Media-Saturn: "Unser Anspruch ist es, Dinge zu entwickeln, an die heute noch niemand denkt"

Media-Saturn: "Unser Anspruch ist es, Dinge zu entwickeln, an die heute noch niemand denkt"

Media-Saturn galt lange als ein zäher Koloss, der sich mit Betonfüßen durch Digitalien bewegt. Doch inzwischen erneuert sich der Elektronikriese mit schwindelerregendem Tempo. Mit Chief Digital Officer Martin Wild sprechen wir darüber, wie die digitale Transformation den Händler verändert und zeigen, mit welchen Innovationen Media-Saturn spielt, welchen Lösungen der Konzern vertraut und welche er ausbaut.

OKOlaf KolbrückChefredakteur
4 Min.· Aktualisiert am
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Mit Chief Digital Officer Martin Wild sprechen wir darüber, wie die digitale Transformation den Händler verändert und zeigen, mit welchen Innovationen Media-Saturn spielt, welchen Lösungen der Konzern vertraut und welche er ausbaut.



Die Digitale Transformation ist ja bei Media-Saturn nach langem Zögern gerade in vollem Gange. Ist der Knoten geplatzt?

Martin Wild: Wir haben das Thema Digital lange Zeit ausgeblendet, die Chancen nicht unbedingt sehen wollen. Dann haben wir aber mit viel Energie die Aufholjagd gestartet, intern Programme angeschoben und weitere erfahrene Köpfe an Bord geholt. Die Ergebnisse dessen sind mittlerweile gut sichtbar: Kunden können sich in vielen Märkten dank digitaler Terminals besser im Markt orientieren. Sie können per Smartphone-App und kostenlosem WLAN leichter auf Infos zugreifen. Unsere Verkäufer können durch Tablets noch sachkundiger beraten. Und die Kollegen aus dem Marketing machen mit Plattformen wie Turn-On oder dem Mediamag.net auch kommunikativ einen erstklassigen digitalen Job. Wir sind auf dem besten Weg zum Digital Leader in Europa. Und wir haben noch viele Ideen in der Pipeline.

Derzeit machen sie ja fast alles gleichzeitig. Gibt es überhaupt Schwerpunkte?

Martin Wild: Basisleistung ist für uns sicherlich die Vernetzung der Kanäle, beispielsweise durch Click & Collect. Auch Same Day Delivery gehört nun dazu.

Wir probieren aber viel aus, wollen gemeinsam mit dem Kunden sehen, was er nutzen möchte. Unser Anspruch ist es dabei auch, Dinge zu entwickeln, an die heute noch niemand denkt.

"Die ersten drei Monate sind entscheidend"

Dafür haben wir auch das Spacelab ins Leben gerufen, unser Accelerator-Programm. Dort arbeiten wir mit Startups zusammen. Wir investieren in junge Unternehmen und geben den Gründern zugleich die Möglichkeit, ihre Produkte oder Dienstleistungen über einen Zeitraum von 20 Wochen in Bereichen wie Strategie, Marketing, Sales und Infrastruktur weiterzuentwickeln. Unsere Experten unterstützen sie dabei.

Zudem sind wir weltweit auf der Suche nach neuen Trends und Ideen. Unser Anspruch ist es, solche Lösungen schnell und agil auf die Straße zu bringen und zu testen. Wenn die Kunden es annehmen, rollen wir es aus. Wenn es nicht funktioniert, schalten wir es wieder ab. Teilweise heben wir uns solche Projekte dann für einen späteren Zeitpunkt auf, wenn Markt und Kunden dafür reif sind.

Wie lange haben neue Ideen denn „Welpenschutz“?

Martin Wild: Das kommt auf das Thema an. Sicherlich sind die ersten drei Monate entscheidend. Aber manchen Projekten muss man auch mehr Zeit gönnen und das erste Jahr der Tests abwarten.

Hat sich mit dem neuen Tempo auch die Organisation geändert?

Martin Wild: Interne Silos aufzubrechen, fachübergreifend besser zusammenzuarbeiten – das ist für uns ein ganz wichtiger Aspekt an dem wir massiv arbeiten. Wir fördern das digitale Verständnis auf allen Ebenen. Dafür haben wir unter anderem Digital@Campus ins Leben gerufen, eine jährliche Mitarbeiterveranstaltung, bei der wir neue Konzepte vorstellen und diskutieren.

Wie überzeugt man Management und Führungskräfte, dass sich die Zusammenarbeit verändern muss?

Martin Wild: Entscheidend ist, dass sich die Geschäftsführung die digitale Transformation auf die Fahne schreibt. Darüber hinaus müssen auch die anderen Führungskräfte und die Mitarbeiter insgesamt lernen,, dass die Veränderungen vor allem auch Chancen beinhalten. Damit das alles gelingt, sind erste Erfolge wichtig: Dass rund jede zweite Online-Bestellung bei uns in einem Markt abgeholt wird, ist so ein Erfolg. Es zeigt: Die Kunden nehmen Multichannel an.

Viele Experten raten Unternehmen zum Chief Digital Officer als Impulsgeber. Wir sehen Sie ihre Rolle – Evangelist, Multiplikator, Verteilerknoten, Koordinator?

Martin Wild: Von allem ein bisschen. Ganz sicher geht es bei der digitalen Transformation und der Rolle eines Chief Digital Officer immer auch um Koordination, weil die Veränderungen das gesamte Unternehmen betrifft. Innovationen muss es ja in allen Bereichen geben. Ein Chief Digital Officer muss Sparringspartner sein und personifizierter Think Tank, jenseits des operativen Tagesgeschäfts. Zudem sollte ein CDO ein Mensch sein, der digitale Themen vorlebt.

Jede digitale Veränderung muss durch den „Flaschenhals“ IT. Kaufen Sie Software lieber ein oder entwickelt Media-Saturn lieber selbst?

Martin Wild: Manche Dinge, beispielsweise wenn sie tief in die Warenwirtschaftssystemen eingreifen, müssen wir einfach selbst bauen. Andere Dinge werden zukünftig zu entscheidendem Know-how, die wollen wir selbst bauen.

"Die Digitalisierung wird auch im stationären Handel zu deutlich mehr Personalisierung führen"

Daneben kaufen wir aber auch fertige Speziallösungen ein. Da muss man sehr flexibel sein, und das sind wir: Wir nutzen deshalb beispielsweise auch Hackathons, um mit Mitarbeitern aus der IT und anderen Abteilungen Software-Ideen zu entwickeln.

Wie wird sich der Handel in den kommenden Jahren entwickeln?

Martin Wild: Die Digitalisierung wird auch im stationären Handel zu deutlich mehr Personalisierung führen. Entscheidend wird dafür auch sein, dass die Technologisierung und Digitalisierung am PoS kein Selbstzweck sind, sondern dem Kunden ein sinnvoll erweitertes und passendes Einkaufserlebnis bieten.

(Alle Fotos: Media-Saturn)

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Geschrieben vonOlaf Kolbrück

Chefredakteur

Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.

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