Und dann ist es ja nicht mehr lange hin bis zum Weihnachtsfeste, das für die menschlichen Unzulänglichkeiten steht, wie es der große Gerhard Polt einmal formulierte. Weil sie halt nicht feiern können. Stattdessen gibt es Besinnlichkeitsfanatismus, fettes Essen, überhitze Räume - und: Geschenke, Geschenke, Geschenke. Sozusagen als Ablass für die Unfähigkeit, etwas Anderes zu wollen.Das Geschenk ist das zentrale Element des Weihnachtfestes, es sorgt im Einzelhandel für eine zyklisch wiederkehrende Sonderkonjunktur, für das ganze Land ist es eine volkswirtschaftliche Größe wie in der DDR es die Westpakete waren. Wenn der Onkel aus Hamburg seinem Neffen in Dessau immer schön Jakobs Krönung schickte, musste der DDR-Wirtschaftsminister weniger Kaffee auf dem Weltmarkt einkaufen. Das sparte Devisen.
Das Weihnachtsgeschenk ist längst maximal verdinglicht, das Freude stiften als eigentlicher Beweggrund, ist so fragil wie früher das Argument, man lese den "Playboy" ja nur wegen der guten Interviews. Elementarer Bestandteil des Weihnachtsgeschenkewesens ist die Weihnachtsgeschenkeforschung. Wieviel Geld geben wir aus, lautet die jährliche Frage - und die Antworten liefert die Studienindustrie mit maschineller Zuverlässigkeit.
Gestern meldet sich dann der Einkaufssender QVC und weissagt: "Wer noch nicht das richtige Geschenk gefunden hat, der kommt sowohl im Netz als auch im Geschäft sicher auf die richtige Idee."
Krass. War so nicht zu erwarten.
Aber was, wenn doch nicht?
Telefonseelsorge?
Oder Toys 'R' Us anrufen, die mit den "Hot Toys 2017" allen "Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln eine Hilfestellung bei der Auswahl der Geschenke geben". Müsste man mal ausprobieren.
"Mein Neffe spielt gerne Amoklauf. Was haben Sie denn da so?"Bis zum Fest kommen sie noch alle, die GfK, Statistisches Bundesamt, der Handelsverband, Ernst & Young, jeder hat eigene Berechnungsformate, jeder haut andere Ergebnisse auf den Markt. Im Januar wird dann nachgerechnet, und es kann passieren wie nach dem vorigen Fest: Das Weihnachtsgeschäft verlief für den Handel mauer als alle vorhergesagt hatten.
Das war dann gar nicht lustig.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
Alle Beiträge