
Karstadt: "Schmerzhafte Einschnitte"
Bei der Sanierung von Karstadt soll alles auf den Prüfstand kommen. Chefkontrolleur Fanderl kündigt schmerzhafte Einschnitte an. Das Unternehmen will bald ein Konzept vorlegen.
David WöllensteinRedakteurGespräche mit Vertragspartnern
Das Management arbeite mit Hochdruck daran, dem Aufsichtsrat und den Arbeitnehmergremien "zeitnah" ein umfassendes und belastbares Sanierungskonzept vorzuschlagen. Mit allen Vertragspartnern des angeschlagenen Warenhausunternehmens sollen Gespräche geführt werden.
Mit dem Warenkreditversicherer des Unternehmens sei eine Verlängerung des Vertrages um ein Jahr erreicht worden. Damit ist das für das Unternehmen besonders wichtige Weihnachtsgeschäft gesichert. Karstadt habe auch genug Liquidität und sei handlungsfähig, versicherte Fanderl. Karstadt verdiene aber "über die Ladenkasse noch immer kein Geld".
Sjöstedt-Abgang schockt Mitarbeiter
Konzernchefin Eva-Lotta Sjöstedt, die als große Hoffnungsträgerin galt, räumte bereits nach weniger als fünf Monaten ihre Platz. Sie sehe keine Basis mehr für den von ihr angestrebten Sanierungsprozess, hatte die Schwedin überraschend Anfang vergangener Woche erklärt. Arbeitnehmervertreter zeigten sich schockiert. Die Gewerkschaft Verdi forderte die Eigentümer auf, ihre Pläne auf den Tisch zu legen und zu investieren.
Fanderl sagte dazu, er bedaure den Abgang Sjöstedts. Karstadt habe aber mit Miguel Müllenbach und Kai-Uwe Weitz "erfahrene Geschäftsführer", mit denen die Sanierung angegangen werden solle.
Investor Nicolas Berggruen hatte den Karstadt-Konzern im Juni 2010 für den Symbolpreis von einem Euro übernommen. Kritiker werfen dem Eigentümer vor, dem Unternehmen die für eine Sanierung notwendige Finanzspritze bislang versagt zu haben.
"Von einem rationalen Finanzinvestor finanzielle Unterstützung zu erwarten, wenn man ihm nicht zeigen kann, ob und wie sich diese rentiert, ist müßig und in der Regel erfolglos", sagte Fanderl der Zeitung. Die auf Immobiliengeschäfte spezialisierte Finanzgruppe Signa besitzt seit Herbst vergangenen Jahres 75 Prozent der Anteile an den Premium- und Sport-Warenhäusern von Karstadt - darunter das Berliner KaDeWe.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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