
Kaufhaus Schickedanz ringt ums Überleben
Das Kaufhaus Schickedanz in Hersbruck sollte beweisen, dass ein Nahversorgerkonzept für kleine Warenhäuser greift. Zudem sollte hier ein Stück Quelle bewahrt werden. Nun ist es anders gekommen.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailment1948 bewältigte die Familie Schickedanz dann den Neustart von Quelle nach dem Krieg. Den einstigen Versandriesen gibt es nicht mehr - im Dezember 2009 kam das Aus für das Unternehmen. Wenigstens das Kaufhaus-Schickedanz konnte aber gerettet werden.
Schwarze Zahlen in Hersbruck
Doch nun steht auch das letzte Vermächtnis von Quelle vor dem Aus. Herbrig hat nun für seine Kaufhausgruppe beim Amtsgericht Regensburg Insolvenzantrag gestellt, schreibt die "Hersbrucker Zeitung".
Dem Kaufmann gehören drei kleine Warenhäuser: in Waldmünchen, in Rötz - und das Schickedanz-Kaufhaus in Hersbruck. Herbrig betont, dass der Standort Hersbruck schwarze Zahlen schreiben würde - allerdings räumt er ein, dass hier 16 von 25 Mitarbeitern seit Monaten auf Gehälter warten würden, um ihren Arbeitsplatz zu retten. Der bisherige Geschäftsführer, Frank Tiedmann, hat Anfang Mai das Kaufhaus verlassen.
Laut "Hersbrucker Zeitung" führt Herbrig die Krise seiner Gruppe auf die schlechte Entwicklung der oberpfälzer Standorte Waldmünchen und Rötz zurück. So leide das Innenstadt-Kaufhaus Reitmeier in Waldmünchen im Landkreis Cham unter der neuen Konkurrenz eines neuen Einkaufszentrums, das im vergangenen Jahr am Stadtrand eröffnet wurde und Textil- und Lebensmittelmärkte sowie Parkplätze bietet.
Technik und Mode
Sechs Wochen hat nun der Insolvenzverwalter Siefried Beck Zeit, die Zukunftschancen der drei kleinen Kaufhäuser auszuloten und dem Amtsgericht Bericht zu erstatten.
Herbrig sieht wenigstens für den Standort Hersbruck eine Überlebenschance. Er spricht von einem neuen Investor, der sich das Haus bereits angesehen habe und auf die Sortimente Technik und Mode setzen würde.
Sollte der Investor den Zuschlag bekommen, könnte das auch die Rettung für "möglichst viele" Jobs in Hersbruck sein, spekuliert Herbrig.
Der Verkauf in den beiden Hersbrucker Kaufhäusern (es gibt noch ein Technik-Haus) gehe unvermindert weiter, versichert Herbrig. Umsatzeinbrüche gäbe es nicht. Für Ende dieser Woche wird erwartet, dass sich der Insolvenzverwalter erstmals über die wirtschaftliche Lage sämtlicher Herbrig-Häuser äußert.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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