
Mittelstand sucht Anlagemöglichkeiten
Niedrige Zinsen, gute Geschäftslage: Über die Hälfte der mittelständischen Firmen in Deutschland müssen ihr Geld anlegen. Davon ist auch der Handel betroffen.
Unrealistische Renditeerwartungen
Nach der erwarteten Mindestverzinsung für das eingesetzte Kapital befragt, gehen die Mittelständler im Schnitt von fast 3 Prozent Mindestverzinsung aus – eigentlich zu hoch. "Das begründet sich zum einen mit der realen Renditeerwartung aus dem Betriebsergebnis", erklärt Wittberg. Die Unternehmer orientieren sich also nicht am Marktzinssatz, sondern eher an der Gewinnerwartung für das eigene Unternehmen. "Zugleich gehen die Befragten davon aus, dass sie bei einer aktiven Steuerung ihrer Geldanlage, auch mit Investitionen in mögliche alternative Anlagen, eventuell eine höhere Rendite erwirtschaften können".
"Diese erwartete Verzinsung liegt deutlich über dem Marktniveau für sichere und kurzfristige Anlagen", sagt Martin Keller, als Bereichsleiter Product Management bei der Mittelstandsbank der Commerzbank für die Kundenbetreuung verantwortlich. "Je nach Risikoneigung und Zusammensetzung eines Anlageportfolios halten wir im aktuellen Umfeld 1 bis 2 Prozent für realistisch."
Kurzfristige Liquidität im Handel immer noch wichtig
Immerhin rund 40 Prozent der Befragten sind bereit, für eine höhere Rendite auch Kursschwankungen in Kauf zu nehmen. "In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen abgewartet, ob die Zinsen wieder steigen", ergänzt Martin Keller. Das sei nun vorbei. "Die Firmen gewöhnen sich an die Volatilität der Märkte." Diese Unternehmen nutzten auch risikoreichere Anlagealternativen wie Fremdwährungsanlagen oder Multi-Asset-Fonds.
Auch längere Laufzeiten spielen eine größere Rolle als früher: "Es lässt sich eindeutig ein anderes Liquiditätsmanagement beobachten. Alles, was nicht für das Tagesgeschäft benötigt wird, wird in längere Laufzeiten mit etwas höheren Zinsen umgeschichtet", sagt Studienleiter Wittberg.
Gut ein Drittel der Befragten hält trotz keiner oder negativer Rendite an kurzfristigen Anlagen fest. Dazu dürften zum Großteil auch die befragten Handelsunternehmen gehören, ihr Anteil an den gesamt befragten Mittelständlern beträgt rund 15 Prozent. "Im Einzelhandel ist zwar nach wie vor eine schnellere Verfügbarkeit der Liquidität entscheidend als in anderen Branchen", bestätigt Wittberg. "Doch der Basissockelsatz an Liquidität ist gleich wie bei den anderen befragten Unternehmen."
Redakteurin
Marion Schalk, 37, ist Redakteurin bei Der Handel und etailment.de. Sie schreibt hauptsächlich über den Handel und das liebe Geld: Finanzierung, Payment, Geldanlage, Investionen, Unternehmensnachfolge. Regelmäßig berichtet sie auch über große und kleine Handelsunternehmen und deren Weg in die digitale Zukunft. Als leidenschaftliche Online-Shopperin kennt sie die kleinen und großen Fallstricke von Multi- oder Omnichannel-Konzepten - und weiß um den wichtigsten Aspekt: Der Kunde! Marion Schalk kam von WSJ.de: als Mitglied des Gründungsteams das digitale Wall Street Journal Deutschland auf den Weg gebracht. Davor war sie Redakteurin in der Wirtschaftsredaktion von T-Online, in den Anfangsjahren ihres Berufslebens arbeitete sie als PR-Beraterin bei Publicis und in der Pressestelle von T-Online International. Sie studierte Politikwissenschaft und Germanistik und schloss ihr Master Degree mit Auszeichnung ab. Sie finden die Autorin bei Twitter unter dem Namen @mschlk, bei LinkedIn und Xing. Telefon Nr. +069 7595 1695 E-Mail: schalk@derhandel.de
Alle Beiträge