
Hollister stellt Toilettenkontrollen ein
Wenige Unternehmen sind so kreativ bei der Mitarbeiterüberwachung wie Hollister. Doch weil es in der Frankfurter Filiale der Modekette einen kämpferischen Betriebsrat gibt, kann das Personal dort wieder stressfrei austreten gehen.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentBetriebsrat ist sehr zufrieden
Die außergerichtliche Einigung sieht demnach vor, dass Hollister unverzüglich unterlassen wird, Mitarbeiter bei Toilettengängen durch Sicherheits-Mitarbeiter begleiten und kontrollieren zu lassen, solange hierüber keine Betriebsvereinbarung abgeschlossen wurde oder sich eine Einigungsstelle zu diesem Regelungsbereich gebildet hat. Der Betriebsrat werde zudem mit Hollister unverzüglich einen Besprechungstermin zu dem Thema "Funktionsfähigkeit der Toiletten im Hollister Store MyZeil" vereinbaren, teilt Anwältin Ihle weiter mit.
Für die Arbeitnehmervertreter ist die Einigung ein voller Erfolg, das Gremium sei "sehr zufrieden", teilt dessen Frankfurter Anwältin mit. "Damit wurde den Persönlichkeitsverletzungen der Mitarbeiter ein Ende gesetzt", betont Tanja Ihle.
Wie lang dürfen die Fingernägel sein?
Bereits im April war der Frankfurter Betriebsrat gegen Hollister vor Gericht gezogen, damals ging es um die Taschenkontrolle jedes Mitarbeiters vor Verlassen der Filiale. Beide Parteien konnten vor der Einigungsstelle einen Kompromiss erzielen mit dem Ergebnis, dass die zu untersuchenden Mitarbeiter seitdem nur noch per Zufallsprinzip ausgesucht werden.
Die Arbeitsbedingungen bei Hollister sind seit geraumer Zeit in der öffentlichen Kritik. Auch "Der Handel" hatte über merkwürdige Kleider- und Benimmvorschriften für das Personal berichtet. In einem 24 Seiten starken Mitarbeiterhandbuch sind abstruse Anweisungen wie Haar- oder Fingernagellänge aufgelistet.
Seit November 2012 gibt es in der Frankfurter Filiale einen Betriebsrat - lange war es das einzige Gremium in den 17 Filialen der Modekette. Mittlerweile gibt es seit vier Wochen eine Arbeitnehmervertretung in Ludwigshafen. Die Frankfurter Mitglieder sowie die Frankfurter Verdi-Gewerkschafterin Luthfa Rahman hatten von ständiger Schikane seitens des Unternehmens berichtet. Trotzdem konnten die Arbeitnehmervertreter recht bald nach Aufnahme ihrer Tätigkeit erreichen, dass die Frankfurter Beschäftigten nicht mehr bei der Arbeit Flip-Flops tragen müssen. Seit heute können sie auch wieder unbewacht ihre Notdurft verrichten.
Dass damit aber Arbeitsfrieden eingekehrt ist, kann Rechtsanwältin Ihle nicht bestätigen: "Es stehen noch eine ganze Reihe weiterer Themen offen, die noch einer Lösung bedürfen", sagte sie derhandel.de

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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