Weihnachts-Studien: Wer glaubt noch an die Glaskugel?

Weihnachts-Studien: Wer glaubt noch an die Glaskugel?

Sie sind da! Die Prognosen über den alljährlichen Weihnachtsgeschenkeirrsinn sagen wieder einmal vorher, welche Summen wir alle zum Fest bewegen. Jeder berechnet anders, daher hat jeder andere Zahlen. Ist ganz lustig, wenn man es nicht so ernst nimmt, wie es Weihnachten insgesamt zugeht.

Steffen GerthSteffen GerthRedakteur Der Handel und etailment
3 Min.· Aktualisiert am
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Was sind die zwei unlustigsten Festivitäten im Jahr? Karneval und Weihnachten. Das eine Grauen beginnt morgen, am 11.11., 11:11 Uhr, dem Datum der Narren. Huuu, was wird wieder gelacht, wenn die Saison der Kappen beginnt, mancherorts das Rathaus gestürmt wird und sich die Bürgermeister zum dummen August machen, weil sie den Rathausschlüssel an die verkleideten Stimmungskanonen übergeben müssen.

Und dann ist es ja nicht mehr lange hin bis zum Weihnachtsfeste, das für die menschlichen Unzulänglichkeiten steht, wie es der große Gerhard Polt einmal formulierte. Weil sie halt nicht feiern können. Stattdessen gibt es Besinnlichkeitsfanatismus, fettes Essen, überhitze Räume - und: Geschenke, Geschenke, Geschenke. Sozusagen als Ablass für die Unfähigkeit, etwas Anderes zu wollen.Das Geschenk ist das zentrale Element des Weihnachtfestes, es sorgt im Einzelhandel für eine zyklisch wiederkehrende Sonderkonjunktur, für das ganze Land ist es eine volkswirtschaftliche Größe wie in der DDR es die Westpakete waren. Wenn der Onkel aus Hamburg seinem Neffen in Dessau immer schön Jakobs Krönung schickte, musste der DDR-Wirtschaftsminister weniger Kaffee auf dem Weltmarkt einkaufen. Das sparte Devisen.

Das Weihnachtsgeschenk ist längst maximal verdinglicht, das Freude stiften als eigentlicher Beweggrund, ist so fragil wie früher das Argument, man lese den "Playboy" ja nur wegen der guten Interviews. Elementarer Bestandteil des Weihnachtsgeschenkewesens ist die Weihnachtsgeschenkeforschung. Wieviel Geld geben wir aus, lautet die jährliche Frage - und die Antworten liefert die Studienindustrie mit maschineller Zuverlässigkeit.

Eine Beobachtung: Deloitte wirft IMMER zuerst seine Prognose auf den Markt. 484 Euro werden diesmal von jedem Kunden für Geschenke rausgeblasen, 20 Euro mehr als 2016, hat das Beratungsunternehmen errechnet. Heißt also, man verschenkt Waren im Wert von 484 Euro - und bekommt Waren im Wert von 484 Euro.

Gestern meldet sich dann der Einkaufssender QVC und weissagt: "Wer noch nicht das richtige Geschenk gefunden hat, der kommt sowohl im Netz als auch im Geschäft sicher auf die richtige Idee."

Krass. War so nicht zu erwarten.

Aber was, wenn doch nicht?

Telefonseelsorge?

Oder Toys 'R' Us anrufen, die mit den "Hot Toys 2017" allen "Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln eine Hilfestellung bei der Auswahl der Geschenke geben". Müsste man mal ausprobieren.

"Mein Neffe spielt gerne Amoklauf. Was haben Sie denn da so?"Bis zum Fest kommen sie noch alle, die GfK, Statistisches Bundesamt, der Handelsverband, Ernst & Young, jeder hat eigene Berechnungsformate, jeder haut andere Ergebnisse auf den Markt. Im Januar wird dann nachgerechnet, und es kann passieren wie nach dem vorigen Fest: Das Weihnachtsgeschäft verlief für den Handel mauer als alle vorhergesagt hatten.

Das war dann gar nicht lustig.
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Steffen Gerth
Geschrieben vonSteffen Gerth

Redakteur Der Handel und etailment

Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.

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