
"Luxussituation für Autohändler"
Opel gewinnt mit dem Insignia immer mehr Kunden aus dem Premiumbereich und liefert sein Mittelklassemodell nun auch als 160-PS-Diesel mit Allradantrieb aus.
Thomas RehmRedakteurInnovationskraft der Ingenieure
Rund 40 Auszeichnungen heimste das in drei Karosserievarianten lieferbare Fahrzeug seither ein - für Opel absoluter Rekord und ein Beleg für die Innovationskraft der Ingenieure im technischen Entwicklungszentrum des weiterhin von Existenznöten geplagten Unternehmens.
"Der Insignia kommt zur rechten Zeit", hatte der damalige Europachef Carl-Peter Forster immer wieder verkündet. Heute weiß man: Für den Insignia war es höchste Zeit. Ohne das Modell gäbe es die General Motors-Sparte vielleicht schon gar nicht mehr.
"Kunden werden immer anspruchsvoller"
Auf dem Weg zu neuer Profitabilität helfen inzwischen sogar die Premiumkunden. "Zehn Prozent der Insignia-Käufer kommen von Audi und VW, fünf Prozent von BMW und Mercedes", erklärt Opel-Marketingchef Alain Visser - nicht ohne Pathos in der Stimme - und spricht von einer „Luxussituation für die Händler", die man so "nicht erwartet" habe. "Unsere Kunden werden immer anspruchsvoller", hat Visser erkannt.
Opel reagiert mit einer neuen Ausstattungslinie, die sich blumig „Indian Summer" nennt. Mit Nappa-Softledergestühl, "von süddeutschen Zuchtbullen", wie Designer Malcom Ward betont, möchten die Hessen den Trend bedienen, den auch andere Hersteller einschlagen.
Die Motorleistung verliert zunehmend an Bedeutung, dafür stecken die Kunden immer mehr in die Komfortausstattung ihrer Gefährte. Einfaches Motto: Wenn man in den gesättigten Märkten Europas nicht mehr Autos verkaufen kann, dann muss man eben teurere Autos verkaufen. Für den "Indian Summer" mit cognacfarbenem Interieur werden jedenfalls nochmals 1.760 Euro auf die bisherige Top-Ausstaffierung fällig.
Allrad sorgt für Bodenhaftung
Gleichzeitig bewahrt Opel aber buchstäblich die Bodenhaftung und bietet den variablen Allradantrieb des schwedischen Herstellers Haldex nun nicht mehr ausschließlich mit den PS-starken Turbo-Benzinern, sondern auch mit dem überarbeiteten 2,0-Liter-Diesel mit 118 kW/160 PS zu Preisen ab 33.435 Euro an. Abgesehen von Geländewagen wie Frontera oder Antara ist dies der erste Opel-Diesel mit 4x4-Antrieb.
Damit steigen nicht nur der Preis um mehr als 3.000 Euro und die Verbrauchswerte um rund einen Liter, sondern auch die Anhängelast um rund 100 Kilogramm gegenüber dem Frontantrieb.
Zwar ist der Wert noch nicht endgültig freigegeben, doch zeigte sich bei einem Test auf einer abgesperrten Piste, dass der allradgetriebene Selbstzünder auch Anhänger mit zwei Tonnen Gesamtgewicht mühelos an den Haken nehmen und beherrschen kann. Dazu trägt maßgeblich das Anhängerstabilitätsprogramm bei, das beim Erwerb einer Anhängerkupplung serienmäßig mitgeliefert wird.
Sensoren an der Kupplung überwachen das Verhalten des Hängers und bremsen im Bedarfsfall die einzelnen Räder des Zugfahrzeugs ein, um das Gespann zu stabilisieren. Gewerbetreibende in bergigen Regionen mit mobilem Verkaufsstand oder Freizeitaktivitäten am Wochenende werden dies zu schätzen wissen.
Bernd Nusser

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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