Von Paris bis Kaiserslautern: Warum Ikea den Großteil seines Marketingbudgets lokal investiert

Von Paris bis Kaiserslautern: Warum Ikea den Großteil seines Marketingbudgets lokal investiert

Ikea ist ein weltweiter Gigant im Möbelhandel. Alles schön schwedisch, alles schön einheitlich, so wirken alle Häuser auch in Deutschland. Doch beim Marketing schlägt das Unternehmen clever die regionalen Töne an.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
3 Min.· Aktualisiert am
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Kennst du einen, kennst du alle - könnte man meinen, wenn man einmal im Leben einen Ikea-Einrichtungsmarkt besucht hat. Tatsächlich funktioniert Ikeas Shopping-Erlebnis in jedem Land der Welt mehr oder weniger nach demselben Prinzip. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass die Werbung dafür überall dieselbe ist. Im Gegenteil.

Der schwedische Hersteller und Händler legt größten Wert darauf, die Bedürfnisse seiner jeweils lokalen Zielgruppe zu kennen - und zu bedienen. Ein Stuhl ist ein Stuhl. Für seinen Käufer erfüllt er immer dieselbe Funktion. Trotzdem gleicht kein Stuhlkäufer dem anderen. Oder um es mit den Worten von Romy Baum zu sagen: "Jeder Kunde hat andere Einrichtungsbedürfnisse."

Was komplex ist, wir einfach gemacht

Als Projektleiterin Local Marketing von Ikea Deutschland gehört es zu ihren Aufgaben, diese so einfach klingende, in der Praxis aber recht komplexe Erkenntnis immer wieder ins Bewusstsein zu rücken. Denn lokales Marketing ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie von Ikea.Dass ein global agierendes Unternehmen den Blick auf den Mikrokosmos richtet, hat unter anderem damit zu tun, dass die Kunden gerade solchen Megakonzernen immer kritischer begegnen. "Viele Menschen verlieren das Vertrauen in große Unternehmen", sagt Baum. "Aber für Ikea spielt gerade die Nähe zum Kunden eine zentrale Rolle, denn wir wollen seit jeher den Alltag der vielen Menschen mit individuellen Bedürfnissen verbessern."

Was will der Kunde in Erfurt, Wallau oder Bielefeld?

Weil sich bei dem schwedischen Möbelhändler außerdem alles immer um das Einrichtungshaus vor Ort dreht, ist die lokale Ausrichtung im Marketing mehr als sinnvoll. In jedem der 53 Häuser in Deutschland ist ein Marketer damit befasst, die Vorlieben und Einstellungen der lokalen Kunden zu analysieren und entsprechend darauf zu reagieren. "Wir stellen uns immer wieder die Frage nach regionalen Insights, nach Traditionen aus dem Umland, nach der regionalen Wohnsituation oder dem durchschnittlichen Einkommen", zählt Baum auf.

Denn was nützt es, große Garten- und Terrassenmöbel in den Fokus zu stellen, wenn ein Großteil der Kunden höchstens über einen Balkon verfügt? Ebenso wenig sinnvoll wäre es, im urbanen Raum mit wenig Platz mit weitläufigen Sofalandschaften zu werben, verrät die Marketingfrau.

Mit Daten von GfK und Deutscher Post


Beim Zusammentragen der Daten für die Marktanalyse setzt Ikea nicht nur aufs eigene Unternehmen, sondern lässt sich auch von Dienstleistern wie der GfK und der Deutschen Post unterstützen.
Dass auf dieser Basis Erfolge erzielt werden, könne man unter anderem an einer Einrichtungshauseröffnung in Kaiserslautern 2015 sehen, sagt Romy Baum: "Hier haben wir gezeigt: Je lokaler die Kampagne, desto mehr fühlt sich der Kunde in seinem individuellen Einrichtungsbedürfnis angesprochen. Dadurch können wir mehr Besucher generieren. Das spiegelte sich sogar in einem Ausschlag bei der nationalen Markenwahrnehmung wider." son

Dieser Beitrag erschient zuerst auf horizont.net

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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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