosen wieder den Stellenwert einnehmen werden wie vor der Einführung des Pfands von 25 Cent im Jahr 2003. Allein auf dem Biermarkt liege ihr Marktanteil derzeit bei unter einem Prozent, betont Getränkeexperte Günter Birnbaum.

Die Dose sei für jene Verbraucher ideal, die eine schnelle Erfrischung für unterwegs wünschen. Ansonsten habe sie einen entscheidenden Nachteil: Anders als die Flasche aus Kunststoff oder Glas lässt sie sich nach dem Öffnen nicht wieder verschließen.

Umweltschützer sehen die Entwicklung ebenfalls skeptisch. "Verbraucher sollten um die Büchse einen großen Bogen machen", heißt es sogar beim Umweltbundesamt.

Aus ökologischer Sicht schneide die Dose im Vergleich zu Mehrwegverpackungen nach wie vor schlecht ab. Nur Mehrwegflaschen, Getränkebeutel und Tetrapack garantierten einfache Entsorgung, gutes Recycling und geringen Energieverbrauch.

Beim Bier setzt laut Marktbeobachtern die Bitburger-Gruppe und Warsteiner wieder mehr auf die Dose. Radeberger soll hingegen noch abwarten.

Dem Deutschen Brauer-Bund zufolge, ist der Kundenwunsch wieder da. "Kleine Familienbetriebe oder Gasthofbrauereien werden da aber sicher nicht mitmachen", betont Sprecher Marc-Oliver Huhnholz.

Kleine Dose für unterwegs

Warsteiner betont, Bier in Dosen auch nach der Pfandeinführung weiter angeboten zu haben. "An Tankstellen, Kiosken und Verkaufsstellen in Bahnhöfen und Flughäfen gab es das für den Reisenden immer", sagt Sprecher Stefan Leppin. Und für den internationalen Markt wurde die Dosen-Produktion ohnehin auch nach 2003 fortgesetzt.

Auch der Getränkeriese Coca-Cola hat die Dose für den deutschen Markt wieder entdeckt. Bereits im Frühjahr führte das US-Unternehmen die kleine Viertel-Liter-Dose ein, die vor allem junge Kunden ansprechen soll. Das Angebot für unterwegs sei aber nur eine Ergänzung im Sortiment: "Unser Brot- und Buttergeschäft bleibt die große Mehrwegflasche aus Kunststoff."

Cola-Dosen in der 0,33 Liter-Größe waren schon zur WM vor vier Jahren in den Handel zurückgekehrt. Seit vergangenem Jahr werden über den US-Riesen auch italienische Kaffeespezialitäten in Dosen vertrieben.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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