
Karstadt steht vor "aufregenden Entwicklungen"
Die Botschaft nach der Aufsichtsratssitzung ist klar: Der scheidende Konzernchef und Eigentümer Berggruen halten an ihrem umstrittenen Kurs fest. Die Rufe nach Investitionen werden derweil lauter.
Björn BöerChefredakteurAls Beispiele nannte er die Einführung neuer Marken und sowie "nationale Marketingkampagnen im September und Oktober". Karstadt befinde sich unter sehr schwierigen Marktbedingungen in einem fundamentalen Transformationsprozess, sagte Jennings weiter.
So habe das Management Entscheidungen treffen müssen, die kurzfristig negative Effekte auf Umsatz und Ertrag hätten, "aber notwendig für die langfristige Gesundung des Unternehmens sind". Jennings nannte etwa den Ausstieg aus den "verlustbringenden" Abteilungen Multimedia, Licht oder Drogerie.
Kein Alternative zur Tarifflucht
Das Unternehmen will am Ausstieg aus der Tarifbindung festhalten. "Um die Gesundung des Geschäfts sicherzustellen, braucht Karstadt eine Tarifpause", sagte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz laut der Mitteilung. Ziel des Managements sei, mit den Betriebsräten ein Dokument zu verhandeln, in dem der Status Quo inklusive des Manteltarifvertrags garantiert werde.
Karstadt war im Mai vom regionalen Arbeitgeberverband in die Verbandsmitgliedschaft ohne Tarifbindung gewechselt. Das Management will die bisher geltende Tarifverträge weiter anwenden, kommende Tariferhöhungen in der Branche aber nicht umsetzen.
Kein Nachfolger für Jennings benannt
Weitere Themen der Aufsichtsratssitzung wurden zunächst nicht bekannt. Beobachter vermuten, dass auch der anstehende Wechsel an der Karstadt-Spitze zur Sprache kam. Das Unternehmen hatte am vergangenen Wochenende den Abgang von Jennings zum Jahresende 2013 bekannt gegeben. Für Karstadt muss nach Ansicht von Aktionärsschützer Marc Tüngler so schnell wie möglich ein neuer Konzernchef gefunden werden.
"Jeder Tag, an dem das Thema nicht vom Tisch ist, ist für Karstadt ein verlorener Tag", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Donnerstag der dpa.
Auf Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen steigt derweil der Druck, die schwierige Sanierung der Warenhauskette mit Investitionen zu beschleunigen. Nach der Gewerkschaft Verdi forderte mit dem Hemdenhersteller Olymp auch ein industrieller Partner von Karstadt Berggruen ungewöhnlich offen zu Investitionen auf.
Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger schlug am Donnerstag vor der Aufsichtsratssitzung in die gleiche Kerbe: Die Beschäftigten erwarteten zu Recht, dass Berggruen mit eigenen Investitionen die Modernisierung des Unternehmens beschleunige.
"Todgespart ist auch gestorben"
"Todgespart ist auch gestorben und verunsicherte Mitarbeiter sind keine Top-Verkäufer", brachte ein Handelsimmobilienexperte die Kritik am aktuellen Karstadt-Kurs heute vor Immobilien-Journalisten in Frankfurt am Main auf den Punkt.
Nicolas Berggruen hatte kürzlich eingeräumt, die Probleme bei der Übernahme 2010 unterschätzt zu haben: "Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war. Die Herausforderungen sind noch größer und noch anstrengender", sagte er der "Bild"-Zeitung Anfang vergangener Woche.
Das Unternehmen hinke bei vielen Dingen hinterher, etwa bei den Einkaufssystemen. Er stehe bereit, frisches Geld einzubringen, wenn es helfen würde. Aber entscheidend sei der Wandel im Unternehmen selbst, betonte Berggruen. Bei der Sanierung sei etwa die Hälfte des Weges bewältigt.
dpa, DH

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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