Lehrstellen in Deutschland ungleich verteilt

Lehrstellen in Deutschland ungleich verteilt

Mancherorts sind Lehrstellen rar, anderenorts bleiben viele unbesetzt. Ein Blick in zwei Regionen, die unterschiedlicher nicht sein können.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
2 Min.· Aktualisiert am
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So fehlen im Raum Ingolstadt, wo Audi sein größtes Automobilwerk hat, Bewerber für vorhandene Ausbildungsplätze. Mit derzeit 1,5 Prozent weist der nahe gelegene Landkreis Eichstätt die bundesweit niedrigste Jugendarbeitslosigkeit auf. Die Stadt Gelsenkirchen hat die meisten Arbeitslosen unter 25 Jahren, die Quote liegt hier bei 14,5 Prozent.

"Unsere Unternehmen brauchen jeden zusätzlichen Bewerber", sagte der bildungspolitische Sprecher des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), Hubert Schöffmann, der Presseagentur dpa. Der Landkreis Eichstätt liege in einer wirtschaftlich erfolgreichen Region. "Die Nachfrage nach Fachkräften ist deswegen enorm groß und die Betriebe investieren viel, um ihren eigenen, selbst ausgebildeten Fachkräftenachwuchs heranzuziehen."

Keine Ausbildungsplätze in Gelsenkirchen

Durch den demografischen Wandel wiesen mittlerweile viele Regionen in Deutschland sinkende Zahlen an Schulabgängern auf und hätten in der Folge einen Mangel an Bewerbern für die Ausbildung. "Die Devise muss lauten: Aus- und Weiterbildung ist Chefsache, alle Potenziale müssen erschlossen werden." Große Reserven sieht Schöffmann bei bislang nicht erreichten Bewerbergruppen: Jugendliche ohne Schulabschluss, Studienabbrecher, aber auch junge Flüchtlinge.

Anders ist die Lage in Gelsenkirchen. Grund für den Mangel an freien Stellen im Ruhrgebiet sei vor allem der noch anhaltende enorme Strukturwandel, sagte Michael Kinzler, Sprecher der Agentur für Arbeit Ruhr. Mit dem Abzug der Industrie seien in Gelsenkirchen Stellen weggefallen, die die neu entstandenen Betriebe nicht auffangen können. "Industriebrachen bleiben oft lange Zeit liegen, bevor sie für Neuansiedlungen zugänglich gemacht werden können. 16 von 100 Betrieben bilden aus. Auf tausend Einwohner kommen vier Lehrlinge", sagte ein Sprecher der Handwerkskammer. Das sei unter dem Durchschnitt. Als Konsequenz schauen sich junge Leute auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz auch in Nachbarstädten nach Stellen um.

Hier habe das Ruhrgebiet gegenüber ländlichen Gemeinden einen gewissen Vorteil, sagte Kinzler. "Jeder zweite Auszubildende, der in Gelsenkirchen wohnt, pendelt zu seiner Lehrstelle in eine Nachbarstadt."

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende Juli 484.600 Ausbildungsstellen gemeldet - dem standen zu dem Zeitpunkt 508.600 Lehrstellenbewerber gegenüber. 163.300 angebotene Ausbildungsstellen waren Ende Juli noch unbesetzt. Die Zahl der jungen Leute, die zu dem Termin noch keine Lehrstelle gefunden hatte, lag bei 155.100.

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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