
Karstadt-Gläubiger zieht Beschwerde zurück
Das Unternehmen Gilde Handwerk wird seine Beschwerde gegen das Karstadt-Insolvenzplanverfahren fallenlassen - der öffentliche Druck war einfach zu groß. Der Firmeninhaber sprach mit Berggruen.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentSeit Anfang der Woche ist die Beschwerde von Gilde (eine zweite wurde von den Investoren von Dawnay Day eingelegt) bekannt - und seitdem "komme ich zu nichts anderem mehr", sagt Seggewiß. Er werde mit E-Mails bombardiert, in denen er als "Verbrecher" oder "Schwein" beschimpft werde. Viele Adressaten seien Karstadtmitarbeiter.
Berggruens Anwälte waren gesprächsbereit
Kein Wunder: Viele Menschen befürchten, dass wegen dieser beiden Beschwerden die ordnungsgemäße Übergabe des Warenhauses kommenden Freitag an Berggruen platzen könnte. "Dabei hatten wir gar nicht vor, diesen Prozess aufzuhalten", versichert Seggewiß. Ihm gehe es auch nicht um die 6.000 Euro, die Gilde Handwerk für gelieferte Waren noch zu bekommen habe - der kaufmännische Leiter übt Kritik am ordnungsgemäßen Verlauf des Insolvenzplanverfahrens.
Und das wolle er auch am Mittwoch Berggruen persönlich mitteilen. Das Gespräch hätten dessen Anwälte nach einem Telefonat mit Seggewiß am Montag arrangiert. Der kaufmännische Leiter will den neuen Karstadt-Besitzer über die angeblichen Ungereimtheiten beim Insolvenzplanverfahren aufklären.
Hauptkritikpunkt ist, dass die ehemaligen Arcandor-Vorstände 54,6 Millionen Euro aus dem Unternehmen abgezweigt hätten um in einen neuen Fonds zu stecken, der wiederum die Vorstands- und Abteilungsleiterrenten sichern sollte. Hiergegen sei Görg nicht eingeschritten, was Gilde als Gläubigerbenachteiligung einstuft.
Görg vermutet eigennützige Ziele
Von Klaus Huberg Görg gibt es mittlerweile auch eine Reaktion auf die Beschwerde. Der Karstadt-Insolvenzverwalter hat dem Protest gegen den Insolvenzplan der Warenhauskette "keinerlei Aussicht auf Erfolg" bescheinigt. Leider könne aber niemand den beiden Gläubigern das juristische Vorgehen untersagen.
In dem am Dienstag verbreiteten Schreiben an die rund 25.000 Karstadt-Mitarbeiter warf der Insolvenzverwalter den beiden Beschwerdeführern "grob eigennützige Ziele" vor. Görg-Sprecher Thomas Schulz bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht des Magazins "WirtschaftsWoche".
Die Interessen der Beschwerdeführer stünden in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den sie für Tausende von Menschen anrichteten, so der Insolvenzverwalter. Die Unsitte, Geld zu erpressen, sei von Hauptversammlungen und Aktionären bekannt. Leider greife sie auch bei Gläubigern um sich.
Nur drei Prozent von jeder Forderung
Der Insolvenzverwalter dürfe jedoch ein Ansinnen nach einer einhundertprozentigen Erfüllung der Forderungen gar nicht erfüllen. Der Karstadt-Insolvenzplan sieht nur die Begleichung der Gläubigerforderungen mit einer Quote von zunächst drei Prozent vor.
Derzeit werde geprüft, ob das Rechtsmittel der Beschwerde missbräuchlich eingesetzt worden sei, so Görg. Auch über mögliche Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe werde derzeit nachgedacht, hieß es am Dienstag aus Kreisen.
Steffen Gerth, mit Material von dpa

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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