
Gewerbsmäßige Diebstähle bereiten Handel Sorge
Dem Einzelhandel beklagt 2013 fast vier Milliarden Euro Verlust durch Inventurdifferenzen. Die erfassten Ladendiebstähle machen dabei mehr als die Hälfte aus. Und die Dunkelziffer ist noch besorgniserregender.
Thomas RehmRedakteurInventurdifferenz schmälert Rendite
Statistisch gesehen bediene sich jeder Bundesbürger jährlich an Waren im Wert von 26 Euro, ohne zu bezahlen. Nach wie vor schmälert demnach eine durchschnittliche Inventurdifferenz von 1,01 Prozent des Umsatzes die Renditen im Einzelhandel - obwohl der Handel rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal investiert, um seine Waren vor Diebstählen zu schützen.
In der Summe gehen dem Einzelhandel dem EHI zufolge durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung 1,3 Prozent des Umsatzes, genauer, und 5,2 Milliarden Euro verloren. Letztlich werde diese Summe in die Verkaufspreise einkalkuliert und jeder ehrliche Kunde zahle mit. Der Mehrwertsteuerverlust, den der Staat durch Kundendiebstähle erfährt, beträgt demnach rund 450 Millionen Euro.
Hohe Dunkelziffer
Nur ein Bruchteil der Taten wird dem EHI zufolge erkannt und angezeigt. Auch 2013 seien die angezeigten Ladendiebstähle laut Polizeilicher Kriminalstatistik wieder leicht auf 356.152 Fälle zurückgegangen. Der stetige Rückgang von angezeigten Ladendiebstählen spiegelt aber offensichtlich nicht die tatsächlichen Verhältnisse: Durch die enorme Dunkelziffer von mehr als 98 Prozent besitzt die Statistik demnach nur eine sehr eingeschränkte Aussagefähigkeit.
Aus dem Schaden der angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergebe sich, dass durchschnittlich täglich gut 85.000 Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von rund 80 Euro unentdeckt bleiben.
Die Einschätzungen des Handels zur Kriminalitätslage stehen somit im Widerspruch zur Statistik. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre erwarten die Händler demzufolge eher eine weitere Steigerung der Kriminalität. Vor allem der professionell organisierte Ladendiebstahl im Sinne von Bandendiebstählen und gewerbsmäßigen Diebstählen, die bei jedem Zugriff wertmäßig hohe Schäden verursachen und selten erkannt werden, bereiteten den Einzelhändlern weiter Sorgen.
Parfüm, Rasierklingen, Spirituosen
Zu den am häufigsten geklauten Artikeln gehören im Lebensmittelhandel dem EHI zufolge nach wie vor kleine, teure Waren wie Parfüm und Kosmetik, Rasierklingen, Spirituosen sowie Tabakwaren. Im Bekleidungshandel bevorzugen die Diebe demnach vor allem hochwertige Marken, aber auch modische Artikel und Accessoires wie Brillen, Tücher und Modeschmuck. Speichermedien, Konsolenspiele, Smartphones und LED-Leuchtmittel gehören zu den "Klaurennern" im Elektronikhandel.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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