
Generationswechsel birgt Konfliktpotential
Der Generationswechsel in Familienunternehmen kann gewaltig daneben gehen, wie auch Beispiele aus dem Handel zeigen. Daher sollte ein Machtwechsel gut vorbereitet werden - dann beinhaltet er auch Chancen.
Thomas RehmRedakteurGerade in den nächsten Jahren werde der Generationswechsel ein massives Thema sein, sagt Woywode, aber "neben den Risiken beinhaltet er auch große Chancen". Neue Ideen kommen zum Zuge, oft geht mit dem Machtwechsel eine neue Ausrichtung des Unternehmens einher.
Den potentiellen Nachfolger extern ausbilden
Für Coaching-Firmen sind die zahllosen anstehenden Führungswechsel in Familienunternehmen ein Markt der Zukunft. Tausende Betriebe werden Jahr für Jahr an die nächste Generation übergeben - mit steigender Tendenz.
"Wir haben uns im letzten Jahr intensiv Gedanken gemacht, wie wir Firmen auf diesem Weg begleiten können", sagt Sven Plag, Chef des Coaching- und Beratungsunternehmen gripitcon. "Es gibt zunehmend Bedarf, auch wenn viele Unternehmen noch zögerlich sind, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen."
Die Experten empfehlen übereinstimmend, den potenziellen Nachfolger extern auszubilden. "Es ist sehr sinnvoll, wenn jemand woanders lernt und zunächst woanders Karriere macht, als im eigenen Familienunternehmen", sagt ZEW-Experte Georg Licht.
Gleichzeitig aber sollte das nachfolgende Familienmitglied möglichst früh in Unternehmensprozesse eingebunden werden: "Man muss ihn oder sie etwa zu Bankengesprächen mitnehmen, dafür sorgen, dass der Nachfolger in der Belegschaft bekannt ist und so früh das 'Nachfolgesystem' installieren", sagt gripitcon-Coach Peter Klett.
"Das Thema Nachfolge darf nicht zu spät angegangen werden", betont auch Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Münchner Stiftung Familienunternehmen. Außerdem soll der künftige Junior die Möglichkeit haben, sich eine eigene Führungsmannschaft ins Boot zu holen - der Senior muss sich dann möglicherweise von alten Weggefährten verabschieden, sagt Licht
80 Prozent der mittelständischen Unternehmen gut vorbereitet
Von den größeren familiengeführten Unternehmen ab 50 Mitarbeitern werden zwar immer noch etwa 60 Prozent an jemanden aus der Familie weitergegeben, schätzt Woywode. Insgesamt aber nimmt der Trend, die Firma an Führungskräfte von außerhalb zu übergeben, zu.
Ob die nächste Familiengeneration oder ein externer Manager übernimmt - in den meisten Fällen klappt der Stabwechsel "reibungslos, in aller Stille und von den meisten unbemerkt", sagt Heidbreder. "Man muss einfach die Kirche im Dorf lassen: Die negativen Fälle sind eine Ausnahme".
Das ist auch statistisch erwiesen, ergab etwa eine ZEW- und ifm-Studie aus dem vergangenen Jahr, nach der 80 Prozent der mittelständischen Unternehmen auf eine Betriebsübergabe gut vorbereitet sind.
Wie es bei Fischer nach der Entmachtung des Sohnes durch den Vater weitergeht, bleibt abzuwarten. Zwar ist die Tür zwischen Vater und Sohn wohl noch nicht ganz zu. Der Gesichtsverlust für Sohn Jörg sei allerdings enorm, meint ZEW-Experte Licht: "Eine normale Übergabe ist damit gescheitert."
Mehr zu Familienunternehmen lesen Sie in der Aprilausgabe von Der Handel

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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