
Gerry Weber streicht Stellen, bei Boss geht der Boss
Zwei starke Textilmarken erleben schwierige Zeiten. Gerry Weber reagiert darauf mit Filialsschließungen, bei Hugo Boss verabschiedet sich der Chef Claus-Dietrich Lahrs.
Björn BöerChefredakteurUmsatzrückgang erwartet
Für das bis Ende Oktober laufende Geschäftsjahr rechnen die Westfalen bei einem Umsatzrückgang auf 890 bis 920 (Vorjahr 920,8) Millionen Euro mit einem drastischen Einbruch des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 10 bis 20 Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war diese Kennzahl bereits um mehr als ein Viertel auf gut 79 Millionen Euro eingebrochen.
Gerry Weber steckt schon seit Jahren in einer Abwärtsspirale. Vor allem jüngere Kunden kaufen lieber bei der Konkurrenz oder im Internet. Auch das Auftauchen neuer, preisaggressiver Mitspieler macht den etablierten Modeherstellern das Leben schwer.
Lahrs wird schon ab Montag nicht mehr zum Boss-Vorstand gehören
Bei Hugo Boss hingegen wird ein Nachfolger für den Claus-Dietrich Lahrs gesucht. Nur wenige Tage nach einer erneuten Gewinnwarnung und dem damit einhergehenden Absturz der Aktie verkündete der schwäbische Modekonzern am Donnerstag das vorzeitige Ausscheiden des Spitzenmanagers.
Lahrs werde ab dem 29. Februar dem Vorstand nicht mehr angehören, teilte der MDax-Konzern mit. Darauf hätten sich der Personalausschuss des Aufsichtsrats und Lahrs einvernehmlich geeinigt. Der Vertrag des 52-Jährigen sollte eigentlich bis Mitte 2018 laufen.
Bis ein Nachfolger für Lahrs gefunden ist, sollen die verbliebenen Vorstandsmitglieder die Geschäfte führen. Das sind derzeit Mark Langer für Finanzen, Personal und Logistik sowie Christoph Auhagen für Markenmanagement, Beschaffung und Produktion. Komplettieren soll die Vorstandsriege zum 1. März Bernd Hake, der dann das neue geschaffene Ressort für Vertrieb und den Einzelhandel verantworten soll.
Operativer Gewinn bricht ein
Hugo Boss hatte am Dienstag mitgeteilt, dass der operative Gewinn im laufenden Jahr um mindestens 10 Prozent zurückgehen wird. Hintergrund seien notwendige Investitionen in die Marke, hieß es.
Der Konzern kämpft derzeit mit vielen Problemen: In China bleiben die Kunden aus, was der Modehersteller mit der schlechten Konsumstimmung in dem Land begründet. Deshalb will Hugo Boss nun auch die Preise in Asien senken, denn dort kosten Anzüge des Edelschneiders derzeit noch einiges mehr als hierzulande.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
Alle Beiträge