
Gerry-Weber-Gründer wird 75
Über Jahrzehnte baute Gerhard Weber in Ostwestfalen ein Modeimperium auf. Vor zwei Jahren zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück. Heute wird er 75 Jahre alt.
Björn BöerChefredakteurWie sehr leidet der Firmengründer? "Ich fühle hier mit. Schließlich habe auch ich viele Jahre mit diesen Mitarbeitern verbracht, wir haben zusammen schon viel erlebt", sagt Gerhard Weber der Deutschen Presse-Agentur. Aber es helfe nichts: Angesichts der Entwicklung in der gesamten Modebranche seien die Einschnitte unausweichlich.
Früher gegensteuern
Ungewohnt offen für Manager hatte sein Sohn im März von eigenen Fehlern gesprochen. Intern aber gibt Vater Gerhard sich selber eine große Mitschuld. Viel früher hätte auch er gegensteuern müssen, wie ihn Wegbegleiter zitieren. "Es gilt jetzt für die neue Generation, das Beste aus dem Umbruch der Branche zu machen. Sicherlich ist das Thema Mode heute viel komplexer und deshalb schwieriger zu managen als noch vor 50 Jahren", sagt der Jubilar. Damals gründete er zusammen mit Udo Hardieck den Gerry-Weber-Vorläufer, die Hatex KG.
Sein Geschäftsinn wird von Mitarbeitern und Wegbegleitern bewundert. Sein Umfeld kritisiert nur seine manchmal aufbrausende Art. "Er weiß halt alles besser", lautet das Fazit, dass nicht nur negativ gemeint ist. In einem Interview mit der "Neuen Westfälischen" zum 70. Geburtstag kokettierte Weber mit diesem Besserwisser-Image. Er habe ja immer alles falsch gemacht, sagte er damals und spielte auf Entscheidungen an, die zuerst auf Kritik stießen, sich dann aber als goldrichtig erwiesen. Das habe sich wie ein roter Faden durch sein Leben gezogen. Angefangen bei seinen Eltern, die nicht verstanden, dass er ein Modegeschäft eröffnen wollte, über die Entscheidung, ein Tennisstadion in Halle/Westfalen zu errichten.
Werbecoup mit Steffi Graf
Für Überraschungen hatte Gerhard Weber immer ein großes Gespür. Dass er die spätere Tennis-Legende Steffi Graf bereits vor ihren ersten großen Siegen als 17-Jährige als Werbebotschafterin unter Vertrag nahm, galt 1986 als Marketingcoup. Heute trifft sich einmal im Jahr die Tennis-Welt-Elite am Rande des Teutoburger Waldes.
Zu Webers Freunden zählt der Fleischfabrikant Clemens Tönnies. Rund 40 Kilometer von Halle entfernt leitet der in Rheda-Wiedenbrück Deutschlands größten Schlachtbetrieb. "Gerhard Weber ist eine der herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands", sagt Tönnies. Weber sei für ihn heute noch ein wichtiger Ratgeber. Dass dieser für den Zweitligisten Arminia Bielefeld und nicht für Königsblau schwärme, ist für den Aufsichtsratchef von Schalke 04 kein Problem: "Im Fußball unterstützen wir zwar verschiedene Vereine, aber wir sind keine Konkurrenten."

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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