
Konsumklima, Lieferando, Mister Spex, Intershop, Cybersicherheitsgesetz, Novomind, Alphabet, Douyin, KI-Modellkollaps, Toern
Aktuelle E-Commerce-News: Konsumklima, Lieferando, Mister Spex, Intershop, Cybersicherheitsgesetz, Novomind, Alphabet und weitere Themen im Überblick.
David WöllensteinRedakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Konsumklima verbessert sich weiter
Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich im Juli deutlich verbessert, wie der GfK-Konsumklima-Index zeigt. Der Indikator stieg um 3,2 Punkte auf minus 18,4 Punkte, getrieben durch gestiegene Einkommenserwartungen und eine nur leicht erhöhte Anschaffungsneigung. Die Einkommensaussichten erreichten begünstigt durch die sinkende Inflation mit 19,7 Punkten sogar den höchsten Stand seit Oktober 2021.
Lieferando stellt den „Pride Guide“ vor
Lieferando hat den „Pride Guide“ ins Leben gerufen, einen Restaurantführer für queerfreundliche Lokale in Deutschland. Die Initiative folgt einer beunruhigenden Umfrage unter 1.049 LGBTQIA+-Personen, die ergab, dass 21 Prozent sich in Restaurants unwohl fühlen und 15 Prozent dort bereits Diskriminierung erlebt haben. Der Guide startet mit rund 80 Restaurants in 40 Städten, die aufgrund ihrer inklusiven Politik und Empfehlungen aus der Community ausgewählt wurden.
Mister Spex steckt in Führungskrise
Mister Spex steckt in einer Führungskrise, nachdem Gründer Dirk Graber überraschend seinen Rücktritt zum Monatsende angekündigt hat, berichtet Businessinsider.de. Zuvor hatten bereits zwei prominente Aufsichtsräte, Claus-Dietrich Lahrs und Gil Steyaert, das Unternehmen kurz nach ihrer Wahl verlassen. Die Optikerkette kämpft mit hohen Verlusten und einer stockenden Auslandsexpansion; im ersten Quartal 2024 verbuchte sie bei einem Umsatz von 51 Mio. Euro einen operativen Verlust von 2,7 Mio. Euro.
Intershop will schwarze Zahlen schreiben
Intershop strebt laut Stern.de trotz schwieriger Wirtschaftslage die Rückkehr in die Gewinnzone an. Im ersten Halbjahr 2024 verringerte sich der Verlust bei einem leicht rückläufigen Umsatz von 19 Mio. Euro auf 700.000 Euro. Das Unternehmen setzt verstärkt auf Cloud-basierte Mietsoftware, deren Umsatzanteil auf 54 Prozent gestiegen ist. Um die Profitabilität zu verbessern, wurden Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet, darunter der Abbau von 29 Stellen.
Regierung setzt Cybersicherheitsgesetz um
Die Bundesregierung hat das „NIS 2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz“ beschlossen, um die entsprechende EU-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Laut Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst haben Cyberangriffe der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr einen Schaden von 148 Mrd. Euro verursacht. Trotz der Verzögerungen bei der Umsetzung fordert er ein Inkrafttreten bis Anfang 2025 und begleitende Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen.
Novomind wiederholt Vorjahresumsatz
Die Novomind-Gruppe erzielte laut Pressemitteilung im Geschäftsjahr 2023 einen Umsatz von 58,8 Mio. Euro und konnte damit das Vorjahresergebnis punktgenau wiederholen. Der Löwenanteil entfiel auf die Novomind AG mit 56,6 Mio. Euro Umsatz, was einem Wachstum von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Unternehmen gewann 2023 neue Kunden wie Wera Werkzeuge, SWB Energie und Wasser sowie Gerl. Dental.
HANDEL INTERNATIONAL
E-Commerce-Export-Europameister? Österreich!
Österreich ist E-Commerce-Export-Europameister, denn 16,2 Prozent seiner KMU sind grenzüberschreitend online aktiv – doppelt so viele wie im EU-Durchschnitt. Die 2018 eingeführte E-Commerce-Lehre hat sich erfolgreich etabliert und zählt derzeit 300 Lehrlinge. Laut Handelsverband.at ist der Handel mit 14.763 Lehrlingen der drittgrößte Lehrlingsausbilder des Landes. Weitere 3.600 Lehrstellen sind derzeit noch offen.
Alphabet erzielt 84 Mrd. Dollar Quartalsumsatz
Der Google-Mutterkonzern Alphabet hat seinen Umsatz im zweiten Quartal dank robuster Werbeeinnahmen und eines starken Cloud-Geschäfts um 14 Prozent auf 84,74 Mrd. Dollar gesteigert, berichtet Manager-Magazin.de. Die Cloud-Umsätze stiegen um knapp 29 Prozent auf 10,35 Mrd. Dollar. Das Unternehmen meldete allerdings auch Investitionsausgaben in Höhe von 13 Mrd. Dollar, worauf der Aktienkurs vorbörslich drei Prozent an Wert verlor.
Douyin schwört dem Preiskampf ab
Douyin, die chinesische Schwesterplattform von TikTok, ändert ihre E-Commerce-Strategie und konzentriert sich wieder mehr auf das Wachstum des GMV als auf den Preiskampf. Einem Bericht von Latepost zufolge sank das monatliche Wachstum des In-App-Shoppings im zweiten Quartal auf unter 30 Prozent, nachdem es in den ersten beiden Monaten des Jahres noch bei über 60 Prozent gelegen hatte. Die Plattform hatte Händlern mit niedrigeren Preisen mehr Sichtbarkeit gegeben, um mit dem Low-Cost-Konkurrenten Pinduoduo mithalten zu können.
TRENDS & TECH
KI: Angestellte klagen über Mehrarbeit
Eine Studie von Upwork zeigt, dass 77 Prozent von 2.500 befragten Arbeitnehmern KI als zusätzliche Arbeitsbelastung empfinden, während hingegen 96 Prozent der Manager Produktivitätssteigerungen erwarten, berichtet Forbes.com. Kein kleines Problem, denn 47 Prozent der Mitarbeiter wissen nicht, wie sie die geforderte Produktivität erreichen sollen, und 40 Prozent halten die KI-Anforderungen ihres Arbeitgebers für überzogen. Um KI effektiv zu nutzen, empfiehlt Kelly Monahan, Geschäftsführerin und Leiterin des Upwork Research Institute, Arbeitsstrukturen anzupassen und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu berücksichtigen, um Burnout und Jobwechsel zu vermeiden.
KI: Der Modellkollaps droht
Wissenschaftler warnen vor einem „Modellkollaps“ bei künstlicher Intelligenz, wenn KI-Systeme zunehmend mit Daten trainiert werden, die sie selbst erzeugt haben. Eine in Nature veröffentlichte Studie zeigt, dass dieser Prozess zu einer dramatischen Verschlechterung der KI-Leistung führen kann, vor allem weil die Modelle die Verteilung der Daten – KI oder Mensch – einfach „vergessen“. Die Forscher bezeichnen diesen Effekt als „unvermeidlich“, da das Internet mit KI-Daten überflutet wird, und betonen deswegen die Bedeutung von eindeutigen Wasserzeichen.
Europäische Unternehmer wollen 17 Prozent mehr investieren
Europäische E-Commerce-Manager wollen die Investitionen in ihre Marken in den nächsten sechs bis zwölf Monaten um 17 Prozent erhöhen, zitiert Channelx.world eine Umfrage von Pattern. 42 Prozent der Befragten wollen mehr in Produktbilder, -videos und -beschreibungen investieren, während 41 Prozent die Expansion auf andere Online-Marktplätze und ins Ausland vorantreiben wollen. Als Haupthindernisse für das Wachstum nennen jeweils ein Drittel der Befragten steigende Versandkosten, Probleme bei der Lagerhaltung und nicht autorisierte Verkäufer.
Second-Hand-Buchmarkt ist etabliert
Eine Umfrage des Online-Secondhand-Buchhändlers Bookbot unter 2.219 Teilnehmenden zeigt, dass 78 Prozent der Leser ihre Bücher regelmäßig weitergeben oder verkaufen wollen. Bücher sind mit 79 Prozent das am häufigsten gebraucht gekaufte Produkt, so die Pressemitteilung, wobei 61 Prozent der Befragten diese in Online-Secondhand-Shops erwerben. 74 Prozent der Leser kaufen monatlich bis zu drei neue Bücher und 44 Prozent lesen sie auch.
NACHHALTIGKEIT
Toern: So will ein Hamburger Start-up das Retourenproblem lösen
Retouren verursachen beträchtliche Kosten und CO2-Emissionen. Das Hamburger Start-up Toern verfolgt eine simple Idee, um hier Abhilfe zu schaffen: Warenrücksendungen gehen nicht zurück ins Lager, sondern direkt an den nächsten Kunden. Wie das genau funktioniert, erklärt Mitgründerin Alena Schneck im Etailment-Interview.
E-Commerce-Logistik verschmutzt die Luft
In der Nähe von E-Commerce-Logistikzentren ist in den USA die Luftverschmutzung signifikant gestiegen, zitiert Theverge.com eine in Nature Communications erschienene Studie. Zwischen 2010 und 2021 erhöhte sich die Anzahl der Lagerhäuser um 117 Prozent, wodurch Nachbarschaften in Windrichtung einen Anstieg der Stickstoffdioxidverschmutzung um fast 20 Prozent erlebten. Besonders betroffen sind dadurch Gemeinden mit einem hohen Anteil an asiatischen und hispanischen Bewohnern, die in den Gebeieten mit den meisten Lagerhäusern um 290 bzw. 240 Prozent überrepräsentiert sind.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
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