
Karstadt-Häuser mit Zukunft
Karstadt will wieder investieren, insbesondere zwei Warenhäuser sollen herausgeputzt werden - in Mainz und in Bielefeld. derhandel.de hat sich in beiden Filialen umgeschaut.
David WöllensteinRedakteurDas kann jeder bestätigen, der in Bielefeld oder in Mainz unterwegs war. Beide Städte haben einen funktionierenden Einzelhandel, und in beiden verkauft sich der örtliche Karstadt unter Wert.
Tristesse in Bielefeld
Wer Karstadt-Filialen in der ganzen Bundesrepublik besucht, den beschleicht irgendwann das Gefühl, dass sich die jeweilige Top-Einkaufslage in manchen Städten zu ungunsten von Karstadt verschoben hat. Das ist auch in Bielefeld der Fall: Eine Straße weiter, wo sich die moderne Kaufhof-Filiale befindet, tobt am Tag unseres Besuches das Leben. Karstadt bleibt dagegen eher am Rande und gibt ein trauriges Bild ab.
Das Bielefelder Haus ist riesig. Davor flattern zahlreiche Karstadt-Fahnen, als könnten sie die Kunden anlocken, die auf der Parallelstraße flanieren. Schon vor dem Betreten des Hauses sieht man, was der Sprecher des Insolvenzverwalters diplomatisch als „Investitionsbedarf" umschreibt: Die Farbe der Fassade blättert ab.
Auch das Innenleben des Kaufhauses besticht nicht durch Modernität: Die üblichen Wühltische stehen gleich am Eingang, die Warenpräsentation unterscheidet sich nicht groß von anderen Filialen. Eine Besonderheit hat aber Karstadt Bielefeld aber dann doch zu bieten: Um die Ecke gibt es überraschenderweise ein Karstadt-Fahrradgeschäft. Wie das zum Kernsortiment des Warenhauses passt, bleibt unklar.
Charme der Siebzigerjahre in Mainz
In Mainz hat Karstadt kein Problem mit der Lage: Das große Warenhaus steht zentral auf der belebten Ludwigstraße, in Sichtweite des tausendjährigen Doms. Die Schwierigkeiten ergeben sich hier vielmehr aus der Architektur: Vor der Filiale stehen Betonbauten mit viel Glas, die vor Jahrzehnten modern gewesen sein mögen. Heute stören sie bloß und verhindern die freie Sicht auf das Karstadt-Gebäude.
Der Mainzer Bürgermeister fordert seit Jahren eine Modernisierung der Filiale, die nach wie vor den Charme der Siebzigerjahre ausstrahlt. Im Untergeschoss gibt es Sportartikel und ein Supermarkt, in der obersten Etage findet man Kurzwaren und Stoffe - etwas, das in der Mainzer Innenstadt kaum noch vorhanden ist. Modern wirkt das Ganze beileibe nicht.
Das Areal soll nach den Plänen des Projektentwicklers Multi Development zu einem Einkaufszentrum umgebaut werden, mit Karstadt als Ankermieter. Das Vorhaben könnte die Attraktivität von Mainz als Einkaufsstadt deutlich erhöhen - und würde für Karstadt eine spürbare Aufwertung des Standorts bedeuten, die nicht zuletzt auch mit Gelder des Immobilienentwicklers finanziert werden würde.
Mehr Infos zum Thema Karstadt
Klicken Sie hier für eine Reportage über mehr als 50 Karstadt-Filialen bundesweit. Auch in Mainz und Bielefeld war die Redaktion von Der Handel vor Ort.
Eine Bildergalerie mit über 50 Karstadt-Filialen in der Bundesrepublik finden Sie hier.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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