
eBay Deutschland lagert Arbeit aus
eBay Deutschland entlässt 400 Mitarbeiter. Der Betriebsrat beklagt, dass damit nur die Löhne gedrückt werden sollen: Die Arbeit wird an einen externen Dienstleister vergeben.
"Enttäuschende Gespräche" vor der Einigungsstelle
Am Donnerstag hatten sich Betriebsrat und Unternehmensleitung zum ersten Mal vor der Einigungsstelle getroffen, um über einen Sozialplan zu verhandeln. "Das Gespräch war sehr enttäuschend", so Korschofski. "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Arbeitgeberseite das Ausmaß der uns entstehenden Nachteile durch die Massenentlassung nicht ausreichend einschätzt." Darüber müsse weiter verhandelt werden.
Die amerikanische Konzernzentrale des Auktionshauses begründet den Stellenabbau in Deutschland nicht etwa mit der Geschäftsentwicklung: In den ersten neun Monaten 2009 hatte das Internetunternehmen gut eine Milliarde Dollar Gewinn gemeldet. Zudem gehören die Deutschen zu den eifrigsten eBay-Nutzern weltweit. "Der Umbau geschieht nicht aus einer schwierigen wirtschaftlichen Situation heraus“, bestätigt Unternehmens-Sprecher Nerses Chopurian.
Strategische Entscheidung
Vielmehr gehe es um eine strategische Entscheidung. Der Internethandel habe sich internationalisiert, die Nutzer in Frankreich, Deutschland oder Italien unterschieden sich nicht sehr voneinander. Daher habe es keinen Sinn, in jedem Land eine eigene Struktur aufrechtzuerhalten, betonte Chopurian.
So findet die Produktentwicklung künftig in Richmond bei London statt, die Kundenbetreuung zieht nach Dublin um. Zwei Deutschland-Chefs warfen vor diesem Hintergrund im vergangenen Jahr binnen kurzem das Handtuch.
Personeller Kahlschlag in Dreilinden
eBay hatte im vergangenen Jahr angekündigt, 400 von rund 630 Mitarbeitern des Internetunternehmens am Standort Dreilinden bei Berlin bis zum 30. Juni 2010 zu kündigen. 230 Mitarbeiter zur Betreuung der deutschen Kunden werden bleiben.
Die nächsten Verhandlungen in der Einigungsstelle findet am 20. Januar statt. Am kommenden Mittwoch will eBay am Hauptsitz in Kalifornien die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal verkünden.
Redakteurin
Sybille Roemer kennt als Redakteurin der afz – allgemeine fleischer zeitung die Herausforderungen der Digitalisierung in Metzgerei und Einzelhandel. Der Autorin der Fachbücher "Praxisführer E-Commerce" und "Erfolgsfaktor Online-Handel" und Dozentin an der Philipps-Universität Marburg ist wichtig, stets die Kundenperspektive im Blick zu haben: Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, sondern Vorteile für alle Beteiligten bringen.
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