
Onlinehandel zeigt sich krisenfest
Der Konjunkturflaute zum Trotz boomt der Onlinehandel. Viele Internetverkäufer schlossen 2008 mit guten Ergebnissen ab und rechnen im Krisenjahr 2009 sogar mit zweistelligen Zuwachsraten.
David WöllensteinRedakteurKlassische Versender gut unterwegs
Der bislang eher schwächelnde Arcandor-Versand Quelle soll zum „führenden Internetanbieter" ausgebaut werden. Der Marktanteil am Onlinehandel stieg im vergangenen Jahr laut Unternehmensangaben von 3,6 auf 5 Prozent an. Im Geschäftsjahr 2007/2008 wurde für 1,1 Milliarden Euro in den Quelle-Onlineshops bestellt, ein Zuwachs von 22 Prozent.
Auch der Konkurrent Otto Versand erwartet ein starkes Wachstum im E-Commerce. Im noch laufenden Geschäftsjahr habe der Onlinehandel um 38 Prozent zulegen können. Mittlerweile erwirtschaftet der Versender mehr als die Hälfte seines Umsatzes über das Internet, pro Stunde sind es rund 100.000 Euro. Um den Bereich auszubauen, kaufte Otto gerade die Kinder-Shoppingseite Limango ein.
Der Webshop des Hamburger Kaffeeröster Tchibo verzeichnet pro Monat mehr als fünf Millionen Besucher und wird als wichtige Vertriebssäule geschätzt. Online werden unter anderem Möbel gut verkauft, die sich aufgrund ihrer Größe nicht als „Mitnahmeartikel in den Filialen" eignen.
Bundesverband sagt Zuwachs voraus
Beim klassischen Versandhandel wird das Internet immer wichtiger, beobachtet auch der Bundesverband des deutschen Versandhandels. Der Onlinehandel habe in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten gehabt, allein 2008 sei ein Umsatzplus von 23 Prozent erzielt worden.
Am gesamten Einzelhandelumsatz hat E-Commerce aber immer noch nur einen Anteil von 3,5 Prozent. „Die Menschen kaufen immer mehr online, weil das Internet immer selbstverständlicher wird", betont Sprecher Oliver Claas.
Stationäre Händler sollten Onlinepräsenz ausbauen
Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Onlineshopper erstmals auf über 30 Millionen an. Jeder fünfte Onlinekäufer ist sogar älter als 60 Jahre. Reine Onlinebestellungen erreichten einen Wert von 13,4 Milliarden Euro, gut 18 Prozent davon entfielen auf Bekleidung, Textilien und Schuhe.
Einzelhändler, die keinen Onlineshop anbieten, verzichten auf erhebliche Umsätze, geht aus einer Studie des E-Commerce-Center hervor. Bei jedem zehnten Kauf wird vorher die Webseite aufgesucht.
„Händler sollten daher ihre Vertriebskanäle gezielt abstimmen, beispielsweise durch Online-Coupons, die im Ladengeschäft eingelöst werden können", empfiehlt Studienautor Sebastian van Baal.

Redakteur
David Wöllenstein ist Redakteur bei etailment und „Der Handel“. Er schreibt über E-Commerce, Retail-Technologie und digitale Geschäftsmodelle — zuletzt intensiv über Agentic Commerce und den Einsatz von KI im Handel.
Alle Beiträge