
Im Laden gucken, im Netz kaufen: Die Showrooming-Diskussion läuft heiß
Zu einer wirklich drastischen Maßnahme gegen Showrooming greift die US-Consumer-Electronics-Kette Best Buy: Sie stattet Großartikel mit speziellen Best-Buy-Exklusiv-Codes aus, die von den Smartphones nicht mehr gescannt werden können beziehungsweise auf Best-Buy-Seiten führen. So wird es, anders als bei Standard-Codes, erschwert, im Netz Vergleichspreise von Onlinehändlern einzuholen. Best Buy, das in diesem Jahr 50 Filialen nicht zuletzt wegen Showrooming schließen will, ist nur ein Beispiel...
Best Buy, das in diesem Jahr 50 Filialen nicht zuletzt wegen Showrooming schließen will, ist nur ein Beispiel: International läuft zurzeit die Diskussion um Showrooming (gucken und beraten lassen im Laden, hinterher billiger im Netz kaufen) heiß. Das Phänomen, das ja prinzipiell alles andere als neu ist, bekommt gerade durch die technische Hochrüstung der Smartphone quasi einen zusätzlichen Turbo. Der E-Commerce profitiert in zunehmendem Maße von der Beratungskompetenz der stationären Händler, spart damit Kosten und kann den Preisabstand zur Offline-Welt noch vergrößern – eine Entwicklung, die sich kontinuierlich selbst verstärkt.
Fast verzweifelt suchen die Händler nach Auswegen. Schon werden Verkäufer geschult, über Fangfragen herauszubekommen, ob potenzielle Käufer bereits Online-Vergleichspreise im Kopf haben oder diese einholen wollen – sie können eventuell mit einem „Sonderpreis“ doch noch gewinnen. Experten empfehlen zudem, verstärkt Eigenmarken anzubieten, bei denen ein Vergleich nicht möglich ist. Gebetsmühlenartig wird auch der Ruf nach besserem Service laut: Aber gerade dieser könnte die finanziellen Showrooming-Effekte noch verstärken: Ein kompetenterer (=teurerer) Service dürfte es für die Schnäppchenjäger noch interessanter machen, im Laden erst einmal die Beratung mitzunehmen und dann im letzten Moment abzuspringen.
Der stationäre Handel dürfte im Zuge dieser Entwicklung über Abhol-Services in den Filialen und ähnliches die Entwicklung in Richtung Multichannel weiter vorantreiben.
Aber es gibt auch Stimmen, die Entwarnung signalisieren: Laut einer Studie von Deloitte hat das Smartphone sogar einen positiven Effekt auf die Verkäufe im stationären Handel. Das Marktforschungsinstitut Forrester Research tröstet die Offline-Retailer ebenfalls: Das Netz nehme ihnen nicht nur Kunden, sondern führe auch neue hinzu: 2016 wird nach Einschätzung der Experten jeder zweite Kunde in den Laden kommen, nachdem er sich bereits im Netz informiert hat. Insofern drohe dem stationären Handel keine Gefahr, allerdings nur, so lange die Preise „generell vergleichbar“ sind – genau hier liegt die Crux.
Spannend wird sein zu sehen, wer wie vom Augmented-Reality-Trend profitiert. Wer Apps wie die gerade von IBM vorgestellte Videoanwendung nutzt, macht erst einmal das Einkaufen im Laden komfortabler und interessanter, was sich in größeren Warenkörben niederschlagen kann. Gleichzeitig aber gewöhnt er den Kunden noch stärker daran, das Smartphone im Laden herauszuholen und Informationen einzuholen – der günstigere Preis der Konkurrenz ist schließlich meist nur einen Klick entfernt.
Redakteur
Klaus Janke ist freier Autor und Journalist mit dem Schwerpunkt Marketing und Medien. Daneben betreut er Corporate-Publishing-Projekte. Von 2000 bis 2008 arbeitete er für HORIZONT, zunächst als Ressortleiter Internet, dann als Ressortleiter Marketing. Davor war er unter anderem für die „WAZ“, für „Prinz“, seine eigene PR-Agentur und als Chefredakteur für das „Journal Frankfurt“ aktiv. Klaus Janke lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und bloggt unregelmäßig auch hier: www.jankesbuntewelt.com.
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