
Pillen aus der Box
Das Bestellterminal CoBox soll für Apotheken Versand- und stationären Handel verknüpfen. Der Betreiber sieht für seine Innovation eine große Zukunft. Der Anfang findet in der hessischen Provinz statt.
Steffen GerthRedakteur Der Handel und etailmentDie Idee: Kunden den Einkauf sowie die persönliche Beratung in einer stationären Apotheke zu ermöglichen, ohne dass sie dafür einen langen Anreiseweg in Kauf nehmen müssen.
Dafür tritt man mit dem Geschäft in der CoBox per DSL-Leitung via Mikrofon und Bildschirm in Verbindung, der Vorgang erinnert an einer Videokonferenz. 3,6 Quadratmeter Fläche hat eine Box und wirkt optisch wie eine Telefonzelle oder ein Passbildautomat. Maximal zwei Kunden haben darin Platz.
Die Lahn-Apotheke in Marburg gehört zu den ersten vier Apotheken (alle in Hessen), die eine CoBox testen. Inhaber Thorsten Junk gilt als innovativer Pharmazeut, drei Filialen und ein Onlineshop gehören zu seinem Unternehmen. "Wir dürfen die neuen Entwicklungen auf dem Apothekenmarkt nicht verschlafen", sagt Junks kaufmännischer Leiter Sebastian Hedke.
Diskreter als im Laden
Die CoBox soll Versand- und stationären Handel verknüpfen. Der Kunde wird bei geschlossener Terminaltür individuell beraten - das ist diskreter als im Verkaufsraum einer stationären Apotheke, wo schlimmstenfalls eine Schlange mit Kunden Ohrenzeuge des Gesprächs ist. Das Rezept wird via Scanner auf den Monitor von Annette Dinkel in der Lahnapotheke übertragen, bezahlt wird per EC-Karte.
Die Auslieferung der Arznei erfolgt noch am selben Tag mit einem Marburger Kurierdienst - es sei denn, der Kunde hat seine Bestellung unmittelbar vor Ladenschluss um 18 Uhr abgegeben.
Junk hat seine CoBox im Marburger Medizinischen Versorgungszentrum aufgestellt, wo sechs Ärzte residieren sowie ein Reha-Zentrum seine Dienste anbietet. Für die Lahn-Apotheke ist dieses neue Angebot auch Teil der Imagebildung, wie es Sebastian Hedke formuliert: "Zu einer guten Apotheke gehört persönliche Beratung." Und die soll auch dann möglich sein, wenn der Kunde den Weg ins Geschäft nicht schafft.
Kaufen oder leasen
Daher sieht Erfinder Baudisch die Zukunft der CoBox besonders in Flächenländern wie Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern, wo Patienten zuweilen jetzt schon große Distanzen zurücklegen müssen, um sich Arznei zu beschaffen.
Die Nachfrage nach diesen Terminals sei groß, versichert Baudischs Tochter und Öffentlichkeitsarbeiterin Katja. "Wir rechnen damit, dass bis Ende dieses Jahres deutschlandweit 30 Terminals in Betrieb sind." Die Pilotprojekte hätten ergeben, dass etwa zehn Kunden am Tag notwendig seien, damit sich die Anschaffung einer CoBox amortisiert.
Eine Apotheke kann so ein Terminal bei Baudischs neu gegründeter CoBox AG kaufen oder für 2.000 Euro im Monat leasen.

Redakteur Der Handel und etailment
Steffen Gerth ist Redakteur bei Der Handel und etailment. Für das Digital-Commerce-Magazin der dfv Mediengruppe schrieb er unter anderem die wöchentliche Kolumne "Die Woche im Handel" mit Analysen zum Strukturwandel im deutschen Einzelhandel.
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