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E-Commerce kompakt: Aktuelle News zu Douglas, Wolt, ADAC + Galeria, Beschäftigung, Temu + Aliexpress, Flip, Amazon, Tiktok und weiteren Themen des Tages.
Björn BöerChefredakteurDas müssen Sie heute zum Thema E-Commerce wissen.
HANDEL NATIONAL
Douglas wächst deutlicher als erwartet
Im dritten Quartal stieg der Umsatz der Douglas Group im stationären Handel um 7,2 Prozent und im Onlinehandel um 7,5 Prozent, in den ersten neun Monaten wuchs er sogar um 8,7 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro. Das Unternehmen erwartet laut Fashionunited.com eine bereinigte Ebitda-Marge von rund 18,5 Prozent. Im Rahmen seiner Strategie, sich wieder aufs Kerngeschäft zu fokussieren verkaufte das Unternehmen die Online-Apotheke Disapo an MYA Health. Die Umsatzwachstumsprognose für das laufende Geschäftsjahr wurde von 7,0 auf 8,5 Prozent erhöht.
Wolt eröffnet virtuellen Supermarkt in Hamburg
Der finnische Lieferdienst Wolt eröffnet in Hamburg-Eimsbüttel seinen ersten „Wolt Market Store“ außerhalb Berlins. Laut Pressemitteilung handelt es sich dabei um einen virtuellen Supermarkt, den man per App oder Website besucht. Der Market Store fungiert als Lager, aus dem Bestellungen dann in weite Teile Hamburgs innerhalb von 35 Minuten ausgeliefert werden. Das Sortiment umfasst 5.000 Produkte, darunter auch lokale Marken wie Luciella’s Ice Cream und North Coast Coffee Roasters.
ADAC übernimmt Reisebüros von Galeria
Der ADAC übernimmt zum Oktober von Galeria alle 70 Reisebüros und mehr als 280 Mitarbeiter sowie die Internetauftritte urlaub.de und galeria-reisen.de, berichtet Tagesschau.de. Die Filialen sollen als Galeria-Reisebüros erkennbar bleiben, aber um die Marke ADAC ergänzt werden. Damit erhöht der Automobilclub die Zahl seiner Reisebüros auf mehr als 240. Andreas Hartel, Geschäftsführer des ADAC Hessen-Thüringen, sieht darin eine Chance, die Marktposition auszubauen und die Kunden besser zu betreuen.
Beschäftigung im Einzelhandel stabil
Die Beschäftigung im Einzelhandel bleibt trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit über 3,1 Mio. Beschäftigten zum 31.12.2023 stabil, berichtet der HDE. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtbeschäftigung leicht um 0,5 Prozent gesunken, liegt aber um 0,4 Prozent über dem Niveau von 2019. Die Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen jedoch eine Fachkräftelücke von rund 120.000 Stellen.
HANDEL INTERNATIONAL
Amerikanischer Onlinehandel wächst auf 1,2 Bio. Dollar
Der amerikanische Online-Einzelhandel wird laut eines Berichts von FTI Consulting in diesem Jahr voraussichtlich um 9,8 Prozent auf 1,2 Bio. Dollar wachsen und damit 22,7 Prozent des gesamten Einzelhandels ausmachen. Das Wachstum setzt sich fort, bis es in den nächsten zehn Jahren bei etwa 35 Prozent stagnieren wird, wobei einige Produktkategorien dieses Niveau bereits erreicht haben.
Temu gleichauf mit Aliexpress
Mit knapp 470 Mio. Einzelbesuchern liegt Temu nach nur zwei Jahren weltweit auf Platz zwei, gleichauf mit Alibabas Aliexpress, aber immer noch hinter Amazon, berichtet IT-Times.de. Temu ist in über 70 Ländern aktiv und exportiert täglich über 400.000 Pakete mit einem Gesamtgewicht von rund 600 Tonnen. Der Erfolg basiert unter anderem auf der Vernetzung von über 100 Produktionsstätten in den chinesischen Provinzen.
Flip kauft Curated
Die kalifornische Social-Commerce-Plattform Flip, die ähnlich wie Tiktok Shop auf nutzergenerierte Videos setzt, übernimmt für 330 Mio. Dollar den Expertenmarktplatz Curated, berichtet Excitingcommerce.de. Die Erwerbung passt ins Profil von Flip, wo Nutzer durch das Hochladen von Videos, das Ansehen oder Teilen anderer Videos, das Liken und Kommentieren sowie das Schreiben von Rezensionen Credits für eigene Einkäufe erhalten und nicht durch Provisionsverkäufe.
45 Prozent der Lagerarbeiter verletzen sich am Prime Day
Ein Bericht des US-Senatsausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten weist auf ein erhöhtes Verletzungsrisiko für Amazon-Lagerarbeiter während des Prime Day hin. Der Untersuchung zufolge meldete Amazon im Jahr 2019 zehn Verletzungen pro 100 Beschäftigte, doppelt so viele wie der Branchendurchschnitt. Der Ausschuss schätzt die tatsächliche Quote sogar auf 45 pro 100 Beschäftigte. Amazon bestreitet diese Darstellung und bezeichnet den Bericht als ungenau.
UK: Gründung einer Amazon-Gewerkschaft gescheitert
Die britische Gewerkschaft GMB ist mit ihrem Versuch, die Beschäftigten eines Amazon-Lagers in Coventry zu vertreten, knapp gescheitert, so Reuters.com. 49,5 Prozent der 2.600 Abstimmenden unterstützten die Anerkennung der Gewerkschaft. Die GMB wirft Amazon „gewerkschaftsfeindliche Taktiken“ vor und kündigt rechtliche Schritte an. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Arbeitskämpfen bei Amazon ein, wobei bisher nur in einem Lager in New York eine Gewerkschaft anerkannt wurde.
TRENDS & TECH
71 Prozent aller Amazon-Produkte stammen aus China
71 Prozent aller auf Amazon verkauften Produkte stammen aus China. Die USA mit 30 Prozent, Indien mit 17 Prozent und Deutschland mit sechs Prozent folgen auf den weiteren Plätzen, berichtet Statista.com. Chinesische Unternehmen wie Temu benötigen Amazon jedoch nicht mehr als Zwischenhändler. Ob der Aufbau eines eigenen Billigshops mit markenlosen Artikeln die Bedrohung abwenden kann, bleibt abzuwarten.
Tiktok scheitert vor EU-Gericht
Das Gericht der Europäischen Union hat die Klage des Tiktok-Betreibers Bytedance gegen die Einstufung als „digitaler Torwächter“ abgewiesen, berichtet Zeit.de. Die Kurzvideo-Plattform muss sich nun an die strengeren Regeln des Gesetzes für digitale Märkte halten. Diese gelten für Unternehmen mit mehr als 45 Millionen privaten Nutzern pro Monat und mindestens 10.000 gewerblichen Nutzern. Neben ByteDance fallen auch Alphabet, Amazon, Apple, Booking.com, Meta und Microsoft unter diese Regelung.
Chinesische Verbraucher schämen sich für Luxus
Luxusmarken wie Hugo Boss, Burberry, Richemont und Swatch verzeichnen aufgrund nachlassender Verbrauchernachfrage sinkende Umsätze in China, berichtet Businessinsider.com. Einige Luxusmarken reagieren bereits mit hohen Rabatten, um Kunden anzulocken und Lagerbestände abzubauen. Allgemein führt die schwächelnde Wirtschaft dazu, dass die Mittelschicht sich „schämt“ Luxusartikel zu benutzen, zu tragen oder zu zeigen. Stattdessen kaufen chinesische Konsumenten nun verstärkt im Ausland ein, insbesondere in Japan, wo der schwache Yen günstige Einkäufe ermöglicht.
Online kauft man Schuhe, stationär die Lebensmittel
52 Prozent der Gen Z, 71 Prozent der Millennials, 31 Prozent der Gen X und 19 Prozent der Babyboomer kaufen jede Woche online ein, wobei Bekleidung und Schuhe über alle Generationen am beliebtesten sind, zitiert Textilwirtschaft.de eine Klarna-Umfrage. 81 Prozent aller Befragten kaufen regelmäßig stationär ein und zwar bevorzugt Lebensmittel. Social Media beeinflusst vor allem jüngere Käufer: 53 Prozent der Gen Z und 69 Prozent der Millennials kauften im letzten Jahr Produkte, die sie dort entdeckten, aber nur 19 Prozent der Gen X und 8 Prozent der Babyboomer.
NACHHALTIGKEIT
Umsatz fairer Produkte steigt 7,3 Prozent
Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten ist in Deutschland im Jahr 2023 um 7,3 Prozent auf 2,34 Mrd. Euro gestiegen, wobei 38,6 Prozent davon mit Kaffee erwirtschaftet wurden, berichtet das Forum Fairer Handel. Pro Kopf wurden 27,61 Euro für faire Produkte ausgegeben. Das Forum fordert mehr Klimagerechtigkeit und kritisiert die geplante Aufweichung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Die Bundesregierung solle ihre Zusagen zur Klimafinanzierung einhalten und ausbauen.

Chefredakteur
Dr. Björn Böer ist Chefredakteur der Wirtschaftsmedien und verantwortet in dieser Rolle „Der Handel“ und das E-Commerce-Portal etailment.de. Zuvor war der promovierte Dipl.-Volkswirt unter anderem Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und leitete von 2001 bis 2003 die Wirtschaftsredaktion des F.A.Z.-Business Radios. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Volontär beim Norddeutschen Rundfunk.
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