
"Es gibt keine Schließungsliste, von der wir wüssten"
Verdi hat bei Karstadt vorerst nur noch ein Ziel: die Jobs retten. Dass schon feststeht, welche Filialen dichtgemacht werden, bestreitet Arno Peukes, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentRückkehr zur Tarifbindung hat nicht mehr oberste Priorität
Angesichts der großen Krise bei Karstadt ist Verdi offenbar davon abgerückt, für die Rückkehr in die Tarifbindung zu kämpfen. "Im Augenblick hat die Standort- und Beschäftigungssicherung oberste Priorität für uns. Alle Karstadt-Häuser müssen erhalten bleiben", forderte Peukes. Von zuletzt immer wieder diskutierten Schließungslisten wollte der Gewerkschafter nichts wissen. "Es gibt keine Schließungsliste, von der wir wüssten."
Peukes fragte sich zudem, warum Geld für Schließungen ausgegeben werden solle, "wenn doch laut der ehemaligen Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt kein Geld für die so wichtigen Investitionen da war". Zuletzt hatte der Aufsichtsratschef Stepahn Fanderl von "schmerzhaften Einschitten" gesprochen. Diese Äußerungen hätten bei den Beschäftigten Ängste geschnürte, schimpfte Peukes. "Das ist unverantwortlich." Generell sei die Stimmung in vielen Häusern desolat.
Grundsätzlich lobte der Gewerkschafter in dem Interview die bisherige Karstadt-Chefin Sjöstedt mit ihren Ideen, die Stammkunden zu reaktivieren und den Filialen mehr Eigenständigkeit zu geben. Einer der Fehler der Vergangenheit sei gewesen, die Multimediaabteilungen aufzulösen, weil dieser Schritt Frequenz gekostet habe. Als Beispiele dafür nannte Peukes die Häuser in den Hamburger Stadtteilen Wandsbek und Eimsbüttel.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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