"Neckermann hat viel Geld verbrannt"

"Neckermann hat viel Geld verbrannt"

Handelsexperte und Ex-Arcandor-Manager Jörg Funder spricht im Interview über das neue Online-Konzept des Versenders Neckermann und über die Stolperfallen auf dem Weg zur Restrukturierung.

Björn BöerBjörn BöerChefredakteur
2 Min.· Aktualisiert am
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Nun soll Neckermann zum reinen Onlinehändler mutieren. Ist das neue Konzept erfolgversprechend?
Auf den boomenden Onlinehandel zu setzen, ist sicher richtig. Allerdings halte ich das Konzept, im Textilbereich ausschließlich mit Vertriebs- und Markenpartnern zu arbeiten, für gefährlich. Dadurch minimiert Neckermann zwar das Risiko, auf Warenbeständen sitzenzubleiben. Andererseits verliert der Versender deutlich an Profil und wird zur reinen Verkaufsplattform. Warum soll man Textilien künftig bei Neckermann kaufen? Zudem ist Mode häufig das Einstiegssortiment für Kunden, die später größere Anschaffungen tätigen, etwa Möbel. Diese Sortimentswanderung wird es künftig kaum noch geben.

Macht es Sinn, die Sortimente Möbel und Unterhaltungselektronik auszuweiten?
Hier setzt Neckermann auf Sortimente, die den Cashflow des Unternehmens nicht so stark belasten. Möbelstücke etwa haben lange Lieferzeiten und müssen nicht immer auf Lager vorhanden sein. Unterhaltungselektronik wird oft aus Industrielagern verschickt. Aus der Sicht der Finanzabteilung macht das also Sinn. Ob die Kunden das honorieren, bleibt abzuwarten.

Was halten Sie davon, dass Neckermann die Logistik dicht macht?
In einer Zeit, in der große Onlinehändler wie Amazon oder eBay in die Logistikprozesse investieren, ist diese Maßnahme schwer zu verstehen. Denn erfolgreiche Onlinehändler beherrschen minuziös alle Prozesse der Lieferkette. Otto hat dafür sogar eine eigene Tochter. Dadurch geht Neckermann wertvolle Logistikkompetenz verloren, auch wenn die Ausgangslogistik in Frankfurt zugegebenermaßen stark veraltet ist.

Otto muss ebenfalls restrukturieren. Kann man beide Versender vergleichen?
Überhaupt nicht. Denn Otto handelt strategisch. Bei Neckermann regiert eher die Panik.

Prof. Dr. Jörg Funder ist Professor für Unternehmensführung im Handel und geschäftsführender Direktor des Instituts für Internationales Handels- und Distributionsmanagement (IIHD) an der Hochschule Worms. Funder arbeitete lange Jahre in Führungspositionen mehrerer Handelsunternehmen, darunter auch von 2006 bis 2008 im Arcandor-Konzern.

Interview: Marcelo Crescenti
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Björn Böer
Geschrieben vonBjörn Böer

Chefredakteur

Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.

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