
Highstreet schießt gegen Karstadt-Investor Berggruen
Die Verhandlungen um die Karstadt-Mieten kommen nur langsam voran. Derweil stellt ein Mitglied des Vermieterkonsortiums Highstreet die Kompetenz von Investor Berggruen in Frage.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentDie Ministerin habe Kontakt zu allen Beteiligten und dringe darauf, dass die Verhandlungen ernsthaft geführt würden, um die Arbeitsplätze bei Karstadt und den Zulieferern zu sichern, sagte der Sprecher. Zu Inhalten eines Antwortschreibens der Ministerin wollte er keine Stellung nehmen.
Von der Leyen trifft sich an diesem Freitag mit den Betriebsratsvorsitzenden der Berliner Karstadt-Häuser und der stellvertretenden Verdi-Vorsitzenden Margret Mönig-Raane zu einem Gespräch über den Stand der Verhandlungen um die Zukunft von Karstadt.
Das Szenario von der Warenhaus AG
Mit dem Vorstoß von Borletti wird offenkundig, dass er ein wichtiger Mann für die Zukunft von Karstadt ist. Und wenn der Italiener ins Spiel kommt, dann wird schnell wieder ein Szenario möglich: die Deutsche Warenhaus AG. Denn Borletti gilt auch als Interessent für Kaufhof, deren Verkauf die Konzernmutter Metro beabsichtigt. Schon 2008 signalisierte der Italiener Kaufabsichten.
Sollten sich Highstreet und Berggruen nicht über die Höhe der künftigen Karstadtmieten einigen und das Vermieterkonsortium letztlich doch das insolvente Warenhaus erwerben, könnte der Fall eintreten, den vor allem die Beschäftigten fürchten: Der Kette mit 120 Warenhäusern und 25.000 Beschäftigten droht dann die Zerschlagung - die lukrativsten Häuser würden wohl mittelfristig mit den Kaufhof-Filialen zusammengelegt zur Warenhaus AG.
Zwölf Stunden in der Londoner Nacht
Um die Mieten wird zwischen Berggruen und Highstreet hart gerungen. Nach rund zwölfstündigen Verhandlungen in London in der Nacht zum Donnerstag sollen die Gespräche auch in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Immerhin hat es erste positive Signale gegeben.
Einen Durchbruch gab es zwar noch nicht, eine "deutliche Annäherung" aber schon, hieß es am Donnerstag aus Verhandlungskreisen. Andere Beobachter werteten die Gespräche als "konstruktiv". Streitpunkt sind die Mieten für die Karstadt-Warenhäuser, die Berggruen deutlich senken will.
Bis zu einem möglichen Vertragsschluss müssten jedoch noch zahlreiche Hürden genommen werden, so dass mit einem abschließenden Ergebnis auf kurze Frist nicht zu rechnen sei, hieß es. Allein die schriftliche Ausarbeitung der Ergebnisse werde noch Tage dauern.
Eine Einigung muss bis Mitte Juli erfolgen, damit der von Berggruen unter Vorbehalt geschlossene Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette rechtskräftig werden kann.
Termin am 16. Juli
Ohne Billigung der zahlreichen Anteilseigner des Immobilienfonds Highstreet kann aber eine Vereinbarung nicht geschlossen werden. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen muss eine entsprechende Sitzung der Highstreet-Gläubiger in der Regel mit einer Frist von 21 Tagen einberufen werden. Eine Einigung müsste daher möglichst zügig erfolgen.
Am 16. Juli will das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan entscheiden. Wegen der anhaltenden Suche nach einem Karstadt-Investor war der Gerichtstermin zuvor bereits mehrmals verschoben worden. Ohne rechtsgültigen Kaufvertrag kann das Essener Gericht den Insolvenzplan nicht billigen.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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