
Amazon macht (fast) jeden Kunden zum Influencer, Otto, Liefery, Real, Škoda, Facebook
Ich bin ja ein Kind der Generation "Autofreier Sonntag" und des Helmut Schmidt-Vorschlags vom fernsehfreien Tag. Wenn nun Vögele Shoes der Technik und Logistik wegen im Netz pausiert, dann könnte man das natürlich mit Spott begleiten. Man könnte aber auch mal überlegen, ob das nicht Schule machen sollte: Nach 22 Uhr TikTok-Stille, an Feiertagen nur Schulfernsehen auf YouTube, an Sonntagen kein Zalando und Co. Denken Sie mal drüber nach. Schönes Wochenende.
HANDEL NATIONAL
Amazon macht (fast) jeden Kunden zum Influencer Erinnern Sie sich noch: 2014 versuchte es eBay mit Kollektionen und Kunden, die ihre eigenen Lieblings-Produkte anpreisen. Das Pinterestmäßige Inspirations-Tool gewann aber nie so recht Flughöhe.
Neuerdings bemüht sich ja Adidas, seine Kunden zu Influencern und Händlern zu machen, indem die per App einen eigenen Online-Shop anlegen, den mit kuratierten Produkten füllen und beim Kauf Provision bekommen.
Heute geht auch Amazon mit seinem im Heimatmarkt bereits erprobten Influencer-Programm in Deutschland live, das im Grunde auch nur ein Art Affiliate-Konzept im neuen Gewand ist. Als "Influencer" kann man jetzt auch seinen eigenen "Laden", also eine Landingpage, die eher eine umständlich zu bedienende und hässliche Ideen-Liste ist, einrichten und kassiert dann für verkaufte Produkte eine Provision. Sinnvollerweise hat man dazu einen reichweitenstarken Social Media-Account, um die Seite zu bewerben. Der Shop sieht beim Autor dieser Zeilen beispielsweise dann so wie hier aus.
Lastschrift-Urteil mit Folgen Der EuGH hat heute entschieden, dass die Möglichkeit, per SEPA-Lastschrift zu zahlen, nicht von einem Wohnsitz im Inland abhängig gemacht werden darf. Im konkreten Fall ging es darum, dass die Deutsche Bahn Kunden, die Fahrkarten online per Lastschriftverfahren kaufen möchten, vorschreiben wollte einen Wohnsitz in Deutschland zu haben. Geht nicht, sagt der Europäische Gerichtshof. Wer sich mit Zahlungen aus europäischen Nachbarländern beschäftigt, weiß, dass da angesichts der Geoblocking-Verordnung nun ein Dilemma drohen könnte. Mindestens. Kollege Hanno Bender fühlt sich da gerade massiv ein und sieht das Ende der Lastschrift am Horizont.
Mehr Möbel von Guido bei Otto Nach drei Jahren Zusammenarbeit verlängern Otto und der Designer Guido Maria Kretschmer ihre Kooperation – mit einer neuen Home-&-Living-Kollektion. Insgesamt ist das Sortiment von Guido Maria Kretschmer auf otto.de seit dem Start der Kooperation im Mai 2016 auf mehr als 1000 Artikel angewachsen, davon 600 aus dem Bereich Home & Living.
Otto experimentiert mit automatisch erstellten Produktbeschreibungen. Eine Software des Technologie-Start-ups AX Semantics wandelt Artikeldaten in Kurztexte um – zunächst in Webshops für Sofas, Matratzen & Co, in Zukunft für weitere Shops und Sortimente. Derlei Tests hätte man auch schon 2014 machen können. Damals stellten wir das Unternehmen (damals noch Aexea) von Saim Rolf Alkan, einem Schwaben, erstmals vor.
Liefery füllt DHL-Lücke
Nachdem sich DHL von der Zukunft verabschiedet hat und auf E-Food-Lieferungen verzichtet, rückt Liefery nach und übernimmt den Job bei DHL und Real. Mangels Kapazitäten bleiben derzeit aber einige Gebiete unterversorgt, meldet die Lebensmittel Zeitung.
INTERNATIONAL
Amazon zeigt, wo Werbung hinführt
Wie wirksam ist Werbung auf Facebook oder Google und wo führt sie hin? Diese Frage will das Tool "Amazon Attribution" beantworten. Es gibt an, ob und inwieweit Kunden - nach Blick und Klick auf Anzeigen bei Google und Facebook - auf Amazon einkaufen. Das Tool von Amazon zeigt dabei (natürlich), dass reichlich Kunden, die bei Google suchen, dann bei Amazon landen. Showrooming-Opfer Google quasi.
Škoda testet Kofferraum-Lieferung Škoda testet in Prag die Warenlieferung in den Kofferraum per App. Die App nebst Plattform mit modularem Backend hat das Start-up Ackee für das Škoda Digi Lab entwickelt.
TRENDS & TECH
Facebook macht auf Tinder
Da ist es nun: Facebook Dating. Das Netzwerk hat das bereits angekündigte Feature nun in den USA gestartet. Europa folgt 2020. Die Funktion, die Instagram integriert, steht Benutzern über 18 Jahren zur Verfügung. Wer mitmacht, bekommt Vorschläge wie bei Tinder und Co und kann Profile kommentieren oder liken. Das Profil von Freunden wird nicht vorschlagen, es sei denn, beide fügen sich gegenseitig zu einer "Secret Crush"-Liste hinzu. Wahrscheinlich ist Facebook angesichts des Wissens über seine Nutzer tatsächlich die "am besten" geeignete Firma für einen Dating-Service, und man muss nicht mal mehr lange Fragebögen über Vorlieben ausfüllen. Hat man ja alles schon jahrelang gemacht. Alle 11 Sekunden verliert Parship also demnächst einen Kunden an Facebook Dating.
Facebook sieht Plus für Video-Werbung
Videowerbung bei Facebook und Instagram wirkt und hilft verkaufen - auch im Supermarkt. Sagt eine Studie von Facebook, die gemeinsam mit den Marktforschern der GfK und großen deutschen Einzelhändlern wie Rewe und Kaufland umgesetzt wurde. Ein Ergebnis: Eine Steigerung der Kaufwahrscheinlichkeit und ein positiver Return-on-Investment in 4 von 5 Fällen.
Zahl des Tages
37% der Konsumenten weltweit bevorzugen noch immer das Einkaufen in Geschäften, 32% gehen lieber online shoppen. Die Zahlen nennt der neue Global Report von Adyen.
Studie des Tages
Immer mehr Kunden können sich vorstellen, dass Sprachassistenten innerhalb der nächsten drei Jahre zum Kanal ihrer Wahl werden und ziehen zusehends Bots einem menschlichen Berater und Verkäufer vor. Dieses Fazit zieht eine Studie von CapGemini. Gut für die Unternehmen: Denn die sparen damit Kosten, beispielsweise im Kundendienst.
Favorit der Leser
Mit steigenden Umsätzen im E-Commerce wachsen auch die Ausfallrisiken für Online-Händler. Was also tun? Den Kunden schnell und unauffällig prüfen.
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Chefredakteur
Olaf Kolbrück, 48, war lange Jahre Reporter Internet und E-Business bei Horizont. Seine Karriere bei Horizont, Fachmagazin für Marketing und Medien, startete er 2000 als Redakteur für Marketing, Web 2.0 und E-Commerce. Daneben gründete er den renommierten Marketing-Blog Off-the-Record.de und zählt zu den profiliertesten Bloggern für digitale Werbung und Marketing. Im Juli 2013 erschien sein Fachbuch "Erfolgsfaktor Online-Marketing - So werben Sie erfolgreich im Netz / E-Mail, Social Media, Mobile & Co. richtig nutzen" (Deutscher Fachverlag, Frankfurt). Anschließend ist von ihm der Kurzgeschichten-Band "Gebete an die Cloud - 5 phantastische digitale Geschichten" erschienen. (Printversion) 2009 gewann er den Innovationspreis des Deutschen Fachverlags. 2011 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Zu seiner früheren redaktionellen Tätigkeit zählen Positionen bei der Handelsgruppe Rewe in Köln und bei der Neue-Rhein-Zeitung. Nebenbei schreibt er Krimis. Sie finden den Autor bei Twitter unter dem Namen @OlafKolbrueck oder auch auf Facebook sowie bei Google+. Kolbrück bloggt auch noch hier. Mehr über Olaf Kolbrück als Autor gibt es auf kolbrueck.de.
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