
Hugendubel: "Es geht nicht ohne Filialen"
Wenn in der Innenstadt ein Geschäft schließt, hält sich die Aufregung meist in Grenzen. Bei Buchläden geht es oft emotionaler zu. In München protestieren Tausende gegen die Schließung von Hugendubel.
David WöllensteinRedakteurFilialschließung München Marienplatz
In den vergangenen Jahren waren dem Umbau des Unternehmens zehn Filialen zum Opfer gefallen: Unter anderem wurden in Lübeck, Cottbus, Berlin und Hannover Buchgeschäfte geschlossen. In diesem Jahr geht es zudem für die Geschäfte in Bayreuth und Stuttgart zu Ende. In beiden Städten bemühe sich Hugendubel aber um andere Standorte. Nächstes Jahr ist dann auch für die Vorzeige-Filiale am Münchner Marienplatz Schluss, weil der Vermieter den Vertrag nicht verlängert.
Das Aus für die Filiale, die seit 1979 das Bild des Platzes prägt, schlägt in der bayerischen Landeshauptstadt hohe Wellen. Mehrere tausend Menschen unterzeichneten eine Onlinepetition gegen die Schließung der Filiale gegenüber dem Rathaus. "Wir haben uns enorm gefreut über den Zuspruch", sagte Hugendubel. Der Stand der Dinge sei aber unverändert. "Es ist nach wie vor so, dass sie auf jeden Fall schließen wird - auch wenn das schmerzlich ist." Damit trat sie Spekulationen entgegen, dass das Buchgeschäft doch bleiben kann. "Aber zumindest suchen wir weiterhin nach einer kleineren Filiale rund um den Marienplatz."
Hugendubel setzt auf kleine Geschäfte
Künftig will Hugendubel nur noch wenige "Leuchtturm-Filialen" mit
2.000 Quadratmetern oder mehr haben und ansonsten auf kleinere Geschäfte setzen, in denen die rund 1.700 Buchhändler mehr Zeit mit der Beratung und ihren handgeschriebenen Leseempfehlungen als mit Büroarbeit und Aufräumen verbringen sollen. Daneben soll sich das Angebot auf "buchnahe"Artikel beschränken. Kinder-Zahnbürsten und Sandkastenförmchen passen nicht dazu.
Hugendubel räumte ein, dass die vorübergehende Ausweitung des Sortiments zu einer Art Geschenk-und-Kinderwaren-Kaufhaus ein Fehler war. "Wir hatten auch mal Gummistiefel und haben uns gewundert, dass wir die nicht verkaufen. Aber das sind keine Artikel, die der Kunde bei uns sucht."
Mit dem Onlinehandel macht Hugendubel nach Angaben der Geschäftsführerin inzwischen soviel Umsatz wie mit einer großen Filiale. Zahlen nennt das Unternehmen allerdings nicht. Sowohl im Internet als auch bei dem E-Book-Reader tolino profitiert Hugendubel von der wachsenden Kritik an der Übermacht von Amazon mit seinem Lesegerät Kindle. "Das hilft dem tolino enorm." Die größte Solidarität in Deutschland im Wettstreit mit Amazon genießen aber weiterhin die kleinen, individuellen Buchhändler. "Wir sind ja auch groß und Filialist - und viele finden auch das schon schlimm."

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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