
Notino will den Parfümmarkt angreifen – nur in Deutschland wird abgewartet
Im deutschen Parfümhandel ist viel Bewegung, dafür sorgt Marktführer Douglas. Der tschechische Onlinehändler Notino schaut sich das alles er in Ruhe an, bevor er hier weiter expandiert. Dafür setzt das Unternehmen auf die Ideen eines deutschen Mittelständlers.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentOnlinehandel kostet viel Geld
Das über 83 Jahre alte Unternehmen beherrscht auch den Onlinehandel, von zuletzt 12 Millionen Euro Umsatz erzielte Mußler die Hälfte im Netz – für einen Mittelständler eine sagenhafte Quote. Jedoch nicht genug, um zukunftsfähig zu bleiben. "Denn man braucht eigentlich 20, 30 Millionen Gesamtumsatz, um die enormen Investitionen für Technik und Logistik zu decken", sagt Mußler. Also lieber aufgehen in einem Internet-Pure-Player. Notino hat sich Mußler als Partner ausgesucht, "weil wir ein innovatives Unternehmen sind und online verstehen". Es gibt mittlerweile einen deutschen Notino-Webshop, der Mußler-Webshop ist ebenfalls noch am Netz. Notino hat dank Mußler auch Zugang zu den gehobenen Marken bekommen, bei den meisten der wichtigen Labels ist man mittlerweile offizieller Partner. "Bis 2020 wollen wir mit sämtlichen großen zehn Konzernen zusammenarbeiten", sagt Mußler.
Spätestens dann wäre die Imagekorrektur gelungen, denn der Versender stand lange unter Verdacht, Graumarktprodukte zu vertreiben.
Notino soll ein "echter" Onlinehändler werden
Es geht um eine Neuausrichtung des tschechischen Versenders. "Bei Notino standen bisher IT und Logistik im Vordergrund, jetzt soll das Unternehmen zu einem 'echten' Beauty Player entwickelt werden", sagt Mußler. Das Unternehmen Mußler ist mittlerweile kleiner geworden, von bisher fünf Filialen wurden zwei an Baslerbeauty verkauft. Die Leitung des Tagesgeschäfts hat der Inhaber in andere Hände gelegt, er kümmert sich um die Notino-Expansion in Europa, die bei 17 Läden angekommen ist. Fünfzig sind das Ziel.
Click & Collect brummt in Osteuropa
Notino braucht diese stationären Präsenzen – wegen des Onlinegeschäfts. In Deutschland ist das noch ein kleiner Bereich, denn etwa im Notino-Store im "Gerber" werden derzeit monatlich nur rund 500 online georderte Sendungen abgeholt.
Doch in Osteuropa brummt das Modell Click&Collect: In Tschechien und Polen liegt die monatliche Quote von Abholungen im Schnitt bei 15.000 Bestellungen, "an Weihnachten geht das hoch bis 50.000", sagt Mußler. Schnell rechnet er hoch, was es für einen Händler bedeutet, wenn von diesen tausenden Abholern nur 20 Prozent zusätzlich im Laden etwas kaufen.
Erst Bulgarien und Polen, irgendwann auch Deutschland
Es sind generell große Dimensionen bei Notino. Europas größter Onlinedufthändler wurde vor 13 Jahren in Brno von Michal Zámec gegründet und ist vor allem in Osteuropa die erste Adresse bei Kosmetikkunden. 2017 wurden insgesamt 310 Millionen Euro umgesetzt. Das Ziel für dieses Jahr heißt: 400 Millionen Euro.
Die stationäre Expansion von Notino betrifft vorerst Städte wie Sofia, Warschau und Wien, weniger den deutschen Markt. Hier sind zwar neben Stuttgart neun weitere Flagshipstores geplant, doch unklar ist, wann und wo. Denn der Markt hierzulande befindet sich in einer Konsolidierungsphase, sagt Mußler.
Notino muss in Deutschland noch bekannter werden
Rund 400.000 Euro Investitionskosten für eine neue Filiale plus 200.000 Euro Warenbestand wollen daher gut überlegt sein. Zudem ist Notino als Nummer vier im Onlinebeautyhandel immer noch relativ unbekannt, daher der bescheidene Umsatz von 50 Millionen Euro. Die Konsolidierung des Marktes wird auch von einer Frau geprägt – Tina Müller. Seitdem sie als neue Chefin Douglas führt, wird nicht nur das eigene Unternehmen durcheinandergewirbelt, sondern die gesamte Branche. "Der Marktführer hatte den Markt nicht mehr geführt", beschreibt Mußler Douglas in der Vor-Müller-Zeit. Alles schien auf die Renditeziele der Investoren, erst Advent, jetzt CVC, ausgerichtet gewesen zu sein, weniger auf das Kerngeschäft Einzelhandel.
"Doch im Handel spielen der Kunde und die Mitarbeiter eben die entscheidende Rolle. Wer hier einen guten Job macht, kann auch die Renditevorgaben von Investoren befriedigen und nicht umgekehrt", sagt Mußler.
Die Schmerzgrenzen bei Rabatten verschieben sich immer mehr
Wie Douglas neuerdings den Markt beeinflusst, lässt sich daran ablesen, dass Tina Müller die Preise von 8.000 Produkten gesenkt hat – und daran muss sich die Branche orientieren. "Alle ziehen mit", beschreibt es der Unternehmer Mußler. Auch die Rabattgrenzen dürften sich noch weiter nach unten verschieben.
Bisher galten 20 bis 25 Prozent Nachlass als Schmerzgrenze, doch schon jetzt sind 30 Prozent keine Seltenheit mehr.
Douglas greift sich Parfumdreams
Zudem war der Erwerb der Mehrheitsanteile an der Akzente-Parfümerie inklusive des Onlinekanals Parfumdreams durch Douglas ein Paukenschlag, dem noch weitere folgen dürften. "Bei dieser Akquisition ist es unser Schwerpunkt, den Bereich E-Commerce besser aufzustellen", begründet Tina Müller im Gespräch mit Der Handel den Einstieg. "Wir haben immer gesagt, dass wir Akquisitionen prüfen und zugreifen, wenn sich die Gelegenheit dafür bietet. Aber es gibt jetzt keine weitere Ankündigung." Bis jetzt, wohlgemerkt. Das Jahr dürfte noch einige Überraschungen wie beim Parfumdreams-Deal bringen, was den Markt weiter verändern wird. Daran ist nicht nur Douglas schuld. Schließlich gibt es ja auch den stark wachsenden französischen Giganten Sephora – und Zalando.
Zalando in Wartestellung
Der Onlinemodehändler ist jetzt auch im Kosmetikgeschäft aktiv, 4.000 Beautyprodukte sind bisher verfügbar, nur bei Parfüm ist der Versender noch schwach sortiert. "Die Industrie ziert sich noch etwas, aber das wird sich erfahrungsgemäß mittelfristig ändern", sagt Mattias Mußler. Schließlich haben die Hersteller strenge Vorgaben an die Warenpräsentation, online wie offline. Selektiver Vertrieb heißt das. Das wird sich jedoch bestimmt bald lösen, denn einen derart großen Vertriebskanal wie Zalando wird kein Produzent ungenutzt lassen. "Zalando bringt vieles mit: IT, Logistikprozesse und Millionen Kunden", beschreibt Mußler den neuen Konkurrenten. "Wenn die Spaß am Thema Beauty haben, also Geld verdienen, dann wird Zalando in drei Jahren einer der großen Spieler in Deutschland sein."
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Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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