
Thomann, Avocadostore, Hellofresh, Start-ups, Verpackungsverordnung, Microsoft + Vodafone, Migros, Mangopay, Fälschungen, Aira
Aktuelle E-Commerce-News: Thomann, Avocadostore, Hellofresh, Start-ups, Verpackungsverordnung, Microsoft + Vodafone und weitere Themen im Überblick.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Thomann macht 65 Prozent Umsatz online
Das Musikhaus Thomann aus dem bayerischen Treppendorf hat im Jahr 2023 einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro erwirtschaftet. Wie Ecommercenews.eu berichtet, wurden fast zwei Drittel davon über den bereits 1996 gegründeten Online-Shop in Deutschland, Europa und den USA generiert. Der Erfolg ist auch darauf zurückzuführen, dass es dem Unternehmen gelungen ist, sich von Amazon zu differenzieren, indem es Produkte verkauft, die es bei Amazon nicht gibt, über mehr Know-how verfügt und spezifische, eigene Dienstleistungen anbietet.
The Platform Group steigt bei Avocadostore ein
Das Düsseldorfer Unternehmen The Platform Group, das seit 2020 über 20 Beteiligungen und Übernahmen durchführte, hat jetzt einen Mehrheitsanteil an Avocadostore erworben, berichtet Textilwirtschaft.de. Die bisherige Eigentümerin, die GLG Green Lifestyle, bleibt mit 49 Prozent beteiligt. Avocadostore wurde 2010 gegründet und ist ein Online-Marktplatz für nachhaltige Produkte, an den über 1.500 Händler und Marken angeschlossen sind.
Goldman Sachs wertet Hellofresh herunter
Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat die Aktien des deutschen Kochbox-Anbieters Hellofresh von „Neutral“ auf „Verkaufen“ herabgestuft und das Kursziel halbiert, berichtet IT-Times.de. Hellofresh meldete für das dritte Quartal einen Verlust, obwohl Investitionen zurückgefahren und Marketingkosten gesenkt wurden. Aufgrund weiter sinkenden Kundenzahlen folgte im November eine Umsatz- und Gewinnwarnung.
39 Prozent weniger Wagniskapital für deutsche Start-ups
Im Jahr 2023 sammelten deutsche Start-ups laut Fashionunited.de sechs Mrd. Euro Risikokapital ein, 39 Prozent weniger als 2022, als 9,9 Mrd. Euro investiert wurden. Die meiste Unterstützung erhielten Gründer im Jahr 2021, als 17,4 Mrd. Euro in neue Geschäftsideen flossen. 2023 gab es nur 861 erfolgreiche Finanzierungsrunden, davon acht mit mehr als 100 Mio. Euro – 2022 waren es 19 Deals. Entsprechend wurden nur 2.500 neue Start-ups gegründet. Die Branche beschäftigt rund 400.000 Menschen und erwirtschaftet fünf Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung.
Cyberattacken die größte Bedrohung für Unternehmen
Laut dem jährlichen Allianz Risk Barometer, für das 3.069 Risikomanagement-Experten aus 92 Ländern befragt wurden, stellen Cyberattacken wie beispielsweise Ransomware-Angriffe im Jahr 2024 das größte Risiko für alle Unternehmen dar. Dies gilt sowohl für kleine Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 100 Mio. Euro, bei denen die Bedrohung mit 32 Prozent bewertet wird, als auch für mittlere (34 Prozent) und große Unternehmen (41 Prozent). Weitere Risiken sind Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen oder Feuer. Die makroökonomische Entwicklung taucht dagegen nur bei den kleinen Unternehmen in den Top 4 auf, während der Klimawandel vor allem die großen Unternehmen mit einem Umsatz von über 500 Mio. Euro bedroht.
Mäßig positive Bilanz nach einem Jahr Lieferkettengesetz
Zwei Drittel der deutschen Unternehmen sehen in der Lieferkette den entscheidenden Faktor für mehr Nachhaltigkeit, so eine Studie von IntegrityNext und dem BME, bei der 244 Unternehmen zur Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes befragt wurden. Bereits 46 Prozent veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht, 58 Prozent bauen ein Risikomanagementsystem auf, 78 Prozent bewerten ihre Lieferanten nach Nachhaltigkeitskriterien. Probleme gibt es noch bei der Sorgfaltspflicht: Zwar haben 76 Prozent zumindest teilweise Einblick in ihre direkten Lieferanten, Probleme wie Zwangs- und Kinderarbeit bestehen jedoch häufig auf den unteren, schwer zugänglichen Ebenen der Lieferkette.
HANDEL INTERNATIONAL
Von Mehrwegquote bis Salz- und Pfeffertütchen: Das plant die EU in Sachen Verpackung
Im November stimmte das EU-Parlament dafür, 2025 soll die neue EU-Verpackungsverordnung in Kraft treten. Sie sieht unter anderem Ziele für wiederverwendbare Verpackungen und Mehrweg vor. Beides trifft auch Händler, vor allem im E-Commerce. Der-Handel-Redakteurin Anna Ntemiris gibt bei Etailment einen Überblick über den Stand der Diskussionen.
Microsoft und Vodafone vereinbaren KI-Partnerschaft
Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone hat mit Microsoft eine Vereinbarung über die Anwendung künstlicher Intelligenz mit einer Laufzeit von zehn Jahren geschlossen, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Die beiden Unternehmen wollen unter anderem in eine Plattform für das Internet der Dinge investieren, die bis April 2024 ein eigenständiges Unternehmen werden soll. Vodafone wird KI für die Kundenberatung einsetzen, während Microsoft künftig die Festnetz- und Mobilfunkdienste von Vodafone nutzen wird.
Migros wächst dank Onlinehandel und Gesundheit
Die Schweizer Migros ist laut Konsider.ch im Jahr 2023 um sechs Prozent gewachsen und hat 32 Mrd. Franken erwirtschaftet. 4,1 Mrd. Franken stammen aus dem Online-Handel, der um 10,3 Prozent wuchs, 2,5 Mrd. Franken von der Tochter Digitec Galaxus, die um 11,6 Prozent zulegte. Der eigene Reiseveranstalter Hotelplan konnte sich nach der Pandemie um 21 Prozent steigern, und der Kauf der Online-Apotheke Zur Rose erwies sich mit einem Wachstum von 74 Prozent als gute Investition. Im klassischen Detailhandel betrug die Verbesserung 4,1 Prozent, während die Fachmärkte Bike World, Do it + Garden, Melectronics, SportX, Micasa und OBI Schweiz 7,7 Prozent Umsatz verloren.
Mangopay und Storfund kooperieren
Der französische Zahlungslösungen-Anbieter Mangopay wird laut Pressemitteilung in Zukunft mit dem Fintech-Unternehmen Storfund aus London kooperieren, um Verkäufern auf Online-Marktplätzen die Möglichkeit zu bieten, direkt am Tag des Kaufs bezahlt zu werden, statt auf den Zahlungseingang des Käufers warten zu müssen. Mangopay stellt dabei seine End-to-End-Infrastruktur zur Verfügung, die auf einer programmierbaren E-Wallet-Lösung basiert, Storfund übernimmt als Bank gegen eine Gebühr die Zwischenfinanzierung.
TRENDS & TECH
Fälschungen in der EU kosten 16 Mrd. Euro
Laut einer Studie der EU-Agentur für geistiges Eigentum gehen in Europa jährlich 16 Mrd. Euro durch Produktfälschungen verloren, wobei gefälschte Bekleidungsartikel mit 12 Mrd. Euro drei Viertel des Verlustes ausmachen. Auch die Spielzeugindustrie ist betroffen und verliert mit 330 Mio. Euro ein Drittel ihres Umsatzes. Die Agentur schätzt, dass Europa durch Plagiate 200.000 Arbeitsplätze verliert und warnt, dass 15 Prozent der Fälschungen im Beauty- und Gesundheitsbereich als gesundheitsgefährdend eingestuft werden.
Briten werden Schnäppchenjäger
72 Prozent der Briten haben ihre Ausgaben für Luxusgüter im Jahr 2023 reduziert und achten stattdessen mehr auf Dinge des täglichen Bedarfs. 84 Prozent suchten vor dem Kauf aktiv nach Angeboten und Rabatten, so laut Pressemitteilung die Ergebnisse einer Umfrage von YouGov und Temu unter 2.143 erwachsenen Verbrauchern. Nur sieben Prozent kauften Artikel, die im Trend lagen, 78 Prozent gaben an, dass es befriedigender sei, stattdessen ein Schnäppchen zu ergattern. Auf der Suche nach den besten Angeboten und Rabatten glauben 47 Prozent, dass sie im Internet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Non-Food-Artikel finden.
NACHHALTIGKEIT
Aira erhält 145 Mio. Euro an Investitionen
Das schwedische Start-up Aira hat in einer Serie-B-Finanzierungsrunde statt der erwarteten 80 Mio. Euro satte 145 Mio. Euro eingesammelt, berichtet Businessinsider.de. Das Unternehmen will in den nächsten zehn Jahren fünf Mio. Wärmepumpen in Europa produzieren, verkaufen, installieren und den Kunden mit monatlichen Zahlungsmodellen und Spezialisten für staatliche Förderungen entgegenkommen. Eine Million davon sollen in Deutschland installiert werden, wo sich Aira derzeit auf den Großraum Berlin sowie Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt konzentriert und demnächst in München eröffnet.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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