
Insolvenzen, E-Commerce gegen Rechts, Picnic + Rewe, EM, Meta, Yoox Net-A-Porter, Aliexpress, Temu, Alexa, Bisphenol
Aktuelle E-Commerce-News: Insolvenzen, E-Commerce gegen Rechts, Picnic + Rewe, EM, Meta, Yoox Net-A-Porter, Aliexpress und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
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HANDEL NATIONAL
Insolvenzen um 26,5 Prozent gestiegen
Das Statistische Bundesamt meldet für das erste Quartal einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 26,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Forderungen der Gläubiger beliefen sich auf rund 11,3 Mrd. Euro, ein deutlicher Anstieg gegenüber 6,7 Mrd. Euro im ersten Quartal 2023. Die meisten Insolvenzen je 10.000 Unternehmen gab es im Bereich Verkehr und Lagerei (29,6 Fälle), im Baugewerbe (23,5 Fälle) sowie im Bereich Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (23,0 Fälle). Auch die Verbraucherinsolvenzen stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,8 % an.
E-Commerce gegen rechts
Die Initiative „E-Commerce gegen rechts“ ruft Onlinehändler dazu auf, sich gegen den erstarkenden Rechtspopulismus und die AfD zu positionieren. Michael vom Sondern, Anne Golombek und Brian Ta, die Initiatoren der Kampagne, sind überzeugt, dass der E-Commerce aufgrund seiner Glaubwürdigkeit, Reichweite und des persönlichen Vertrauens der Kunden eine entscheidende Rolle im Kampf gegen rechts spielen kann. Durch eine mutige Bannerkampagne direkt in den Onlineshops sollen potenzielle AfD-Wähler zum Nachdenken angeregt und die wirtschaftlichen Versprechen der Partei entkräftet werden.
Picnic gegen Rewe
Edeka und Rewe kämpfen in Deutschland um die Marktführerschaft im Online-Lebensmittelhandel, berichtet Lebensmittelzeitung.net. Laut Edeka-Chef Markus Mosa hat Picnic, an dem das Unternehmen beteiligt ist, den Rewe-Lieferdienst überholt. Rewe bestreitet dies vehement. Belastbare, unabhängige Zahlen gibt es nicht. Von Picnic ist bekannt, dass das Unternehmen im Jahr 2022 einen Umsatz von 375 Mio. Euro und im Jahr 2023 voraussichtlich 700 Mio. Euro erzielen wird.
EM 2024
EM schafft einen Wachstumsimpuls von 1,3 Prozent
Das Ifo-Institut rechnet während der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland mit rund 600.000 ausländischen Gästen und damit 1,5 Mio. zusätzlichen Übernachtungen. Dies dürfte zu höheren Umsätzen im Gastgewerbe und zu einem zusätzlichen Wachstumsimpuls bei den preisbereinigten Dienstleistungsexporten von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal führen. Gesamtwirtschaftlich sind die Effekte laut Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, jedoch gering, da die inländischen Konsumenten ihre Mehrausgaben an anderer Stelle kompensieren werden.
HANDEL INTERNATIONAL
Meta verschiebt KI-Einführung
Meta verschiebt den Start seiner neuen KI-Software in Europa wegen Datenschutzbedenken, berichtet Golem.de. Die irische Datenschutzbehörde verlangte, dass Meta seine KI-Modelle vorerst nicht mit öffentlich zugänglichen Beiträgen von Facebook und Instagram trainiert, da keine ausdrückliche Zustimmung der Nutzer vorliege. Meta argumentierte, dass sein Ansatz den europäischen Gesetzen und Vorschriften entspreche, und betonte, dass es weiterhin KI-Funktionen nach Europa bringen wolle, um keine zweitklassige Nutzererfahrung zu bieten. In den USA ist Meta AI beispielsweise bereits in den Facebook Messenger integriert.
Umsätze im Onlinehandel Österreichs 5 Prozent gestiegen
Die „E-Commerce-Studie Österreich“ des Handelsverbandes und der KMU Forschung Austria zeigt ein Wachstum des Onlinehandels von 5 Prozent auf 10,6 Mrd. Euro und einen Anstieg des Mobile Shoppings um 36 Prozent bis April 2024, berichtet Internetworld.at. Laut Studienleiter Wolfgang Ziniel kaufen rund 6 Mio. Österreicher im Distanzhandel, wobei 54 Prozent der Ausgaben ins Ausland fließen. Die Retourenquote stieg von 38 Prozent auf 42 Prozent, während das Umweltbewusstsein aufgrund der Teuerung sank. Der Handelsverband fordert faire Wettbewerbsbedingungen und die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze bis 2026.
Yoox Net-A-Porter zieht sich aus China zurück
Die zum Richemont-Konzern gehörende Luxus-E-Commerce-Plattform Yoox Net-A-Porter zieht sich einem Bloomberg-Bericht zufolge aufgrund der schwachen Konsumausgaben aus China zurück, um sich auf seine Kernmärkte zu konzentrieren, schreibt Pymnts.com. Auch in China kommt der Luxusmarkt derzeit nicht richtig in Schwung und die Umsätze des Unternehmens sind rückläufig. Luxusmarken in China nutzen „beispiellose“ Rabatte, um ihre Lagerbestände abzubauen.
Porno-Plattformen vor dem Aus?
Die EU-Kommission hat den Porno-Plattformen Pornhub, XVideos und Stripchat eine Frist bis zum 4. Juli gesetzt, um darzulegen, wie sie den Jugendschutz verbessern, illegale Inhalte verhindern und die Altersverifikation umsetzen wollen, berichtet Onlinehaendler-News.de. Grundlage ist der Digital Services Act, der die Portale als sehr große Online-Plattformen einstuft. Bei Nichteinhaltung drohen empfindliche Bußgelder. Eine praktikable Umsetzung der Anforderungen, insbesondere hinsichtlich der Altersverifikation, ist jedoch fraglich und könnte zur Abschaltung oder regionalen Einschränkung der Plattformen in der EU führen.
Südkorea testet AliExpress, Temu und Qoo10
Die südkoreanische Verbraucherschutzbehörde testete 88 Produkte, die auf den ausländischen E-Commerce-Plattformen AliExpress, Temu und Qoo10 verkauft werden, und stellte laut Insideretail.asia fest, dass fast ein Drittel davon nicht den nationalen Sicherheitsstandards entsprach. Besonders auffällig waren Motorradhelme mit unzureichender Stoßdämpfung, Kinderspielzeug mit schädlichen Materialien sowie Kosmetika mit verbotenen Schwermetallen oder Teerpigmenten. Angesichts des wachsenden E-Commerce-Marktes in Südkorea, der laut Euromonitor im Jahr 2023 einen Wert von 151,8 Milliarden Dollar erreichte, tendiert die Regierung zu strengeren Vorschriften für Online-Shopping-Plattformen.
TRENDS & TECH
Internetnutzung nimmt ab
Laut einer repräsentativen Studie der Postbank sank die durchschnittliche wöchentliche Internetnutzung in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um zwei Stunden auf 69 Stunden pro Woche, berichtet Golem.de. Besonders die sogenannten Digital Natives (18-39 Jahre) verbringen viel Zeit online, planen aber auch häufiger eine Reduzierung ihrer Internetnutzung. Das Smartphone bleibt mit einer Nutzungsdauer von 24 Stunden pro Woche das bevorzugte Gerät, gefolgt von Laptops, Desktop-PCs, Smart-TVs und Tablets.
Sorglosigkeit gegenüber Cyberkriminalität nimmt zu
Laut dem Cybersicherheitsmonitor 2024 ist die Sorglosigkeit gegenüber Cyberkriminalität in Deutschland gestiegen, insbesondere unter jungen Menschen, obwohl die Betroffenheit weiterhin hoch ist: Jeder Zehnte wurde in den letzten zwölf Monaten Opfer einer Straftat im Internet, wobei Betrug die häufigste Form darstellt. Im Vergleich zum Vorjahr werden die meisten Schutzmaßnahmen seltener genutzt, wobei die 16- bis 22-Jährigen im Durchschnitt nur 3,2 Maßnahmen einsetzen und häufig den zu hohen Aufwand als Grund nennen.
Alexa steht vor Problemen
Laut Mobiflip.de steht die Entwicklung einer neuen und verbesserten Version von Amazon Alexa vor Herausforderungen, da die alte Alexa-Technologie im Weg steht und die Vereinigung von alter und neuer Technik problematisch ist. Zudem erschweren die unübersichtliche Organisation im Alexa-Team mit vielen kleinen Untergruppen sowie die angelernte „Alexa-Sprache“ der Nutzer, die nicht natürlich mit dem Dienst interagieren, die Entwicklung einer menschenähnlichen Kommunikation. Angesichts der wachsenden Konkurrenz auf dem Markt für digitale Assistenten muss Amazon bald Fortschritte präsentieren, um Alexa als führende Plattform zu behaupten.
Nutzer vertrauen Temu nicht, shoppen aber trotzdem
Eine Umfrage von Omnisend ergab, dass 86 Prozent der US-Konsumenten Amazon vertrauen, während nur sechs Prozent Temu vertrauen. Dennoch kaufen 68 Prozent der Befragten in den USA und 48 Prozent der Befragten weltweit bei Temu ein, hauptsächlich wegen des Preises (53 Prozent), der Benutzerfreundlichkeit (31 Prozent) und der Angebote und Rabatte (29 Prozent). Laut Retaildive.com zeigen die Ergebnisse, dass Shein und Temu keine vorübergehende Erscheinung, sondern ein fester Bestandteil für Online-Käufer sind.
KI als Chance im E-Commerce
Laut einem Bericht des Zahlungsdienstleisters Rapyd eröffnen Künstliche Intelligenz und Echtzeitzahlungen neue Möglichkeiten im E-Commerce und beim Verkauf digitaler Güter, schreibt Digitalcommerce.com. KI-gestützte Betrugsmanagement-Tools können Online-Händlern helfen, verdächtige Transaktionen schnell zu erkennen und zu bewerten, um Rückbuchungen und Streitfälle zu reduzieren. Zudem gewinnen Echtzeitzahlungen an Bedeutung, da Unternehmen eine sofortige Verfügbarkeit von Geldern, ein verbessertes Cash-Management und ein reibungsloseres Kundenerlebnis anstreben. Bei der Auswahl eines Zahlungsdienstleisters sind laut Umfrage die einfache Integration, Zahlungsgeschwindigkeit, Betrugsprävention und Risikominderung entscheidend.
NACHHALTIGKEIT
EU verbietet Bisphenol A
Die EU-Mitgliedstaaten haben einen Vorschlag zum Verbot von Bisphenol A (BPA) in Lebensmittel- und Getränkeverpackungen sowie in Konsumgütern wie Küchenutensilien und Geschirr gebilligt, meldet Euractiv.de. Laut einem wissenschaftlichen Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die derzeitige BPA-Belastung potenziell schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Immunsystems. Die EFSA setzte eine neue tolerierbare tägliche Aufnahmemenge fest, die 20.000 Mal geringer ist als die vorherige Empfehlung. Das Verbot soll Ende 2024 in Kraft treten, mit einer Übergangsfrist von 18 bis 36 Monaten.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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