
London bleibt europäische Einzelhandelshauptstadt
London ist Europas attraktivster Handelsstandort. Deutschland, obwohl in den Top 5 der Einkaufsmetropolen nicht vertreten, punktet bei internationalen Investoren wegen des breiten Angebots an Toplagen.
David WöllensteinRedakteurMünchen die deutsche Nummer Eins
Deutschland bietet aufgrund der föderalistischen Struktur zwar nicht die Mega-Citys anderer europäischer Länder, ist aber gleich mit fünf Städten in der Top-20-Rangliste vertreten. München führt dabei auf Rang sieben die Liste der attraktivsten deutschen Städte an.
Auf die bayerische Landeshauptstadt folgen Berlin (Platz 12), Hamburg (13), Frankfurt (16) und Düsseldorf (19). "Kein anderes europäisches Land weist ein ähnlich breites Angebot an Top-Standorten auf", sagt Doris von Muschwitz, bei Jones Lang LaSalle Senior Executive Einzelhandelsvermietung Deutschland.
"Die Dezentralität ist die wesentliche Stärke des Handelsstandortes Deutschland und einer der Hauptgründe für die anhaltend hohe Bedeutung in den Expansionsplänen internationaler Handelsunternehmen. Nirgendwo sonst finden diese bei vergleichsweise moderaten Spitzenmieten ein vielfältigeres Angebot an hervorragend aufgestellten Standorten vor", betont die Immobilienberaterin.
Händler orientieren sich nach Osten
Angesichts der schwachen Wirtschaftslage in West- und Südeuropa orientieren sich die Einzelhändler vermehrt gen Osten. Die aufstrebenden Wachstumsmärkte dort bieten attraktive Expansionsmöglichkeiten, hat Jones Lang LaSalle festgestellt. Die Mieten sind allgemein niedriger als in den reiferen Märkten, die Umsatzperspektiven deutlich besser.
Sankt Petersburg (Rang 8), Prag (9), Warschau (19) und Kiew (23) schneiden im Index mit Blick auf diese Punkte durchweg sehr gut ab. Nicht ohne Grund weisen Mittel- und Osteuropa unter den 30 führenden Handelsstandorten mehr Märkte auf als Südeuropa.
Die einzigen europäischen Länder mit jeweils zwei Standorten unter den Top 10 sind Russland mit Moskau (Rang 3) und Sankt Petersburg (8), Spanien mit Madrid (5) und Barcelona (10) sowie Italien mit Mailand (4) und Rom (6).
Nur Zara ist überall vertreten
Neben der Attraktivität der europäischen Standorte hat Jones Lang LaSalle auch die Präsenz der 250 wichtigsten internationalen Handelsunternehmen in Europa sowie deren nationale Herkunft unter die Lupe genommen.
Danach erreicht Zara als einziger Einzelhändler eine hundertprozentige Abdeckung in den insgesamt 57 untersuchten europäischen Städten. Das spanische Modeunternehmen führt damit die Tabelle in punkto Marktabdeckung an.
Es folgen H&M mit 96 Prozent sowie The Body Shop, Benetton, Mango, Lush, Tommy Hilfiger, Timberland und Foot Locker mit jeweils 80 Prozent. Insgesamt gibt es damit lediglich neun Handelsunternehmen, die eine Marktabdeckung von mindestens 80 Prozent aufweisen.
Italienische Luxuslabels dominieren
Dominiert werden die Top-20-Einzelhändler mit der höchsten Marktabdeckung von Mainstream-Anbietern, die in dieser Gruppe auf einen Anteil von 60 Prozent kommen. Sechs Premium-Einzelhändler haben es unter die Top 20 geschafft, angeführt von den US-Marken Tommy Hilfiger und Timberland.
Bei den Herkunftsländern der expandierenden Handelsunternehmen ist Italien das Maß der Dinge. 17 Prozent der in den 57 untersuchten Städten ansässigen internationalen Handelsunternehmen haben ihren Ursprung in Italien. Eine wichtige Rolle spielen dabei die traditionell international aufgestellten Luxuslabels. Es folgen US-amerikanische und britische Händler mit einem Marktanteil von jeweils 16 und 13 Prozent.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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