Rocket Internet, About You, Hermes, Buchhandel, Kartellrechtsverstoß, Oddity, Vinted, Jendaya, Ocado, App-Werbung, Whole Foods, Valora, Pinterest, Falke, Tchibo, Carhartt

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Aktuelle E-Commerce-News: Rocket Internet, About You, Hermes, Buchhandel, Kartellrechtsverstoß, Oddity, Vinted, Jendaya und weitere Themen im Überblick.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
9 Min.· Aktualisiert am
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Das müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.

HANDEL NATIONAL

Oliver Samwer legt Startup-Fabrik Rocket Internet still
Über ein Vierteljahrhundert prägte Oliver Samwer die deutsche Internetwirtschaft wie kein anderer. Nun legt er sein Vehikel still: die Startup-Fabrik Rocket Internet, die auch zahlreiche E-Commerce-Firmen angeschoben hatte, berichtet manager-magazin.de. Bereits 2020 hatte Samwer Rocket mit einem Delisting von der Börse genommen, bei dem aufgrund des erheblich unter dem Ausgabepreis beim Börsengang liegenden Rückkaufpreises viele Anleger Geld verloren hatten; 2022 hatte er fast den gesamten Bilanzgewinn als Dividende ausgeschüttet. Auch der Samwer-Investment-Fonds Global Founders Capital sei bereits von rund 40 Partnern und Investmentmanagern auf nur noch fünf heruntergefahren worden.

About You pausiert Metaverse-Plattform Hypewear
Noch eine Stilllegung: Der anhaltende KI-Boom hat den Nebeneffekt, diverse Metaverse- oder NFT-Projekte beiseite zu schieben, weil sie heute weniger aussichtsreich wirken als noch vor einem Jahr. So hat auch About You seine Metaverse-Pläne und den digitalen Mode-Shop Hypewear vorerst auf Eis gelegt, die dazugehörige Website ist bereits offline, wie Fashion United berichtet. Ursprünglich plante About You, Fashion-NFTs für die breite Masse zugänglich zu machen. Nun konzentriert sich das Unternehmen vorerst auf einzelne NFTs. Möglicherweise werde das Metaverse-Projekt in Zukunft wieder aufgegriffen, aber die Weiterentwicklung der Plattform für digitale Mode werde vorerst gestoppt.

Hermes Fulfilment übernimmt Versandzentrum in Italien
Hermes Fulfilment, der Logistikdienstleister der Otto Group, erweitert sein internationales Standortnetzwerk durch die Übernahme eines Versandzentrums im norditalienischen Valdengo, rund 100 Kilometer westlich von Mailand, das sich auf die Abwicklung kleinvolumiger Sortimente spezialisiert hat, wie die Firma mitteilt. Am neuen Standort in Italien seien rund 230 Mitarbeitende beschäftigt, die per 1. August zu Hermes wechseln. Sie soll dazu beitragen, die ambitionierten Wachstumsziele von Hermes zu erreichen. Bis 2028 wolle man den Umsatz verdoppeln und zu den drei erfolgreichsten B2C-Fulfilment-Dienstleistern im europäischen E-Commerce gehören.

Buchhandels-Umsätze in Deutschland leicht rückläufig
Der von der Pandemie durchgeschüttelte deutsche Buchhandel verzeichnete im Jahr 2022 einen Umsatzrückgang von 1,9 Prozent auf 9,44 Mrd. Euro. Der stationäre Sortimentsbuchhandel konnte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 5,0 Prozent auf 3,95 Mrd. Euro steigern – dabei ist zu beachten, dass es 2021 noch Einbußen durch monatelange coronabedingte Ladenschließungen gegeben hatte. Der Online-Handel hingegen verzeichnete zwar einen Rückgang gegenüber 2021 von 12,6 Prozent auf 2,28 Mrd. Euro, liegt jedoch immer noch satte 23 Prozent über dem Niveau von 2019. Der klassische Versandhandel, Warenhäuser und Buchgemeinschaften verzeichneten geringere Anteile. Alle Zahlen sind Bestandteil eines Dossiers von handelsdaten.de, dem Statistikportal des EHI Retail Institute in Köln.


HANDEL INTERNATIONAL

Amazon und Apple: 194 Millionen Euro Strafe wegen Verstoß gegen spanisches Kartellrecht
Die spanische Kartellbehörde CNMC hat Amazon und Apple wegen Absprachen beim Online-Verkauf von Apple-Produkten Geldbußen in Höhe von insgesamt 194 Mio. Euro auferlegt. Die Wettbewerbshüter beanstandeten einen Vertrag aus dem Jahr 2018, der ursprünglich Amazon zu einem autorisierten Apple-Händler machte. Die beanstandeten Passagen hätten jedoch dazu geführt, dass 90 Prozent der Einzelhändler, die vorher Apple-Geräte über Amazons spanischen Marktplatz verkauft hatten, ausgeschlossen wurden, hieß es auf Seite der CNMC. Da Amazon und Apple in anderen Ländern ähnliche Verträge geschlossen haben, könnte das spanische Urteil Signalwirkung haben und weitere Kartellverfahren nach sich ziehen, wie heise.de berichtet. Apple und Amazon erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Einspruch einlegen zu wollen.

Oddity nach erfolgreichem Börsengang zwei Milliarden wert
Oddity, die israelisch-amerikanische Beauty-Plattform für Marken wie Il Makiage und Spoiled Child, hat ihren Börsengang erfolgreich vollzogen und dabei 424 Millionen US-Dollar eingesammelt, wie Exciting Commerce berichtet. Der Erstkurs der Oddity-Aktie (Chart) an der New Yorker Nasdaq lag 40 Prozent über dem Ausgabepreis; die Bewertung des Unternehmens liegt damit bei rund 2 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2022 erzielte Oddity Umsätze von 325 Millionen US-Dollar, was einem Wachstum von 46 Prozent entspricht. Im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte das Unternehmen weitere 83 Prozent Umsatzwachstum verzeichnen.

Second-Hand-Marktplatz Vinted wächst, aber macht weiter Verlust
Der in Litauen gegründete europäische Online-Marktplatz Vinted für gebrauchte Mode im C2C-Segment ist im vergangenen Jahr gewachsen, allerdings bei weitem noch nicht profitabel: Der Umsatz stieg um 126 Mio. Euro (plus 51%), während die Verluste zwar um rund 60 Prozent gesenkt wurden, aber immer noch 43 Mio. Euro betragen, wie onlinemarktplatz.de zusammengetragen hat. Das Unternehmen sei im letzten Jahr erfolgreich in die drei neuen Märkte Schweden, Ungarn und Slowakei gestartet und damit nun in 19 Ländern aktiv; zudem habe man den Versanddienst Vinted Go eingeführt.

Jendaya: Afrikanischer Luxusmode-Marktplatz mit globalem Flair
Der Mode-Marktplatz Jendaya will sich als „people-powered“ E-Commerce-Plattform mit afrikanischen Wurzeln und globalem Flair etablieren. Mit Sitz in London arbeitet Jendaya mit Boutiquen und Marken weltweit, die sich etwa durch maßgefertigte Designs für Nachhaltigkeit einsetzen. CEO Ayotunde Rufai, zuvor Investmentbanker, berichtet bei Channelx.world, er habe die Idee für Jendaya gehabt, als er in London Luxusgüter für Verwandte in Nigeria einkaufte. Ziel sei es, zur führenden Luxusmode-Destination Afrikas zu werden, aber natürlich seien Kunden aus aller Welt willkommen. Die Plattform lege Wert auf Glaubwürdigkeit und biete etwa auch Raum für persönliche Stylisten, die Kollektionen für zahlungskräftige Kunden kuratieren.

Britischer Online-Supermarkt Ocado macht wieder Gewinn
Der britische Online-Supermarkt und Lösungsanbieter Ocado, zuletzt auf Platz 7 der größten britischen E-Commerce-Shops, hat im ersten Halbjahr 2023 einen Bruttogewinn von 16,6 Mio. Pfund erwirtschaftet und ist damit auf Gruppenebene wieder profitabel, wie Ecommerce News Europe berichtet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte Ocado seinen Umsatz um 9,1 Prozent auf 1,37 Mrd. Pfund steigern und gleichzeitig Kosten senken. Zwar ist das Einzelhandels-Kerngeschäft von Ocado wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt, aber spannender an der Firma ist wohl das Software-Standbein, auch wenn dieses erst 6 Mio. Umsatz beiträgt. Man wolle damit den Markt für automatisierte Lager- und Kommissionierungslösungen bearbeiten und sehe auch Potenzial im Ausland. Spekulationen über ein mögliches Interesse von Amazon an einer Übernahme wollte Ocado nicht kommentieren.

Werbung für E-Commerce-Apps wird immer teurer
Retail Apps bringen immer mehr Umsatz, aber deshalb wird es auch immer teurer, sie auf die Smartphones der Zielgruppe zu bekommen. Laut dem „State of eCommerce App Marketing Report 2023“ der Datenfirma AppsFlyer, über den ibusiness.de berichtet, steigen die weltweiten Verbraucherausgaben in nativen Shopping-Apps nach wie vor. Im Durchschnitt erzielten Retail-Apps im Black-Friday-Monat November trotz flauer Konjunktur zehn Prozent mehr Umsatz als im Vorjahresmonat. Parallel steigt allerdings auch die „Cost per Install (CPI)“ immer weiter. Deutschland als wichtiger-E-Commerce-Markt liegt weltweit bei den absoluten Kosten für Nutzerakquise, etwa für iOS, mit umgerechnet 126 Mio. Dollar auf Platz 2 hinter den USA (325 Mio. USD). Wegen der starken Saisonalität dieser Akquisekosten wird empfohlen, seine App schon jetzt mit Werbung auf die Smartphones der Kunden zu pushen, denn direkt vor dem Black Friday wird es zu teuer.

Zahlung per Handfläche kommt in alle Whole-Foods-Filialen
Amazon One, die Identifikation und Zahlung per Handfläche, ist bereits zweieinhalb Jahre alt, aber wartet noch auf den Durchbruch. Nun wird die Technologie in den über 500 Whole-Foods-Filialen eingeführt. Amazon One verwendet eine Darstellung der Venenstruktur in der Hand für eine schnelle und sichere Identifikation und Zahlung ohne Smartphone, wie Amazon es selbst beschreibt. Amazon hat die Technologie bereits an Dritte wie Panera Bread, Coors Field und verschiedene Reiseeinzelhändler lizenziert.

Kassenlose Läden: Valora schließt autonome Stores
Der begehbare Verkaufsautomat ohne Personal lohnt offenbar nicht: Der Schweizer Convenience-Shop-Betreiber Valora, Betreiberin der Ketten „K Kiosk“ und „Avec“, zieht die Konsequenz aus einem Pilotprojekten mit kassenlosen Läden und schließt die Mini-Shops unter dem Label „Avec Box“ wieder. Diese arbeiteten vollständig mit Self-Scanning und ohne Mitarbeiter im Laden, was offenbar nicht auf genügend Nachfrage stieß. Weiter erhöhen will Valora dagegen die Zahl der hybriden „Avec 24/7 Stores“, bei denen tagsüber Personal anwesend ist und die Kunden nur nachts selbst scannen.


Pinterest erleichtert Shopping mit Deeplinks in andere Apps
Pinterest will seine Plattform für E-Commerce-Anbieter interessanter machen und führt als neues Feature seiner Ads „Deep Links“ ein. Pinterest-Nutzer werden nach dem Klick auf die Shopping-Anzeige eines Werbepartners direkt auf die Produktseite in der mobilen App weitergeleitet. Durch das Eliminieren weiterer Schritte wie einer neuen Suche erhofft man sich, vermutlich zu Recht, eine höhere Conversion, wie socialmediatoday.com berichtet. Hat der Nutzer die Händler-App nicht installiert, wird die mobile Website aufgerufen.

Case Study: So funktioniert der Metaverse-Showroom von Falke
Der weltweite Durchbruch des Metaverse ist verschoben, aber alle haben das Thema noch nicht aufgegeben: Die Strumpfherstellerin Falke-Gruppe zeigt mit ihrem virtuellen Marken- und Einkaufs-Showroom, wie der Vertrieb im Metaverse funktionieren kann – mit B2B statt B2C und einem virtuellen Messestand für Einkäufer; textilwirtschaft.de hat darüber eine Case Study veröffentlicht. Händler betreten diesen Showroom als Avatare und können sich die gesamte Produktpalette anschauen. Virtuelle, aber echte Falke-Mitarbeitende stehen für einen Austausch bereit. Falke will auf diesem neuen Vertriebsweg Händler weltweit erreichen und erhebliche Reisekosten für Vertreterbesuche einsparen.


NACHHALTIGKEIT

„Anteil der Kunden, die für nachhaltige Produkte mehr Geld ausgeben, sinkt“
Umwelt- und soziale Themen bleiben zwar für viele Deutsche wichtig, allerdings können es sich immer weniger Verbraucher leisten, Einkaufsentscheidungen unter Nachhaltigkeitsaspekten zu treffen. Außerdem hegen immer mehr Kunden Skepsis gegenüber „Greenwashing“. Etailment hat mit der GfK-Expertin Petra Süptitz darüber gesprochen, wie Händler und Hersteller gerade in schwierigen Zeiten Vertrauen für nachhaltige Konzepte gewinnen.

Tchibos Kreislaufwirtschaft kommt bei H&M-Tochter unter
Second Hand statt Vermieten: Nachdem Tchibo seine eigene Plattform Tchibo Share mit einem Mietmodell für Kinderkleidung vor zwei Jahren eingestellt hatte, macht man nun bei der H&M-Tochter Sellpy mit, wo Nutzer gut erhaltene Mode kaufen und verkaufen können. Tchibos „Pop-up-Store auf Sellpy“ bietet entsprechend auch Kleidung aus dem ehemaligen Tchibo-Share-Sortiment, die für die Vermietung angeboten, aber nie bestellt wurde, heißt es in einem Blogpost von Tchibo.

Carhartt weitet Resale-Programm „Carhartt Reworked“ aus
Die Workwear-Marke Carhartt hat ihr Resale-Programm „Carhartt Reworked“ genannt und es zunächst online sowie mit Pilotversuch in sechs Geschäften getestet. Nun soll es zunächst auf 35 Läden und bis zum Jahresende auf alle ausgeweitet werden, wie Fashion United berichtet. Kunden, die Carhartt-Produkte zurückgeben, erhalten eine digitale Geschenkkarte, die auf den E-Commerce-Seiten und in den Geschäften des Unternehmens verwendet werden kann. Artikel, die nicht für den Tausch qualifiziert sind, werden ordnungsgemäß recycelt oder gespendet. Das Programm soll „zahllose Carhartt-Produkte vor der Entsorgung in Mülldeponien zu bewahren“, hofft der Hersteller.
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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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