
Neuer Fairtrade-Textilstandard gestartet
Existenzsichere Löhne binnen sechs Jahren: Mit dem Fairtrade-Textilstandard und dem Textilprogramm sollen Arbeiter in der Textilindustrie besser geschützt werden.
Thomas RehmRedakteurMehr als nur eine Zertifizierung
Um eine Veränderung vor Ort zu erreichen, ist die Unterstützung durch lokale Experten unabdingbar. "Es ist wichtig, dass die Fabrikbesitzer und Beschäftigten die Inhalte des Standards und die Beweggründe von Fairtrade verstehen, das ist die größte Herausforderungen bei der Umsetzung des Standards und in den Trainings vor Ort", sagte Siva Parti, Experte für Umwelt, Gesundheit und Arbeitssicherheit bei Sustainable Textile Solutions. Das Textilprogramm holt die Fabriken an dem Punkt ab, an dem sie stehen, und hilft ihnen, die hohen Anforderungen des Standards zu erfüllen. Dabei werden sie unter anderem in den Bereichen Arbeits- und Gesundheitsschutz, Stärkung der Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern, existenzsichernde Löhne und Verbesserung von Effizienz und Produktivität geschult.
Flocert, die unabhängige Zertifizierungsorganisation von Fairtrade, wird auch die Audits in den Textilbetrieben durchführen. Dabei sind die Textilarbeiterinnen und -arbeiter stets durch demokratisch gewählte Vertreter beteiligt, die die Belegschaft über die Ergebnisse informieren. Flocert setzt nur Auditoren ein, die sich besonders gut in den komplexen Abläufen der Textilproduktion auskennen. "Unsere Auditoren sind Experten auf ihrem Gebiet. Gemeinsam mit den Beschäftigten und den Fabriken erarbeiten sie Lösungen, um die Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter zu verbessern", so Rüdiger Meyer, Geschäftsführer, Flocert GmbH.
Verbraucher brauchen noch etwas Geduld
Die fertigen Produkte werden später mit dem Siegel "Fairtrade Textile Production" gekennzeichnet. Dabei wird dem Verbraucher transparent kommuniziert, ob innerhalb der Lieferkette bereits existenzsichernde Löhne gezahlt werden oder ob das Unternehmen noch innerhalb der Sechsjahresfrist darauf hinarbeitet. Besonders ist auch, dass der Textilstandard neben der Verarbeitung von Fairtrade-Baumwolle auch andere nachhaltige Fasern in der Produktion erlaubt.
Zurzeit ist Fairtrade mit interessierten Unternehmen im Gespräch und hofft, bald erste Kooperationen ankündigen zu können. Der Standard kann ab Juni 2016 angewendet werden. "Bis die erste Lieferkette komplett zertifiziert ist und die Verbraucher die ersten Textilien mit dem Fairtrade Textile Production Siegel im Geschäft kaufen können, wird es noch etwas Zeit in Anspruch nehmen", so Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender TransFair e. V.

Redakteur
Thomas Rehm ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Der erfahrene Fachjournalist schrieb zuvor viele Jahre für Titel der dfv Mediengruppe, darunter das Konsumgüter- und Verpackungsportal packaging-360.com, und begleitet heute die Themen Handel, Konsumgüter und Digitalisierung.
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