
Karstadt braucht eine schnelle Lösung
Fristen, Bedingungen, Mietverhandlungen: Die Zukunft von Karstadt ist weiterhin unklar - aber der September ist ein wichtiger Monat für das Warenhaus. Ein Überblick über den Stand der Dinge.
David WöllensteinRedakteurDer deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen könnte Karstadt mit seinen 120 Warenhäusern und 25.000 Beschäftigten genau genommen sofort übernehmen. Er hat einen Kaufvertrag, der aber noch nicht gültig ist.
Was fehlt denn für die Gültigkeit?
Berggruen selbst hat Bedingungen gestellt. So soll ihm das Vermieterkonsortium Highstreet bei den Mietbedingungen entgegenkommen. Sind die Bedingungen erfüllt, wird der Kaufvertrag gültig.
Sind sich Berggruen und Highstreet denn noch nicht einig?
Grundsätzlich schon. Aber Highstreet hat Dutzende Gläubiger, die dem Konsortium für den Kauf der Karstadtimmobilien viel Geld geliehen haben. Sie müssen alle den neuen Vertrag unterschreiben. Das kostet Zeit. Voraussichtlich schafft es Highstreet nicht, bis zum Fristablauf Sonntag, 24 Uhr das neue Vertragswerk abzuliefern.
Was passiert dann?
Der Karstadt-Gläubigerausschuss hat vorsichtshalber schon einen Beschluss gefasst, der eine Fristverlängerung möglich macht. Um dem Insolvenzgericht deutlich zu machen, dass es Highstreet ernst meint, könnte das Konsortium die neuen Verträge, die den weltweit verstreuten Gläubigern zur Unterschrift vorgelegt werden, auch dem Insolvenzgericht zuschicken. Das sollte bis Dienstag geschehen. Dann befindet das Gericht über eine neue Frist.
Ist denn eine schnelle Lösung überhaupt notwendig?
Ja. Im September werden die Weichen für die neue Frühjahrs- und Sommermode gestellt. Bis dahin möchten die Lieferanten Sicherheit haben. Solange Berggruen Karstadt nicht übernommen hat, liefern sie an ein insolventes Unternehmen. Das birgt hohe finanzielle Risiken.
Was ist, wenn der Kaufvertrag mit Berggruen letztlich platzt?
Dann ist der Insolvenzplan gescheitert. Die wahrscheinliche Variante ist dann die Zerschlagung. Die Kaufhäuser würden einzeln oder im Block verkauft.
Und im anderen Fall?
Eine neue Käufersuche wird als eher unwahrscheinlich angesehen, weil die günstigen Bedingungen der Insolvenzphase wegfallen würden. Folgen sind: Rückkehr zu höheren Mieten, Lieferanten liefern nur noch gegen Vorkasse, der Sanierungstarifvertrag fällt weg. Ein neuer Insolvenzplan müsste her. Das italienische Handelshaus Borletti will zwar einspringen. Der Übernahmeweg wäre aber noch komplizierter als bei Berggruen. Borlettis Angebot stößt bei den Karstadtgläubigern bislang auf wenig Gegenliebe - und kommt faktisch zu spät.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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