Die neuen Shops: nur für kurze Zeit

Die neuen Shops: nur für kurze Zeit

Einkaufen wird zum Abenteuer: Temporäre und getarnte Geschäfte liegen im Trend. "PopUp"-Stores werden zum globalen Phänomen, das es auch in Deutschland gibt.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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In einer Zeit, in der Warenhaus-Konzepte auf dem Prüfstand stehen, wird die Produktpräsentation immer wichtiger. Unternehmen probieren seit einigen Jahren neue Shop-Sorten aus. Die Wirtschaftskrise forciert den Trend, da die unkonventionellen Läden meist billiger sind als herkömmliche. Der Einzelhandelsberater Alexander von Keyserlingk, Inhaber der Firma Slowretail, erklärt die verschiedenen neuen Laden-Arten wie folgt:

Pop-Ups (vom englischen Verb für "plötzlich auftauchen"):
"Das sind Läden, die nur eine begrenzte Zeit an einem Ort existieren.
Zumeist wird dieses Format von Lifestyle-Marken genutzt, um neue Produktlinien zu lancieren oder zu geringen Mieten leere Ladenflächen zwischenzunutzen." Sein Beispiel: Clemens en August, ein Modelabel von Alexander Brenninkmeijer aus der C&A-Dynastie.

Guerilla-Stores(in Anlehnung an den Begriff für Untergrundkampf):
"Sie finden sich dort, wo man sie am wenigsten erwartet: In Hinterhöfen, alten Metzgereien, Lofts, Kellern - allesamt jenseits klassischer Einzelhandelslagen. Das Mode-Label Comme des Garçons hat sie kultiviert und viele Jahre als nahezu einziges eigenes Format genutzt. Durch die subtile Marketingform der Mund-Propaganda entwickelt sich ein hoher Kultstatus."

Tarnläden, zum Beispiel Adidas
"Sie haben hauptsächlich einen Marketingzweck und verschleiern zunächst den eigentlichen Betreiber, um sich neue Zielgruppen zu erschließen und den Marken-Hype aufzuladen."

Adidas-Geschäft in der Garage

Bruchbude und Luxusladen muss kein Gegensatz mehr sein: In Berlin-Mitte zum Beispiel gibt es einen sogenannten Tarnladen von Adidas, der von draußen an eine beschmierte Garage oder ein besetztes Haus erinnert, drinnen dann aber als Edelboutique überrascht. Der Laden in einer ehemaligen Autowerkstatt heißt No. 74 und verkauft zum Beispiel die Nobel-Linie Y-3 des Designers Yohji Yamamoto.

"Der Store ist quasi ein Gegenentwurf zum Discounter", sagt Tom Heise von der betreuenden PR-Agentur Haeberlein & Mauerer. "Die Idee ist, eine Schnittstelle zwischen klassischem Laden, Ausstellungs- und Event-Fläche zu schaffen." Zielgruppe sei - Achtung: PR-Sprache - die "forward-thinking Community aus Musik, Mode und Design".

Als der Laden 2008 aufmachte, glich er zunächst einem New Yorker Garagen-Verkauf. Neben Sportmode gab es beispielsweise auch Teppiche, Wasserpfeifen oder Kinderspielzeug zu kaufen. "Während der Fußball-EM konnten Eingeweihte die deutschen Spiele bei Grillabenden gucken."

Telekom-Shop als Club-Lounge

Ebenfalls in Berlin-Mitte ist der Telekom-Shop 4010. Der Name des Geschäfts nimmt Bezug auf die Firmenfarbe Magenta (im RAL- Farbsystem die Nummer 4010). Der Shop erinnert an eine Club-Lounge. Wer will, kann hier neben dem iPhone auch Tee kaufen. Die Lockerheit endet dann aber bei den Handys, die wie in einem normalen Laden befestigt sind, damit sie nicht geklaut werden können.

Der Kampf um Kunden ist in eine neue Dimension gegangen. Sogar Luxusmarken setzen auf die Underground-Läden. Louis Vuitton machte zum Beispiel kürzlich in Tokio den Ikebukuro Seibu Temporary Store auf. "Wirkt so, als habe jemand seine Taschen in einem Parkhaus liegen lassen", beschrieb ihn die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Gregor Tholl, dpa

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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