Grusel-Fest kurbelt Geschäfte an

Grusel-Fest kurbelt Geschäfte an

Die Kassen des Einzelhandels klingeln derzeit wieder dank etlicher Halloween-Fans. Das Geschäft mit dem Grusel ist zu einem "zweiten Karneval" geworden. Doch die Erlöse bröckeln.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Weniger Absatz bei Kostümherstellern

Aber der Zenit scheint überschritten - zumindest für die Kostümhersteller. Nach Angaben der Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie (DVSI), die gut zwei Drittel des Marktes vertritt, wurden vor vier Jahren mit Masken, Kostümen und Horror-Accessoires 30,75 Millionen Euro Umsatz erzielt - mehr als heute. Denn seitdem sind die Zahlen leicht rückläufig, auch wenn 2014 mit etwa 600 000 verkauften Kostümen und 1,3 Millionen Schminksets immer noch 28 Millionen Euro erlöst wurden.

"Auf die durchknallende, sensationelle Neuheit warten wir leider schon seit Jahren vergeblich, auch das Halloween-Rad wird nicht noch mal neu erfunden", meint Susanne Müller vom gleichnamigen Partyartikel-Hersteller aus dem fränkischen Neustadt bei Coburg.

Neuheiten könnten höchstens noch durch einen gruseligen Hollywood-Film kommen, sagt Dieter Tschorn vom DVSI. Leichte Variationen gibt's zwar jedes Jahr - also neue Hexenkostüme, Vampirzähne oder Totenköpfe. Doch bei den meisten Halloween-Fans sind die Kostümkisten inzwischen offenbar voll.

Statt komplette Verkleidungssets zu verkaufen, setzen die Kostümhersteller deshalb vermehrt auf markante Einzelstücke, obendrein auf Schminke statt Masken. "Man kauft Zubehörteile wie Perücken oder blutbeschmierte Strümpfe und stellt sich daraus sein individuelles Kostüm zusammen", sagt Müller.

Süßwaren gehen immer

Zumindest von Süßigkeiten zum gruseligen Schabernack können die Deutschen nicht genug bekommen. Nach 6 Millionen Euro Umsatz mit speziell für Halloween kreiertem Naschwerk im Vorjahr werden für diese Saison rund 10 Millionen Euro erwartet, heißt es vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Das wäre eine klare Steigerung. Dennoch sei das Grusel-Fest im Vergleich zu Weihnachten und Ostern noch immer klar zweitrangig für diese Branche. Zum Jahresumsatz schießen Fruchtgummis und Schokolade in Form von Kürbissen und Monsteraugen nur rund 0,5 Prozent bei - anders als in den USA, wo Halloween und der Valentinstag die Kassenschlager schlechthin sind.

Wie beliebt Halloween inzwischen aber auch hierzulande ist, zeigt sich beim Absatz von Kürbissen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr knapp 70.000 Tonnen verkauft, etwa ein Fünftel mehr als 2013. Im Oktober gehen erfahrungsgemäß rund 40 Prozent des deutschen Gesamtabsatzes über die Ladentheke, wie eine Sprecherin der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sagte.

Auch die Getränkeindustrie freut sich über zahlreiche Partys. Freizeitparks beginnen schon im September mit ihren umfangreichen Halloween-Vorbereitungen: Die DVSI-Fachgruppe Karneval schätzt den Umsatz über alle beteiligten Branchen hinweg auf gut 200 Millionen Euro. Zumindest verglichen mit den USA ist das noch wenig: Der Handelsverband National Retail Federation bezifferte den Halloween-Umsatz in Amerika 2014 auf 7,4 Milliarden Dollar. 23 Millionen Amerikaner statten selbst ihre Tiere mit Kostümen im Grusel-Look aus.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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