
Lidl will nicht zur Tankstelle werden
Selten so gelacht: Der Vorschlag von Wirtschaftminster Brüderle, Benzin von Discountern anbieten zu lassen, stößt zuweilen auf Heiterkeit. Lidl zumindest will bleiben, was es ist: Lebensmittelhändler.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailment"Preise bilden sich am besten immer noch durch Wettbewerb. Wenn das Angebot steigt, sinkt der Preis", sagte der FDP-Politiker der "Bild"-Zeitung. Jeder Wettbewerber sei gut, er könne Unternehmen "nur ermutigen, in den Benzinmarkt einzusteigen."
Tank-Rallye in Österreich
Brüderle fühlt sich durch Österreich inspiriert. Dort verkauft die Aldi-Tochter Hofer in wenigen ausgesuchten Märkten seit 2009 überaus günstig Benzin. Diesen Winter soll dort der Sprit in der Region Osttirol nur 99 Cent für den Liter Diesel und Benzin gekostet haben.
Als 2009 mit dem Verkauf begonnen wurde, gab es wegen des Andrangs Verkehrstaus - in dem auch deutschen Benzintouristen standen. Landwirte kamen mit Traktoren, an denen gewaltige Tanks hingen, die Zeitungen in Salzburg schrieben von einer "Tank-Rallye".
Der günstige Sprit an den neuen Zapfsäulen vor den Hofer-Märkten löste damals einen Preiskrieg aus, denn auch die Markentankstellen boten den Kraftstoff teilweise unter dem Einkaufspreis an. Bei den Hofer-Märkten zahlt der Benzinkunde nur mit Bank- oder Kredikarten, es gibt an den Zapfsäulen kein Personal.
Im EU-Vergleich erhebt Österreich eine relativ geringe Mineralölsteuer. "Bei der Benzinversteuerung zählt Österreich zu den Steueroasen. Vor allem im Vergleich zu den westeuropäischen Staaten ist der Abstand hoch", sagt Martin Blum vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ).
In einer VCÖ-Untersuchung aus dem Jahr 2010 ist die Besteuerung für einen Liter Diesel in Großbritannien am höchsten: 0,722 Euro kassiert dort der Staaat. Deutschland liegt mit 0,486 Euro auf Rang zwei - Österreich folgt erst auf Platz zwölf mit 0,347 Euro.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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